Caravan Salon 2026: Minimalismus oder Luxus

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Reisen funktioniert auch für Piloten nicht nur luftwärts. Der Boom der Wohnmobile und Caravans steigt seit Corona ungebrochen. Wer wissen will, was machbar ist, für den ist die Messe in Düsseldorf jedes Jahr ein Muss. Den absoluten Renner in diesem Jahr gibt es weiter unten im Beitrag zu sehen.

2026 läuft die Branche nicht einfach nur auf „größer und luxuriöser“ hinaus. Auffällig ist vielmehr eine Spreizung — günstiger, leichter und reduzierter auf der einen Seite, technisch aufwendiger, autarker und teils extrem luxuriös auf der anderen Seite.

Wie sonst im Leben auch, ist die schwarz/grau/weiß Mode beim Autolack und der Innenausstattung der Caravans angekommen. Warum man allerdings ein Vehikel, das primär bei Sonnenschein betrieben wird, in schwarz oder dunkelgrau wählt, ist mir schleierhaft. Es gibt doch so schöne fröhliche Farben, wenn es denn nicht weiß sein darf…

Die Branche wächst nicht ungebremst

Auch beim Caravaning sind Kaufzurückhaltung, gestiegene Preise und wirtschaftliche Unsicherheit zu spüren. Von Januar bis Juli 2026 wurden in Deutschland 63.329 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Das waren drei Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Reisemobile verloren 3,3 Prozent, Caravans 1,9 Prozent.

Der Markt beginnt sich nach den außergewöhnlich starken Jahren neu zu sortieren. Käufer vergleichen genauer, achten stärker auf Preis, Gewicht und tatsächlichen Nutzwert.

Kompakt, leicht und auf das Wesentliche konzentriert

Ein Teil der Kunden und damit die Hersteller suchen den Weg zurück zu kleineren, leichteren und weniger komplizierten Fahrzeugen. Weniger Ausstattung senkt nicht nur den Preis, sondern häufig auch das Gewicht.

Innenräume werden deshalb flexibler genutzt, Möbel leichter konstruiert und Grundrisse stärker auf die tatsächlich benötigten Funktionen zugeschnitten. Manche Hersteller gehen dabei ungewöhnlich weit. Bei einzelnen kompakten Caravans und Campingbussen verschwindet sogar der fest eingebaute Sanitärraum.

Was zunächst nach einem deutlichen Komfortverlust aussieht, kann für bestimmte Nutzer durchaus sinnvoll sein. Nicht mehr die möglichst vollständige Ausstattung steht immer im Vordergrund, sondern die Frage, welche Funktionen unterwegs tatsächlich gebraucht werden.

Wer überwiegend Camping- oder Stellplätze mit guter Infrastruktur anfährt, benötigt eine eigene Dusche möglicherweise nur selten. Der gewonnene Platz kann stattdessen für größere Betten, Sportgeräte, Fahrräder oder Gepäck genutzt werden.

Der günstige Einstieg verlangt eben Kompromisse. Einfachere Motorisierungen, reduzierte Serienausstattung oder weniger aufwendige Innenräume gehören zu diesem Konzept. Das ist durchaus ein Kurswechsel. In den vergangenen Jahren wurde ein neues Freizeitfahrzeug häufig mit immer mehr Komfort, Technik und Ausstattung aufgewertet. 2026 entdeckt die Branche sichtbar auch den Kunden wieder, der nicht alles haben möchte – oder nicht alles bezahlen will.

Elektro und Solar

Während in den letzten Jahren die Nachfrage bei den Händlern nach „Auto ohne Gas“ kaum mehr als Kopfschütteln verursachte, gab in diesem Jahr bereits einige zaghafte Vorstösse; als Studien- oder Konzeptfahrzeuge, die noch nicht in Serie gehen. Bitte mehr davon. Die Richtung stimmt.

Eine große Traktionsbatterie bringt zusätzliches Gewicht mit sich. Gleichzeitig erwarten Reisemobilisten häufig Reichweiten, die lange Reiseetappen ohne ausgedehnte Ladepausen ermöglichen. Das macht die komplette Elektrifizierung technisch anspruchsvoll.

Von einem breiten Marktangebot batterieelektrischer Reisemobile kann leider weiterhin keine Rede sein.

Expeditionsmobil oder Luxus

Große Reisemobile werden technisch immer aufwendiger. Leistungsfähige Bordbatterien, umfangreiche Solaranlagen, große Frischwasservorräte, Klimatisierung, Satelliten- und Kommunikationssysteme sowie immer ausgefeiltere Energiemanagementlösungen sollen längere Aufenthalte unabhängig von Campingplätzen ermöglichen.

