Oshkosh 2026

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The event was nicely covered by the Milwaukee Radio Station 620WTMJ (5:25)
(Many thanks to Vince Vitrano)


Wetter

Chicago am Donnerstag vor dem Air Venture. Nein, das ist kein Nebel und die „Farben“ sind echt. Nicht grau, sondern schmutzig dick fett grau-gelb-braun ist die Luft gefärbt und damit auch die Lungen der Menschen und die Filter der Flugzeuge.

Für eine primär Outside-Veranstaltung wie das jährliche Fly-In in Oshkosh, Wisconsin, ist Wetter ein Thema. Nicht nur für die vielen tausenden Piloten, die unter oder neben ihren Flugzeugen oder in ihren Campern übernachten, sondern bereits beim Anflug zum Treffen.

Jedes Jahr ist anders. Es gab entsetzlich heiße Fly-Ins, sehr nasse mit brutalen Überschwemmungen, und natürlich häufig Stürme. Wie das halt so ist im Sommer im mittleren Westen der USA. Wind ist immer so eine Sache.

Dieses Jahr kamen die Brände aus Kanada hinzu. Die USA-eigenen im Westen waren während des Events kein Faktor. Aber die nordnordwestlichen starken Winde brachten allen Dreck aus den unsauberen Verbrennungen aus Kanada in die Luft.

Chicago, Oshkosh aber auch die Gegend um New York war tagelang vor und zu Beginn des Events in eine graugelbe dicke Suppe gehüllt. Schon nach Minuten im Freien stanken Haare und Kleidung wie stundenlang an einem Lagefeuer geröstet. (Dort kann man sich mit etwas Hirn auf die andere Seite des Feuers begeben, hier war ausweichen unmöglich.) Denn selbst Indoors waren durch die Klimaanlagen die Schadstoffteilchen in der Luft.

Die schlechte Luft schadet nicht nur den Menschen sondern auch den Flugzeugantrieben. Filter verstopfen genauso wie die menschliche Lunge oder das Gehirn. (Sofern vorhanden).

Damit warteten viele mit dem Anflug noch vor Beginn von Oshkosh. Alles tummelte sich am Sonntag und noch mehr am Montag. Am Funk kam es teilweise zu wüsten Beschimpfungen und eher unkameradschaftlichem Flugverhalten durch Abkürzen, Flugweg abschneiden.

Ab Mitte der Woche wurde die Luft erträglicher. Und erfreulicherweise blieb es angenehm kühl um die 24 oder 26 Grad tagsüber. Kein Regen (trotz Tornadowarnung am Montag) und nachts teilweise runter auf 12 Grad; was wiederum bei den Abendveranstaltungen nicht ganz so prickelnd war.

OSH versus KOSH

Eine Freundin von mir meinte einmal, den Begriff Oshkosh würde sie mit Kleidung verbinden. Käme mir nie in den Sinn. Aber irgendwie scheint der Name zu lang zu sein.

Bisher setzte sich die Abkürzung OSH (IATA Bezeichnung) durch, aber nun wechselt das überwiegend zum ICAO Airport Identifier KOSH.

Passt besser, ist aber länger.

250 Jahre USA

Das ging natürlich auch bei OSH26 nicht spurlos vorüber und wurde mit viel speziell bemaltem Fluggerät und Veranstaltungen gebührend gefeiert.

Die Piloten der Zukunft

Sofern der fliegerische menschliche Nachwuchs in der weiteren Zukunft noch gebraucht wird 😉

Die EAA (der Veranstalter des Events) fördert Kinder und Jugendliche außerordentlich. Was sich in der großen Anzahl von Kindern schon während der Woche bemerkbar machte. Jeder unter 18 Jahren darf das Event kostenfrei besuchen. Sponsor dafür ist Boeing.

Die Förderung von Kindern und Jugendlichen geht soweit, dass im Pilotinnenfoto nunmehr Kinder und Jugendliche Vorrang haben vor Pilotinnen, die bereits langjährig in der Luftfahrt tätig sind, ohne von allen Seiten gefördert zu werden. Man sollte das Foto in „Maybe Future Aviators“ umtaufen…

Die Frage ist, ob Menschen, die schon als Kinder und Jugendliche (sinnbildlich) in Watte gepackt und gepampert, pardon unterstützt und bevorzugt, werden sich später zu geeigneten Piloten entwickeln.

