Druckänderung mit Folgen

Die Fakten

Eine Boeing 737-900 der Delta Airlines, Registrierung N916DU, sollte den Flug DL-1203 von Salt Lake City, UT nach Portland, OR (USA) mit 140 Personen an Bord durchführen. Im Steigflug von der Landebahn 16L in Salt Lake City bemerkte die Besatzung Probleme mit dem Kabinendrucksystem (Kabinendruckwarnung) und stoppte den Steigflug bei rund 9000 Fuß. Das Flugzeug landete etwa 16 Minuten nach dem Abflug wieder sicher auf der Landebahn 16R.

Es fielen keine Sauerstoffmasken von der Decke für die Passagiere.

Einige Passagiere hatten durch den Vorfall Probleme mit Ihren Ohren: Das reichte von geplatzten Trommelfellen bis zu Blut aus den Ohren. Nach unterschiedlichen Angaben wurden 10-15 Passagiere in ein Krankenhaus gebracht.

Kommentare von Passagieren an Bord

Ich bemerkte, dass meine Ohren beim Start viel stärker als sonst geknackt haben. Einige Minuten nach dem Abflug gab es ein schnelles Sinken …

Meine Ohren dröhnten die ganze Zeit und einige Kinder hinter mir schrien vor Schmerzen.

Ein Passagier berichtete, dass bei einem anderen Passagier Blut aus den Ohren kam, was sich als geplatztes Trommelfell herausstellte.

Flugundzeit

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Das Flugzeug war nie nennenswert über 10000 Fuß Höhe. Jedenfalls deutlich unter 14000 Fuß. Das sollte jeder gesunde erwachsene Mensch aushalten ohne Probleme. Auch eine Pilatus oder andere Absetzmaschinen steigen auf diese Höhe ohne Sauerstoffzufuhr in 10 oder 15 Minuten und als Springer ist man dann in einer Minute wieder am Boden; again, als gesunder Mensch, ohne Schnupfen, ohne gesundheitliche Probleme.

Genau das ist der Grund, warum Sauerstoffmasken für die Passagiere erst bei einem Druckabfall aktiviert werden, der einem Druck über 14000 Fuß entspricht. Der normale Kabinendruck in einem Verkehrsflugzeug auf Reiseflughöhe entspricht rund 6000 Fuß.

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Kinder, vor allem kleine oder sogar Babies spüren Druckänderungen in ihren Ohren wesentlich stärker als Erwachsene. Ihr Geschrei aufgrund von ganz normalem Sinkflug beruht auf tatsächlichen Schmerzen in Kinderohren. Die Sinnhaftigkeit und Gefahr für Baby-Ohren in Verkehrsflugzeugen sei hier nicht diskutiert. Das müssen Eltern selber entscheiden, was sie ihrem Nachwuchs antun.

Flugundzeit

Die Diskussion derzeit ist, ob der Kabinendruck gesteuert an oder aus war und wenn, von wem gesteuert.

Denn, ohne absichtlich hoch gefahrenen Kabinendruck hätten alle die Höhe bis zu 10000 Fuß ohne gesundheitliche Komplikationen überstehen müssen.

Normalerweise bleibt der Kabinendruck in Bodennähe und steigt erst, wenn ein bestimmter Kabinendifferenzdruck erreicht ist, langsam an.

Sollte bei 9000 Fuß der Kabinendruck stattdessen (warum auch immer) plötzlich von null Fuß in wenigen Sekunden auf 9000 Fuß abfallen (der Druck nimmt mit der Höhe ab), dann wäre dies eine sogenannte Rapid Decompression, obwohl das Flugzeug noch unter 10000 Fuß fliegt.

Sauerstoff (und damit die Masken) wird trotzdem nicht benötigt, da die Sauerstoffmenge auch in 10000 Fuß noch ausreichend ist.

Die Frage ist also:

Was und warum passierte mit dem Drucksystem auf diesem Flug?



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2 Kommentare zu „Druckänderung mit Folgen“

  1. Heinz K

    Liebe Helga,
    vielen Dank, in Deinem Blog lernt man doch immer wieder viel dazu!
    Zwei Bemerkungen.
    – Wenn ich das richtig verstanden habe, handelt es sich hier nicht um ein weiteres Boeing Qualitätsproblem, sondern entweder um eine Fehlbedienung oder einen „normalen“ technischen Defekt, der auch in anderen Fabrikaten auftreten könnte, richtig? Da darf man trotzdem gespannt sein, was die technikfernen Medien draus machen.
    – Unser Sohn ist von Anfang an, d.h. bereits als Säugling, zwei- bis dreimal im Jahr mitgeflogen. Anfangs hat er bei Steig- und Sinkflug das Fläschchen bekommen, später Bonbons. Ab dem Alter von etwa drei Jahren verstehen Kinder, daß sie bei Druckgefühl mehrmals hintereinander „leer“ schlucken müssen – wenn man es ihnen vernünftig erklärt.
    Es hat jedenfalls nie Probleme gegeben und Geschrei nur, wenn er die Stewardess nicht mochte 😀

    1. 🙂 Es hängt halt wie immer von der Vernunft und dem Wissen und Verständnis der Eltern ab!
      In diesem Notfall waren es tatsächlich die kleinen Kinder, die die größeren Probleme erlitten.

      Juhu, die Kommentare funktionieren!

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.