Garmin Axis bündelt die Avionik

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Große Displays sind in modernen Flugzeugen längst Standard. Das Neue an Garmins AXIS-System liegt deshalb weniger in der Bildschirmgröße als in der Integration: Auf Wunsch vereint AXIS Fluglageanzeige, Moving Map, IFR-GPS-Navigator, Sprechfunkgerät, VOR-/ILS-Empfänger und Audio Panel in einem einzigen Gerät.

Garmin stellte das System im Juli 2026 vor und präsentierte es anschließend auf der EAA AirVenture in Oshkosh. AXIS richtet sich sowohl an zertifizierte ein- und zweimotorige Kolbenflugzeuge als auch an Experimental-Flugzeuge, Light Sport Aircraft und europäische Ultraleichtflugzeuge.

Mehr als ein neues Glascockpit

AXIS knüpft an das weit verbreitete G3X Touch an, geht jedoch deutlich darüber hinaus. Beim G3X wurden Navigator, Funkgeräte und Audio Panel meist weiterhin als eigene Geräte eingebaut. Bei AXIS können diese Funktionen direkt in das Display integriert werden.

Garmin bietet ein 11,6-Zoll-Display im Querformat sowie Acht-Zoll-Versionen im Hoch- und Querformat an. Die Bildschirme lassen sich als Primary Flight Display, Multifunction Display oder zur Motordarstellung einsetzen. Neben Touchbedienung besitzen sie weiterhin physische Bedienelemente am Rahmen.

Das große Display ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Das Basismodell dient vor allem als PFD und MFD. Eine weitere Version integriert ein zertifiziertes IFR-GPS, ein COM-Funkgerät und ein Audio Panel. Die umfangreichste Ausführung ergänzt einen NAV-Empfänger für VOR, Localizer und ILS.

Der klassische Avionik-Stack schrumpft

Das integrierte Funkgerät arbeitet mit zehn Watt Sendeleistung und unterstützt auch den in Europa üblichen Kanalabstand von 8,33 Kilohertz. Das Audio Panel umfasst ein Intercom für vier Plätze und kann neben dem eingebauten Funkgerät ein zweites COM einbinden.

Flugpläne, Wegpunkte, Warteschleifen und Anflugverfahren werden direkt über die AXIS-Oberfläche eingegeben und bearbeitet. Transponder, ADS-B-Empfänger oder DME bleiben zwar separate Komponenten, können jedoch verdeckt eingebaut und über das Display bedient werden.

Damit ist AXIS kein vollständig unabhängiges Einzelgerät, sondern das zentrale Bedien- und Anzeigeelement eines vernetzten Avioniksystems.

Neue Darstellung, bekannte Bedienlogik

Piloten, die bereits Garmin-Systeme nutzen, dürften sich schnell zurechtfinden. Karten, Flugparameter, Verkehr und Wetter lassen sich in verschiedenen Teil- und Vollbildansichten darstellen. Widgets zeigen zusätzliche Informationen, ohne die primären Flugdaten zu überdecken.

Eine Palm-Rejection-Funktion soll verhindern, dass der auf dem Bildschirm abgestützte Handballen unbeabsichtigte Eingaben auslöst. Gerade bei Turbulenzen kann das die Touchbedienung erleichtern. Über die Knöpfe am Gehäuserand kann man aber auch ganz ohne die Touch Screen Funktion arbeiten.

Enhanced Synthetic Vision stellt Gelände, Hindernisse, Pisten und den berechneten Flugweg dreidimensional dar. Am Boden zeigt 3D SafeTaxi Rollwege, Gebäude und Markierungen aus einer virtuellen Außenperspektive. Zusätzlich besitzt jedes Display einen HDMI-Eingang, über den beispielsweise das Bild einer Außenkamera eingeblendet werden kann.

