Oshkosh 2018, die Erste

Foto: FlugundZeit

Die üblichen Fotos des weltgrößten* FlyIns für Piloten vom Selbstbau Kitflugzeug bis zum A380 langweilen. Das hier links hat zumindest den Charme des Augenblicks. „The world’s busiest control tower for a week“ im Hintergrund.

 

*bin als Journalist auch kein Freund von solchen Superlativen, hier aber stimmt es…

Tornados in den umliegenden Bundesstaaten und Regen an den Anflugtagen am ersten Wochenende erschwerten den Anflug für viele Piloten. Aber ab morgen soll die Woche über die Sonne dominieren – sagt der Wetterdienst.

Zwischengeparkte Flieger in Fond du Lac. Auch die anderen umliegenden kleinen Plätze um Oshkosh waren gut besucht an diesem Wochenende. (3 Fotos (c) Robin Dölp).
Foto: Robin Dölp
Mit Konzentration und Sicherheit im Anflug zur Punktlandung auf den Green Dot. Foto: Robin Dölp

Nach Oshkosh selber anfliegen – das ist ein Erlebnis, das man als Pilot nicht so schnell wieder vergisst. Die ausgiebige Vorbereitung inklusive.

Der Frankfurter Pilot und Triebwerksmechaniker Robin Dölp, jedes Jahr zusätzlich im freiwilligen Einsatz auf der Sun ’n Fun und in Oshkosh für die Internationalen Besucher, ist diesmal mit einer gecharterten Piper Arrow selber angeflogen. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag.

🙂 Wasser von unten ist gut – solange es ein Seaplane ist. Foto: Wipaire

Erfinder und Tüftler waren schon immer die Kernklientel der Besucher. Diejenigen, derentwegen die vielen anderen Piloten aus aller Welt angereist kommen.

Mehr und mehr wenden sich auch die Veranstaltungen der Innovation zu. Beginnend mit dem Fokus auf die Drohnen gab es bereits in den letzten Jahren einen kleinen Bereich namens Innovations. Drei, eher unbedeutende Hallen. Neben den Drohnen, die mit dem Drohnenflugkäfig und einer eigenen Halle zunehmend Platz einnehmen, gibt es in diesem Jahr etliches, das der Otto Normalo Pilot diesseits des Ozeans noch gerne ins Reich der Märchen verfrachtet.

Zum Beispiel einen 3d Metalldrucker für Flugzeugteile aus Kalifornien oder ein Fluggerät, das aus zwei existierenden Flugzeugen (Yak55s) und einem zusätzlichen dritten Turbojet-Triebwerk (GECJ610-6) zu den zwei Radialengines besteht – die Yak 110. Sie kann von beiden Cockpits aus geflogen werden, der Starter und die Rauchanlage für die Airshow sind allerdings nur vom linken Flugzeug aus steuerbar.

Das Unternehmen Workhorse will seinen Oktokopter Surefly am Dienstag der Öffentlichkeit vorfliegen. Acht unabhängige Motoren treiben jeweils einen Kohlefaserpropeller an. Ein Notstromaggregat soll im Notfall einen ballistischen Fallschirm aktivieren – so vermarktet der Hersteller das Fluggerät als zukunftsweisende Neuentwicklung eines Helikopters.

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Entwicklung der Cessna 150 nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es nun endlich einen modernen Nachfolger. Cessna selbst hatte es vergeblich mit dem in China produzierten Skycatcher probiert. Das schon vom Aussehen und der Verarbeitung her lapprige Fliegerteil war eine Fehlkonstruktion. (So meine Einschätzungen bereits bei der ersten Vorstellung in Oshkosh. Der Rest der Welt und der Hersteller brauchten Jahre, um zum gleichen Ergebnis zu kommen.)

Okay, es geht auch anders. Da entwickelt ein Avionik-Hersteller ganz still und leise am Boeing Airport ein kostengünstiges (unter 100.000 USD) Vollmetallflugzeug für den Einsatz in der Wildnis. Verstärktes Fahrwerk, die Sitze komplett umlegbar, sodass zwei Personen im Flugzeug liegend übernachten können und stellt es erst (jetzt) im ausgereiften Zustand der breiten Öffentlichkeit vor. Welch ein Kontrast zum großen Bohei und den vielen Rückschlägen auch bei der Entwicklung der Icon.

Sechs Flugzeuge sind schon gebaut, 50 verkauft.

Sogar die Basiversion (Yellowstone) enthält schon ein Dynon Glaspanel (das 10 Zoll SkyView Touch), The Glacier hat ein 10 Zoll SkyView HDX und die Königklasse des Herstellers, The Redwood, lockt mit zwei 10 Zoll HDX Touchscreen Displays.

So kann sich ein Nachfolger für eine sturdy „Cessna 150“ im Jahre 2018 auf dem Markt durchaus bewähren.

Da will ein 11-jähriger US-Amerikaner später studieren. Was eigentlich recht fundierte Finanzen seiner Eltern voraussetzt. Aber der Junge will es alleine schaffen und beschließt in jungen Jahren ein Business aufzubauen, das sein späteres Studium an der Embry Riddle Universität finanzieren soll.

Trevor und seine Mutter Eileen, deren T-Shirt („not for navigational purposes“) ich im Waschraum bewunderte, bis ich erkannte, dass meine im letzten Jahr in Oshkosh gekaufte Decke mit bedruckter Chicago Sichtflugkarte (TAC) auch aus ihrem Familien-Business stammt…

Heute ist Trevor 15, Honor Student auf der High School in DeLand, Florida, und auf dem bestem Weg, viel mehr als sein Studium finanziell zu meistern. Seine Anfangsidee waren auf den (fliegerischen) Kunden angepasste T-Shirts. Mittlerweile sind seine Decken, T-Shirts, Hosen und vieles andere mit vom Kunden spezifizierten Flugkarten der Renner nicht nur in Oshkosh. Die Sachen sind teuer, man könnte auch sagen exklusiv, aber der Absatz ist ungebremst.


Es ist die Attitude, die aussergewöhnliche Piloten aus der Masse heraushebt. Die Haltung, die sich eben nicht nur im Flugzeug zeigt, sondern im gesamten Leben und Umfeld.

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