Ein Flug, der Maßstäbe setzte

,
0

Starman ist nicht nur ein ziemlich bekannter David Bowie Song, ein John Carpenter Science Fiction Film (1984), sondern seit heute auch der Name dreier flieg-springerischer Weltrekorde.

Am 27. März 2025 sprang der Wingsuit-Pilot Sebastián „Ardilla“ Álvarez über dem West Tennessee Skydiving Center aus einer Piper Cheyenne 400LS in einer Höhe von 41.470 Fuß ab. Das ist höher als die meisten kommerziellen Flugzeuge fliegen. Pilot des Absetzflugzeugs war Michael Mullins.

Innerhalb von 30 Sekunden erreichte Álvarez eine Geschwindigkeit von 550 km/h – mehr als 150 km/h schneller als der bisherige Wingsuit-Geschwindigkeitsrekord. In den 11 Minuten, die er in der Luft verbrachte, legte er 53,45 Kilometer zurück, was den bisherigen Streckenrekord fast verdoppelte.

Dieser Flug war jedoch mehr als nur ein Rekordversuch. Álvarez kombinierte Geschwindigkeit, Gleitfähigkeit und eine präzise Kontrolle, um alle drei Rekorde in einem einzigen Flug zu brechen – eine bemerkenswerte Leistung.

Vorbereitung und Technologie im Fokus

Der Sprung war das Resultat von zwei Jahren sorgfältiger Vorbereitung. Álvarez arbeitete intensiv an seiner körperlichen Fitness und seiner technischen Ausstattung, um den extremen Bedingungen in dieser Höhe standzuhalten. Er trug ein speziell entwickeltes Sauerstoffsystem und einen maßgeschneiderten Wingsuit, der mit aerodynamischen Erweiterungen ausgestattet war, um die Gleitleistung zu verbessern. Diese Innovationen halfen ihm, bei extremen Temperaturen und geringer Luftdichte die Kontrolle zu behalten.

„Die Bedingungen waren sehr anspruchsvoll“, sagt Álvarez, ein ehemaliger Pilot der Air Force mit fast zwei Jahrzehnten Erfahrung im Wingsuit-Fliegen.

Die Herausforderung des perfekten Flugs

Die Schwierigkeit des Fluges lag nicht nur in der Geschwindigkeit oder der Strecke, sondern auch in der Balance zwischen diesen drei Faktoren: Geschwindigkeit, Distanz und Flugdauer. Alle drei Rekorde gleichzeitig zu brechen, ohne die Kontrolle zu verlieren, erfordert eine präzise Flugtechnik.

Man kann zum Beispiel sehr langsam fliegen und viel schweben, dann hat man zwar eine sehr gute Zeit, aber wenig Distanz und Geschwindigkeit. Für die Geschwindigkeit ist es normalerweise am besten, schnell zu sinken, um Energie aufzubauen, aber das macht die Zeit und die Distanz zunichte. Die Tatsache, dass alle drei Rekorde so gelangen, bedeutet, dass es ein sehr ausgewogener und effizienter Flug war.

Jet Streams, schmale Luftströmungen, die sich schnell durch die obere Atmosphäre bewegen, waren der Schlüssel für seine Geschwindigkeit und sein Gleiten. In diesen extremen Höhen, bei brutaler Kälte und Windgeschwindigkeiten von fast 200 km/h, war Álvarez‘ Flug ein echter Test für seine körperliche und geistige Ausdauer. Bei einem Flug, bei dem jedes Gramm und jede Bewegung zählt, stellte die dünne Luft in dieser Höhe, die nur ein Sechstel des Sauerstoffs auf Meereshöhe enthält, eine zusätzliche Herausforderung für die Atmung und die Stabilität dar.

Dieser Wingsuit Anzug ist physisch und technisch extrem anspruchsvoll zu fliegen. Er wurde modifiziert, um den besonderen Anforderungen der Mission gerecht zu werden. Die vergrößerte Oberfläche und die Flügelspitzenverlängerungen erfordern viel körperliche Kraft und Technik. Álvarez hatte lange Zeit trainiert, mit dem Suit zu fliegen.

Um den harschen Umweltbedingungen entgegenzuwirken, trug Álvarez während des Fluges ein Sauerstoffsystem und einen speziell angefertigten Helm, der vor den brutalen Winden und den eisigen Temperaturen schützt und einen ständigen Fluss an Atemluft gewährleistet. Ohne diesen Schutz hätten die Sauerstoffventile einfrieren können, was dazu geführt hätte, dass Álvarez innerhalb von Sekunden das Bewusstsein verloren hätte und unkontrolliert in die Tiefe gestürzt wäre. Außerdem trug er elektrisch beheizte Schichten unter seinem Wingsuit, um sich vor Erfrierungen zu schützen.

Mehr als eine Mission

Die Starman-Mission zeigt, was möglich ist, wenn man sich mit Hingabe und Geduld einem Ziel widmet. Der Rekordflug ist das Ergebnis von harter Arbeit und innovativem Denken, aber auch von einer klaren Vision. Sebastián Álvarez: „Es geht nicht nur um die Rekorde. Es geht darum, zu zeigen, dass mit der richtigen Vorbereitung und Technologie vieles möglich ist.“

Für ihn ist dieser Erfolg nicht nur ein persönlicher Triumph, sondern auch eine Einladung an andere, ihre eigenen Grenzen zu hinterfragen. „Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden“, so Álvarez.

Sebastián Álvarez hat mit der Starman-Mission nicht nur seine eigenen Fähigkeiten unter Beweis gestellt, sondern auch gezeigt, wie wichtig Vorbereitung und technologische Innovationen im Wingsuit-Fliegen sind. Sein Flug bleibt ein bedeutender Moment im Luftsport und erinnert uns daran, dass große Erfolge oft das Ergebnis von harter Arbeit und kontinuierlichem Streben nach Verbesserungen sind.

Das ist menschenmöglich ohne externen Antrieb, ohne Flugzeug

Geschwindigkeit

550 km/h

bisheriger Rekord: 397 km/h

Distanz

53,45 Kilometer

bisheriger Rekord: 29,06 Kilometer

Flugzeit

11 Minuten 1 Sekunde

bisheriger Rekord: 9 Minuten 31 Sekunden


©alle Bilder: Red Bull, Fotograf: Joerg Mitter


Entdecke mehr von FlugundZeit

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.