BSF24: Ablenkung beim Fahren

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Wie lange dauert es, bis ein Fahrer eines autonomen Fahrzeugs im Gefahrenfall die Steuerung des Fahrzeugs wieder selber übernimmt? Und das in Abhängigkeit von der Tätigkeit, die er macht, anstatt sein Auto zu steuern?

Ist es schlimmer, Filme zu gucken oder Messages zu lesen? Gaming? Wie verhält es sich mit essen hinterm Lenkrad?

Apfel essen ist gefährlich

Der Fahrer darf nicht essen – dieses Verbot ist schon heute eine Besonderheit in Großbritannien. Während man hierzulande immerhin Nahrung zu sich nehmen darf, wenn es den Fahrbetrieb nicht beeinträchtigt, ist es auf der Insel komplett verboten. Schon das genussvolle Beißen in einen Apfel als Fahrzeuglinker zieht gehörige Strafen nach sich. 

Autonomes Fahren ist in Deutschland an einigen wenigen Strecken und mit wenigen Fahrzeugen bereits heute erlaubt. Im Mai 2021 stimmten Bundestag und Bundesrat einem Gesetz zu, nach dem autonome Fahrzeuge in Deutschland ohne physisch anwesende Fahrer oder Fahrerinnen am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen können – bis auf Weiteres aber nur in festgelegten und vorab genehmigten Betriebsbereichen.

Die Britische Sicht

Bei den Briten, die wegen zu vieler Regeln und Gängelung aus der EU austraten, ist autonomes Fahren allerdings zurzeit noch generell verboten. Man darf zwar Kraftfahrzeuge, die das können, in GB fahren, dies aber nicht einsetzen.

Damit sich das ändert, gibt es Untersuchungen und Forschung, die zeigen soll, dass Autonomie auch in GB funktioniert. 

Forschung vor der Genehmigung

„Nicht fahrbezogene Aktivitäten können den Prozess der Wiedererlangung des Situationsbewusstseins bei Übernahmeaufforderungen erheblich beeinträchtigen und dadurch die die Zeit verlängern, die der Fahrer benötigt, um die manuelle Kontrolle zu übernehmen, insbesondere, in komplexeren Fahrumgebungen,“ sagt Prof. Bani Anvari (UCL) auf dem Britischen Science Festival 2024.

Wie lange dauert es, bis der Mensch übernimmt? Ohne Ablenkung? Oder mit?
Abends in der Bar.
Die Vorstellung des Projektes an einem abgespeckten Demonstrator, tagsüber für Journalisten. Rechts hinten im Bild Professor Anivari und Professor Helge A Wurdemann.
Die Vorstellung des Projektes am abgespeckten Demonstrator, abends für die britische Öffentlichkeit in einer Bar.…

Nach Anvari sei evidenzbasierte Forschung notwendig, um einen klaren Zusammenhang zwischen den Übernahmezeiten und den Bedingungen, unter denen Übernahmen als sicher oder unsicher gelten, festzustellen. Bevor automatisierte Fahrzeuge mit Selbstfahrfunktionen in den Alltag integriert werden sei ein tieferes Verständnis dieser Dynamik unerlässlich, um sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz bei Kontrollübergaben zu gewährleisten.

Die Ergebnisse der Forschung von ihr und ihrem Team wurden dem britischen Department for Transport (DfT) vorgelegt und sollen dazu beitragen, die Vorschriften, die sich aus dem Automated Vehicle Act 2024 ergeben, zu erfüllen.

Die U-Bahn darf…

U-Bahn-Züge dürfen auch in Großbritannien ohne menschlichen Fahrer unterwegs sein. Sie fahren ja auf Schienen…

PS: Das Licht am Ende des Tunnels ist Tageslicht und kein anderer Zug.


Es ist ein besonderes Erlebnis, Gefühl und Aussicht: Die Plätze in der ersten Reihe im ersten Wagen des Zuges sind begehrt –

– vor allem von den vortragenden Wissenschaftlern während des BSFs, die da regelmäßig anzutreffen waren…


alle Bilder ©FuZ

Zur Übersicht aller Beiträge zum British Science Festival 2024


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.