Die Kiddies zeigen jedenfalls reges Interesse, bis dieses mangels längerer Aufmerksamkeitsspanne bei Flugvorführungen erlahmt.

Was verständlich ist, wenn die Flugzeuge bei der Nacht-Air-Show für nicht Piloten kaum zu unterscheiden sind und damit natürlich auch nicht das Können der Piloten. Alle werfen Feuerwerk, bunte Leuchtkugeln oder ziehen einen weißen Schweif hinter sich her. Das wird nach dem dritten Flugzeug für Kinder schnell langweilig.

Die Nacht Air Show

Abgesehen von der beeindruckenden täglichen Nachmittags-Show (die man meist jeden Tag ein Stückchen weit sieht (zwischen den anderen Veranstaltungen), gibt es bekanntlich mittwochs und samstags auch von 8 bis nach 10 Uhr die Abendflugshows.

Ohne Feuerwerk – gezündet während der Kunstflugmanöver – fliegt da nachts praktisch keiner mehr. Feuerwerk war in den USA schon immer beeindruckend. 20 Minuten am 4. Juli sind schon das Mindestmaß. Aber mittlerweile kommen die Drohnen dazu und in Oshkosh fliegt auch noch gleichzeitig ein Flugzeug, das ebenfalls feurige Raketen im Kunstflug durch die strahlenden Sterne wirft. Passende Begleitmusik ergänzt das Spektakel.

Sehenswert. Auch wenn die Abfahrt mit dem Auto dann noch zu stundenlangem Warten auf dem Gelände führt. Die Amis können auch Stau.

Why Oshkosh? Warum Oshkosh?

Gute Frage. Es ist exorbitant teuer. Hotels, bei denen ein Zimmer normalerweise 120 Dollar kostet, sind für 300 Dollar ausgebucht, obwohl sie 30 Minuten vom Gelände entfernt sind. Internationale Flüge (sind trotz der öffentlichen Meinung in Deutschland) jeden Tag überbucht. Und im Sommer Urlaub zu kriegen ist auch nicht immer einfach.

Aber für Interessierte haben wir die Gründe hier (Link folgt) nochmals aufgelistet. 🙂

Jeder Teilnehmer sieht die EAA anders. Es gibt so viel zu sehen, hören, ausprobieren, dass jede persönliche Beschreibung immer nur einen kleinen Auszug des gesamten Events bringen kann.

Seminare und Vorträge

Auf der EAA ist die US-amerikanische Behörde zur Untersuchung von Transportunfällen NTSB stets einen Besuch wert. Und erst recht, wenn man gleich Sean Payne, dem Chef der Auswertung von allen „Vehicle Recordern“ zuhören kann. FDRs, also Flugdaten-Recorder fallen da zum Beispiel darunter…

Man erfährt auch, wie die Unfalluntersucher mittlerweile bei der Allgemeinen Luftfahrt („den Kleinen“) die Ereignisse vor dem Vorfall aus Telefonen oder moderner Cockpitinstrumentierung rekonstruieren können.

Oder man kann sich mit dem „Writer“ unterhalten, der die Unfallberichte verfasst. Das Zusammensammeln der Informationen aus den unterschiedlichen Untersuchungsstellen ist dabei wohl die Herausforderung. Er war zuvor UN-Diplomat, das hilft.

Das Thema der rechtliche Neuordnung von den früher als LSA („Leichtflugzeuge“) klassifizierten Fluggeräten im Mosaic Programm war auch großes Thema. schließlich traten (passenderweise) die Änderungen in den USA nun am Freitag, dem 24. Juli in Kraft. Die EASA plant die 1:1 Umsetzung der Regelungen für Europa.

Kunstflug Vögel

Der Aerobatic-Hangar ist nicht nur für die themenspezifischen Vorträge und als Platz zum Ausruhen beliebt, auch ein Rauchschwalben-Pärchen fand einige Wochen vor der Veranstaltung den (damals!) ruhigen Bereich unterm Dach perfekt geeignet, um den Nachwuchs aufzuziehen.

Was für eine Überraschung war dann wohl der Krach und die ständigen „Störungen“ durch die Menschen, die unterm Nest vorbei liefen.


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.