
Tom Cruise ist dafür bekannt, dass er Stunts in seinen Filmen selbst fliegt, fährt, springt. In der Filmbranche ist er ebenfalls dafür bekannt, nur mit den Besten der Besten zusammenzuarbeiten.
Während die Filmwelt mehr und mehr auf CG (computer generated), also am Computer generierte Verfolgungsjagden, Szenerien und teilweise sogar Schauspieler, umschwenkt, muss bei ihm alles so real wie möglich sein. Das impliziert die Schauspieler der Piloten, die zwar hinten, aber tatsächlich in den Kampffliegern fliegen (Kotztüte in der Hand ausserhalb der GoPro-Vision) und alle Flugszenen.
Koordinator der Lüfte
Die Flugzeuge werden von entsprechend ausgebildeten Piloten geflogen. Der Aerial Coordinator entwirft dafür alle reale Choreografie der fliegerischen Kampfszenen. Für Insider: Der Flug über die Kuppe in Top Gun Maverick wurde genauso geflogen wie er im Film zu sehen ist.
Aerial Coordinator (AC) und Kamerapilot Kevin LaRosa Jr. ist der Chef der Flug-Stuntcrew. Er kann einiges erzählen. Zum Beispiel, dass der beste Schauspieler-Pilot die einzige Pilotin, Monica Barbaro, war. Und noch viel anderes aus seinem langen Filmflug-Leben. Als AC bildete er alle Schauspieler aus für Top Gun Maverick und machte die actionreichen Aufnahmen. 60 Personen gehörten zu seiner Crew. Die Zusammenarbeit war eng mit dem so genannten Naval Coordinator des Militärs.
LaRosa verrät auch, wie man dazu kommt, von Tom Cruise für den Job gefragt zu werden. In seinem Fall war das nicht einmal über seinen Vater, der schon Jahre zuvor in vielen Filmen und amerikanischen TV-Serien wie etwa Airwolf als Stuntpilot geflogen war. Airwolf war ein einzigartiger Helicopter, der deswegen nicht einmal ein Registrierungskennzeichen hatte: Airwolf eben. Allerdings meinte der Vater, namens Kevin LaRosa Sr., dass der Sohn sich seine eigene Meriten verdienen und nicht in das Familienunternehmen einsteigen sollte.
Mit leuchtenden Augen berichtet der Stuntflug-Papa von seiner Airwolfzeit: Sohn Kevin sei hinter dem Vorhang im Helicopter, in dem im Film die Waffen (gesondert aufgenommen) zu sehen waren, schon in einer Babytrage dabei gewesen, und so zum Set mitgeflogen.
Der erwachsene LaRosa Jr. bleibt zwar im gleichen Business, geht aber seinen eigenen Weg. „Meine wahre Leidenschaft ist es, Kameraflugzeuge zu fliegen, mit den anderen Piloten zu sprechen und sie zu dirigieren.“ Er begann zunächst als leitender Pilot von Wolfe Air Aviation, einem Anbieter von Luftaufnahmen, mit einem stark modifizierten Learjet 25B. „Der ist“, so LaRosa, „im Grunde ein Kamerawagen mit Düsenantrieb. Die Jettriebwerke sorgen für eine fantastische Beschleunigung und Reaktionsfähigkeit. Man fliegt den Jet, denkt wie eine Kamera und dirigiert andere Piloten – alles zur gleichen Zeit.“
Der Jet zum Filmen





(c) alle Bilder der Galerie: Kevin LaRosa Jr.
Heute ist LaRosa sein eigener Unternehmer als AC, Helicopter- und Jet-Stuntpilot. Die Flugplattform für Top Gun Maverick war unter anderem eine stark modifizierte Aero L39 Albatros, Cinejet genannt. LaRosa zeigte Filmausschnitte und wie sie mit Kamera geflogen wurden. Einen kleine Übersicht davon findet sich auch auf seiner Website: http://www.k2larosa.com
Von Tom Cruise war LaRosa Jr. schon als Kind begeistert. Nach eigener Aussage zählt er zu denjenigen, die sich Top Gun (1) in Schleife angesehen haben. (Kann ich übrigens nachvollziehen; zudem: Der Film kam auch hoch über den Wolken, bereits als ich ihn das erste Mal sah, extrem gut.)
Die Cessna für Top Gun
Alle Piloten-Darsteller von Top Gun II mussten sowohl am Boden als auch in der Luft ein umfangreiches und intensives Training mit LaRosa Jr. und Sr., und Piloten der US Navy absolvieren, damit sie sich im Cockpit wohl fühlten. Die Neulinge begannen ihre Ausbildung in einer 172er Cessna. Sie sollten dabei ihr räumliches Vorstellungsvermögen schulen und lernen, wie die Instrumente funktionieren, und wie man startet und landet, bevor sie sich in Kampfjets wagen.
Die Schauspieler mussten für den Film nicht nur in die Rolle von Kampfpiloten schlüpfen, sondern während des Fluges auch ihre eigenen persönlichen Beleuchter, Haarstylisten, Maskenbildner und Regisseure sein, die in ihren Cockpits die Spiegel herausholten, um sicherzustellen, dass sie nach jedem G-Force-Stoß wieder kameratauglich waren.
Es gibt Abende, die vergisst man nicht so schnell. Dieser, 2023 im Theatre in the Woods, gehört dazu.

