Die empathische Maschine

Kenza Ait Si Abbou hatten wir schon mal auf Flugundzeit erwähnt. 2019.

Mittlerweile ist sie Leitende Managerin KI bei IBM und hat ein Buch geschrieben, in dem sie sich mit emotionaler Künstlicher Intelligenz befasst. Also mit Robotern, die Gefühle zeigen und verstehen können.

Buchcover © Droemer Verlag

In der Science Fiction gab es das schon lange. Der gruselig komische Frankenstein war vermutlich einer der ersten. Aber am beeindruckendsten fand ich zu diesem Thema den Film Ex Machina. Der Science fiction psychological thriller film [perfekte Bezeichnung!]  aus 2014 von Alex Garland wurde auf Flugundzeit ebenfalls bereits beschrieben.

Für Menschen, die sich – wie ich 🙂 – ernsthaft seit Jahrzehnten mit KI beschäftigen, mit der Software dahinter, der Moral dazu, sind Computer, Roboter mit Emotionen keine Zukunftsmusik, sondern simpel und einfach kommend. Der Übergang vom Menschen einerseits und vom Computer andererseits zu einem neuen Wesen funktioniert schleichend. Stetig und unaufhaltsam.

Das hybride Wesen

Ab wann sehen wir den Menschen als hybrides Wesen? Wenn Kniegelenke, beide Hüften, das Herz und andere Prothesen für eine oder mehrere Extremitäten komplett durch Technik aus künstlichen Materialien ersetzt sind? Oder erst wenn dazu auch noch Hirnimplantate kommen? All das gibt es schon. Vom hybriden Menschen jedoch spricht (noch) keiner. Wir sehen uns immer noch als vollwertige 100% Menschen an.

Aber es gibt auch die Annäherung von der anderen Seite. Hardware und Software, die mehr und mehr Menschen ersetzt, die in vielen Dingen bereits besser ist als der Mensch. Für die es (noch) das Sahnehäubchen wäre, zu fühlen und dann zu handeln wie Menschen. Nun ja, lügen und fantasieren kann die KI-Software [Chat GPT] bereits prächtig…

Vielleicht ist das Handeln wie Menschen nicht in jedem Fall erwünscht?

Auch dazu gibt es etliche gute (uralte) Science Fiction Filme, die sich damit befassen und aufzeigen, welche (unerwünschte) Auswirkungen dies haben kann: 2001 Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick, Tron oder die herrliche Science-Fiction-Parodie des Regisseurs John Carpenter: Dark Star.

Es wird Zeit, dass wir – und damit meine ich die Allgemeinheit – uns mit den Auswirkungen befassen. Unser Zusammenleben und -arbeiten mit Maschinen überdenken. Regeln dazu definieren. Asmiovs drei grundlegende Roboterregeln stammen aus 1942 (!). Auch die Ergänzung des Nullten Gesetzes: Ein Roboter … darf nicht durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt hilft nicht einmal für alle bereits existierenden Anwendungsfälle. Die grundlegende Frage bleibt: Inwieweit ist es Robotern erlaubt, Menschen zu schädigen? Wie wählt der Roboter/die Maschine aus im Konfliktfall?

Und jetzt klingelt es vielleicht bei so manchem Leser, warum das auch jetzt schon relevant ist – bei den mehr oder minder selbstfahrenden Autos (und vielleicht später auch komplett autonomen zivilen Fluggeräten?).

Die Buchbesprechung

Sollte hier nicht eigentlich eine Buchbeschreibung stehen? Wozu die lange Elaboration zum Thema?

Genau. Darum geht es bereits die ganze Zeit. 🙂 Wir wollten nur ein wenig die grauen Zellen schon vorbereiten und neugierig machen, worum es in Menschenversteher geht. Einige der oben angeführten Beispiele behandelt die Autorin ebenfalls und ausführlicher. Mit vielen weiteren Aspekten.

Jedes der unten aufgeführten Kapitel ist im Schnitt in weitere 7 Unterkapitel unterteilt. Die Materie ist also nicht nur gut lesbar, sondern auch gut gegliedert und damit leicht erfassbar.

Die Kapitel von Menschenversteher

  • Die Grundlagen
  • I am feeling much better now
  • Emotionale Intelligenz
  • Emotionale Künstliche Intelligenz
  • Fühlst Du sie, die Technologie
  • Die Menschwerdung der Maschinen
  • Liebe Gefühle, wir müssen reden
  • Der Beziehungsratgeber für eine neue Partnerschaft Mensch – Maschine
  • Die Zukunft ist nichts für Einzelkämpfer
  • Ein paar Forderungen zum Schluss

Kenza Ait Si Abbou liefert die Hintergründe, das Wissen, das zum Weiterdenken und Lösungen finden für die künftige Beziehung Mensch-Maschine notwendig ist.

Und das so lesenswert und unkompliziert, dass es ein Vergnügen ist, sich weiter in die Materie zu vertiefen. Eine Materie, die viele Aspekte hat, an die man aufs Erste gar nicht denkt.

Empfehlenswert

  • ohne Einschränkung für alle und jede(n), der/die derzeit auf der Erde weilt. Weil es wie Atmen, Essen und Schlafen zum Grundverständnis unserer Welt gehört, sich mit Emotionaler Künstlicher Intelligenz in unserem Alltag zu beschäftigen.

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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.