Mehr Aufmerksamkeit für die Piste

Zu den neuen Sicherheitsfunktionen gehört Runway Occupancy Awareness. Das System wertet die Position geeigneter ADS-B-Ziele aus und kann vor Flugzeugen oder Fahrzeugen warnen, die sich auf oder nahe einer Start- und Landebahn befinden.

Die Funktion ersetzt jedoch kein Bodenradar. Sie kann nur Ziele erfassen, deren ADS-B-Daten empfangen werden. Flugzeuge oder Fahrzeuge ohne entsprechendes Signal bleiben unsichtbar.

Optional ist SurfaceWatch verfügbar. Es warnt unter anderem vor dem Start auf einem Rollweg oder vor der Nutzung einer falschen Piste.

Über eine eigene Notfalltaste lassen sich Funktionen wie Smart Glide aufrufen. Bei einem Motorausfall sucht das System nach einem erreichbaren Flugplatz und kann in Verbindung mit einem kompatiblen Autopiloten zunächst Kurs und Geschwindigkeit unterstützen. Die Landung selbst bleibt jedoch Aufgabe des Piloten. Für den unbeabsichtigten Einflug in Wolken gibt es eine 180-Grad-Umkehrkurven-Funktion.

Motordaten und Zustandsüberwachung

AXIS kann auch als primäres Engine Indication System eingesetzt werden. Angezeigt werden unter anderem Drehzahl, Ladedruck, Kraftstoffmenge, Öltemperatur, Öldruck sowie Zylinderkopf- und Abgastemperaturen.

Flug- und Motordaten lassen sich nach dem Flug an Garmin-Dienste oder externe Analyseplattformen übertragen. Dadurch können sich langsam entwickelnde Auffälligkeiten sichtbar werden, etwa steigende Temperaturen oder Abweichungen zwischen einzelnen Zylindern.

Diese Daten ersetzen keine Wartung, können aber frühzeitig Hinweise auf technische Probleme liefern.

Drahtlose Updates und Datenaustausch

WLAN und Bluetooth gehören zur Grundausstattung. Flugpläne, Wetterdaten und Verkehrsinformationen können zwischen AXIS und der Garmin-Pilot-App ausgetauscht werden.

Mit Database Concierge lassen sich neue Navigationsdaten zunächst auf ein Mobilgerät herunterladen und anschließend drahtlos in die Avionik übertragen. Ein USB-C-Anschluss dient dem Datentransfer und kann angeschlossene Geräte mit bis zu 27 Watt laden.

Weitere Funktionen wie automatische Datenbankdownloads, Statusabfragen und das Hochladen von Flugplänen sollen über den GDL-60-Datalink und PlaneSync möglich werden. Teilweise sind dafür Abonnements und eine Internetverbindung am Boden erforderlich.

Hohe Integration braucht Redundanz

Je mehr Funktionen in einem Gerät zusammenlaufen, desto wichtiger wird die Ausfallvorsorge. Garmin gibt an, dass zentrale Funktionsgruppen intern getrennt aufgebaut sind. Bei einer Installation mit mehreren AXIS-Displays sollen wichtige Anzeigen auf ein verbleibendes Gerät wechseln können.

Fällt bei einer Einzelinstallation das Display aus, soll das integrierte Funkgerät weiterhin funktionieren und automatisch die Notfrequenz 121,5 Megahertz einstellen.

Trotzdem bleiben unabhängige Standby-Instrumente, eine zweite Kommunikationsmöglichkeit und eine geeignete elektrische Notversorgung besonders für IFR-Flüge sinnvoll. Auch Garmins eigene Beispielkonfigurationen kombinieren AXIS mit zusätzlichen Standby-Anzeigen, Autopilot und separatem Transponder.

Einfachere Nachrüstung für G3X-Besitzer

Für vorhandene G3X-Touch-Installationen bietet Garmin einen vergleichsweise einfachen Upgrade-Pfad. Das große AXIS-Display nutzt denselben Instrumentenbrettausschnitt und dieselben Befestigungspunkte wie das bisherige 10,6-Zoll-G3X-Touch-Display.

