
Wie sieht der Antrieb der Zukunft aus?
Das ist die Frage für künftige Verkehrsmittel. Dr. Rupert Gammon von der De Montfort University sieht es so: „Die Industrie präferiert derzeit, auch weil sie dabei von der Politik unterstützt wirdt, den Batterie-elektrischen Antrieb. Der wird sich aber auch auf lange Zeit nicht für längere Strecken und größere Fahrzeuge wie LKW oder Busse durchsetzen.“ Man braucht einfach zu viel Lithium für die Batterien, wenn wirklich alle damit ausgestattet sein sollen. Das Lithium-Vorkommen ist endlich auf der Erde, Wasserstoff hingegen eine unbegrenzte Ressource. Dazu kommt das Gewichtsproblem bei den Elektrobatterien, ganz speziell für die Luftfahrt.
Die De Montfort University entwickelt innovative Systeme für Batterie-elektrisch und Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge, sowie nachhaltige „Mobilität als Dienstleistung“ (MaaS). So entstand für Afrika als Pilotprojekt der erste solarbetriebene elektrische Taxidienst, 2017 in Ghana.

Dr. Rupert Gammon und der Wasserstoff-Anhänger
(c) FuZ
Forschungsthemen an der DMU bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen sind die Herstellung von „grünem Wasserstoff“ (aus der Elektrolyse von Wasser) und der Einsatz von Brennstoffzellen, um die Reichweite von Elektrofahrzeugen zu erhöhen und die Betankungszeiten zu verkürzen. Dies bringt Potenzial für größere Fahrzeuge, die längere Strecken zurücklegen und schwerere Nutzlasten transportieren, wie etwa Lastwagen, Busse und Flugzeuge.
Die Powerbank auf Rädern
Das Problem des Mitschleppen großer Batterien – wenn man sie nicht braucht – lösen die Forschenden so: Für kurze Strecken kann man im Hauptfahrzeug mit einer kleinen Batterie elektrisch oder auch mit einem kleinen Wasserstofftank fahren. Das betrifft die überwiegenden Fahrten bei einem Großteil der Autofahrer. Geht es aber auf eine längere Reise, dann: Man staune, hat Gammon den Anhänger parat –ein kleines Wägelchen, auf dem umweltfreundlich der zusätzliche Energiespeicher mit Wasserstoff und Brennstoffzelle oder (notfalls) einer konventionellen Batterie für die Überlandstrecke enthalten ist.

Die meisten Fahrten sind kurz und liegen damit prima in der Reichweite heutiger Elektrofahrzeuge (ohne Nachladen). Für die gelegentliche längere Reise hilft dann der Range Extender als Powerbank auf Rädern.
Gammons Studenten dürfen jedenfalls an dem ausgeschlachteten Chassis eines konventionellen Autos werkeln und sich alles Praktische für den späteren Einsatz in der Industrie aneignen. Die Studenten lieben die Abwechslung vom Bücher-/Onlinestudium und die Industrie wählt gerne unter den Absolventen aus.
„Wir haben bereits alle Technologie, um die Zukunft umweltfreundlich zu gestalten,“ sagt Gammon. „Wir müssen sie nur einsetzen.“
Link zur Übersicht von allen Beiträgen des British Science Festivals 2022

