Hull3: Deep Sea

The Deep* ist eine Attraktion in Hull, die man mit Ozeanium oder Aquarium nur schlecht beschreibt. Es wäre die nächste Generation der Wissensvermittlung über das Meer und seine Bewohner, wenn man E-Books als die Weiterentwicklung von Büchern ansieht.

The Deep ist eine Mischung aus großem Aquarium mit Meeresgetier von Haien bis zu Korallen, das der Besucher auf mehreren Ebenen betrachten kann, und moderner Wissensvermittlung. Zumindest am Abend der Öffnung fürs Science Festival gibt es zusätzlich viele Hands-on-Attraktionen und Veranstaltungen rund um das Thema Meer.

Stationen zeigten etwa live die Gehirnströme von Betrachtern der Meerestiere. Generell entspannten sich alle Teilnehmer, teilweise bis zum Schlafähnlichen Zustand.

Oder auch hier (wie tagsüber an der Uni bei den Bäumen) das Reinhören in eine unbekannte Welt: Wer weiß schon, wie Korallen im Alltag klingen? Auch Fische – entgegen ihrem Image – sind durchaus lautstark unterwegs und kommunizieren mit klickenden Tönen.

Wie man anhand von Haizähnen die Abstammung und Entwicklung unterschiedlicher Tierarten nachvollziehen kann, ist atemberaubend. Es gibt noch so viel im Meer und seinen Bewohnern zu entdecken, das an uns Normalos vorübergeht.

Über mehr als vier Milliarden Jahre Meeresgeschichte – von riesigen Fossilien bis hin zu Megalodon Haizähnen – läßt sich auf einem Spazierweg über mehrere Stockwerke nachvollziehen, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Entlang einer Zeitlinie trifft man Kreaturen aus der Vergangenheit der Ozeane, die während dieser Zeit gelebt haben und kann ihre die Texturen an der Fossilienwand betasten.

Das ist ein kleiner Blick in den eher bekannten Teil von The Deep, ähnlich wie bei anderen begehbaren Riesenaquarien – wie immer die Indoor-Meeres-Attraktionen heißen mögen.

Vor etwa 3.500 Millionen Jahren begann das Leben an einem feuchten Ort auf der Erde – vielleicht einem Gezeitenbecken, einer heißen Quelle oder einem Tiefseeabfluss. Chemikalien wurden konzentriert und Reaktionen wurden durch Aufhellen ausgelöst. In der sauren Ursuppe des Ozeans konnte kein Leben existieren. Erst nach und nach kühlte sie ab und wurde Heimat für eine Reihe von seltsamen Arten: Ultraviolette Strahlung oder vulkanische Hitze erzeugten komplexe kohlenstoffbasierte Chemikalien, die schließlich zu den ersten einfachen Lebensformen wurden.

Vor etwa 600 Millionen Jahren entstanden dann die ersten Mehrzeller. Sie waren noch weich wie Quallen, aber bald entwickelten sich daraus komplexere Tiere mit festen Körperteilen für Bewegung, Angriff und Verteidigung. Vor 500 Millionen Jahren schwammen die ersten Fische im Ozean.

Einige hundert Millionen Jahre später beherrschten riesige Meeresreptilien die Meere. Vor 65 Millionen Jahren starben diese aus – Schildkröten gehörten zu den wenigen Überlebenden. Nun kommen pelzige, vierbeinigen Kreaturen und beginnen, den Ozean für sich zu entdecken: Hyäneähnliche Kreaturen entwickelten sich zu frühen Walen, wurden komplette Wassertiere. Sie verloren ihr Fell und ihre Hinterbeine und gebaren ihre Nachkommen im Ozean.

Erst dann kamen die Menschen, und bevölkerten den Planeten.

Mittlerweile sind wir nun recht gut darin, den Lebensraum, aus dem auch wir entstanden, mit (Plastik)Müll zu verschandeln und zunehmend unlebenswert zu machen.


*Für Cineasten:
The Deep ist auch der Titel eines unvollendeten Filmes von Orson Welles (1969) und eines jüngeren isländischen Filmes (2012). 

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