Zusammengeschusterter Airbus

,
0

Anflug auf St. Petersburg bei Nacht aus A320. (c) flugundzeit

*Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Russland aufgrund der Sanktionen die Sache selbst in die Hand nimmt: Die staatliche Luftfahrtbehörde stellte fünf russischen Unternehmen Produktionszertifikate aus, mit denen die rund 100 modernen Airbus- und Boeing-Flugzeuge künftig ohne westliche Ersatzteile gewartet werden sollen. Weitere Unternehmen sollen ebenfalls dafür die Genehmigung erhalten. Damit verfallen zwar die Lufttüchtigkeitszeugnis im Rest der Welt, aber die Aktion öffnet Unfällen Tür und Tor.

So sehr es auch jeden von uns durchaus nachvollziehbar nervt, wenn man bei gekauften elektronischen Geräte wie Computer, Handys, WLAN-Radios und ähnlichem nicht mehr ans Innere herankommt ohne die Garantie zu zerstören, bei etwas so komplexen wie einem Linienflugzeug, das Passagiere befördert, ist der normale Weg der Maintenance, nur mit zugelassenen Ersatzteilen (≠ Bogus Parts) doch der sicherere.

Noch gibt es Nachschub aus Ländern, die bereit sind, Russland zugelassene Ersatzteile zu verkaufen. Aber auch diese Chance für Original-Ersatzteile wird abnehmen. Zudem kontrolliert kein im Westen zugelassener Betrieb mehr, was woher stammt und wie eingebaut oder getauscht wird. Die Rückverfolgung und genaue Dokumention aller Maintenance, die in der Luftfahrt zwingend vorgeschrieben ist, entfällt.

Leider wird sich in einigen Jahrzehnten daran keiner mehr erinnern, dass es Flugzeuge gibt, die zwischenzeitlich nicht ordnungsgemäß gewartet waren. Große, internationale Fluggesellschaften werden das sicher überprüfen, aber in Regionen, in denen man sich vornehmlich mit Gebrauchtflugzeugen versorgt, kann dies zum Problem werden.


*Erneuter Hinweis: Politik hat auf flugundzeit nichts verloren. Egal, warum, wieso und wofür. Wenn es allerdings um die Sicherheit in der Luftfahrt geht, dann ist das ein Thema.


Entdecke mehr von FlugundZeit

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.