Ein Teil der vorhandenen Verkabelung kann weiterverwendet werden. Dennoch ist der Austausch nicht immer ein reines Plug-and-play-Verfahren. Je nach Konfiguration müssen Leitungen, Sensoren und externe Geräte angepasst werden.

In Mehrfachdisplay-Installationen ist zudem kein Mischbetrieb von G3X Touch und AXIS vorgesehen. Alle Bildschirme müssen gegen AXIS-Geräte ausgetauscht werden.

Zulassung entscheidet über den Einbau

Die großen AXIS-Displays besitzen FAA- und EASA-TSO-Genehmigungen. Diese bestätigen jedoch nur, dass das Gerät festgelegte technische Mindestanforderungen erfüllt. Für den Einbau in ein zertifiziertes Flugzeug ist zusätzlich eine zugelassene Installation erforderlich.

Garmin hat dafür ein Supplemental Type Certificate mit einer umfangreichen Approved Model List angekündigt. Vor jeder Nachrüstung muss dennoch geprüft werden, ob genau das betreffende Flugzeugmuster und die vorhandene Ausstattung abgedeckt sind.

Für Experimental-Flugzeuge und europäische Ultraleichtflugzeuge gelten andere Genehmigungswege. Auch dort hängt die Zulässigkeit vom jeweiligen nationalen Regelwerk ab.

Noch nicht alle Funktionen verfügbar

Zum Marktstart waren zunächst die großen 11,6-Zoll-Displays verfügbar. Die kleineren Acht-Zoll-Versionen sollen folgen. Auch mehrere Funktionen befinden sich noch in Entwicklung oder Zulassung.

Dazu gehören unter anderem erweiterte Motordarstellungen für zweimotorige Flugzeuge, zusätzliche Autopilot-Kompatibilität, digitale Checklisten, SiriusXM-Wetter und die vollständige PlaneSync-Anbindung.

Käufer müssen deshalb genau unterscheiden zwischen angekündigten Funktionen und tatsächlich zugelassenen Fähigkeiten für das eigene Flugzeug.

Integration spart Platz, nicht Geld

Ein vollständiges AXIS-Cockpit ist technisch attraktiv, aber nicht billig. Garmin nennt für größere Zwei- oder Drei-Display-Konfigurationen Gerätepreise im mittleren fünfstelligen US-Dollar-Bereich. Installation, Sensoren, Autopilot, Transponder, Standby-Instrumente und Werkstattarbeit kommen hinzu.

Der wirtschaftliche Vorteil liegt daher weniger in einem niedrigen Gesamtpreis als in der Zusammenfassung mehrerer Geräte. IFR-Navigator, Funkgerät, Audio Panel und große Displays müssen nicht mehr einzeln gekauft, verkabelt und eingebaut werden.

Bedeutung für Europa

Erste Flugzeughersteller planen AXIS bereits für den Serieneinbau. Besonders interessant ist das System für europäische UL- und LSA-Hersteller, die bisher häufig das G3X Touch verwenden.

Durch identische Einbauöffnungen und teilweise weiter nutzbare Garmin-Komponenten lässt sich AXIS vergleichsweise leicht in bestehende Cockpitkonzepte integrieren. Zugleich passt das System zu den schwereren und leistungsfähigeren Light-Sport-Flugzeugen, die durch die neuen amerikanischen MOSAIC-Regeln entstehen.

AXIS verbindet damit zwei bisher unterschiedliche Welten: das frei konfigurierbare Glascockpit von Experimental- und Ultraleichtflugzeugen und die zertifizierte IFR-Avionik klassischer Reiseflugzeuge. Die eigentliche Neuerung ist nicht der Bildschirm, sondern die zunehmende Verschmelzung von Navigation, Kommunikation, Motordaten, Sicherheitsfunktionen und digitaler Vernetzung zu einem einzigen Cockpitsystem.

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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.