Autarkie entwickelt sich dabei zum Komfortmerkmal.

Noch weiter geht das Luxussegment. In Düsseldorf standen Fahrzeuge, deren Ausstattung eher an hochwertige Apartments als an traditionelle Campingmobile erinnert. Große Wohnräume, aufwendige Küchen, Garagen für Pkw oder Motorräder und hochwertige Materialien treiben die Preise bis weit in den siebenstelligen Bereich. Waschmaschine und Trockner – na klar, genauso wie die Glassektgläser für 20 Personen.

Zu den spektakulärsten Exponaten des Jahres gehören Luxusliner, deren Kaufpreise jeweils mehrere Millionen Euro erreichen können.

Der Markt entwickelt sich also gleichzeitig in zwei entgegengesetzte Richtungen: einfacher und erschwinglicher auf der einen Seite, luxuriöser und technisch komplexer auf der anderen.

Individualität

Wer mit dem Camper unterwegs ist, will frei sein. Wie weit das auf den überfüllten Stellplätzen, bei denen man Monate vorher den Platz reservieren muss, noch der Fall ist, ist eine andere Sache.

Geführte Off-Road-Touren (mit entsprechenden, für die Tour gemieteten Fahrzeugen) sind das meines Erachtens auch nicht. Gruppenfahrt mit Auto statt Reisebus.

Eine andere Art von Individualität bietet diese Firma. Sie versetzt einen herkömmlichen modernen Camper optisch mit einem historischen Citroën Aussehen.

Dachzelt am PKW

Dachzelte erhielten 2026 erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich in Halle 7a. Für Offroad- und besonders autark ausgelegte Fahrzeuge gab es ebenfalls eigene Schwerpunkte. Zubehör und Outdoor-Ausrüstung nehmen inzwischen einen großen Raum ein wie die klassischen Fahrzeughersteller.

Das Dachzelt ist ein Beispiel für einen neuen, veränderten Zugang zum Camping. Dachzelte erfordern kein zusätzliches Fahrzeug. Alles bleibt vergleichsweise kompakt und preisgünstig, denn der vorhandene Pkw kann genutzt werden.

Ähnlich funktionieren herausnehmbare Campingmodule, mobile Küchen und Schlafsysteme. Aus einem normalen Alltagsfahrzeug kann damit zeitweise ein einfaches Reisefahrzeug werden.

Publikumsmagnet mit Ausblick

Am ersten Sonntag standen sie hier in dreier Reihen bis zum Ausgang, meinte einer der Verkäufer. So stehen wir am nächsten Morgen um 5 Uhr auf, um vor dem Publikumszugang ab 10 Uhr die Chance zu haben, den Alles-in einem-Camper in Ruhe anzusehen.

Kurzes, kompaktes Fahrgerät (Westfalia), gasfrei, vernünftige Längs-Betten, und die Möglichkeit aufs Dach zu steigen (mit festen Holz-Stufen statt Sprossenleiterchen) und von oben die Welt zu geniessen. Was will man mehr?

Vom Zelt-Camping zum professionellen Tourismusmarkt

In Halle 7 lockten traumhafte Reiseziele, mit Vertretern von Regionen, Campingplätzen, Stellplätzen und Reiseanbietern. Das Spektrum reichte von weit entfernten Reisezielen bis zu Wanderungen, Fahrrad- oder Kanutouren in der Nähe großer Städte.

Manchmal führt vielleicht auch schon ein Wochenende am nahegelegenen See oder in einem Naturpark zur Erholung außerhalb der Stadt. Man muss es nur wissen und sich darauf einlassen.

Camping hat sich vom einstigen Randsegment zu einem festen Bestandteil des deutschen Reisemarktes entwickelt.

Auf deutschen Campingplätzen wurden 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes knapp 44,7 Millionen Übernachtungen gezählt. Gegenüber 2019 entspricht das einem Plus von 24,9 Prozent. Binnen zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Camping-Übernachtungen damit mehr als verdoppelt.

Parallel dazu ist auch der Bestand an Freizeitfahrzeugen gewachsen. In Deutschland sind inzwischen mehr als 1,8 Millionen Reisemobile und Caravans zugelassen. Damit ist die Bundesrepublik Europas größter Caravaning-Markt.

Zwischen einem ultraleichten Caravan hinter einem Elektroauto, einem Dachzelt auf dem Alltags-Pkw und einem millionenschweren Luxusliner liegen technisch Welten. Gemeinsam ist ihnen die Idee, dass der nächste Morgen nicht zwangsläufig dort beginnen muss, wo der vorherige endete.


© alle Bilder FlugundZeit


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.