Gene McNeely – Ein Leben in Formation, Präzision und Leidenschaft

Am 5. Juli 2025 verstarb Gene McNeely, langjähriges Mitglied des AeroShell Aerobatic Teams, im Alter von 83 Jahren in seinem Zuhause. Von 1994 bis 2017 war er Teil eines Teams, das mit seinen charakteristischen AT-6 Texans des Zweiten Weltkriegs die Herzen von Luftfahrtfans weltweit eroberte.

Gene begann seine Zeit bei AeroShell als rechter Flügelmann und übernahm später die anspruchsvolle Slot-Position, das Herzstück im engen Formationsflug. Diese Position erfordert absolutes Vertrauen, Präzision und das perfekte Zusammenspiel mit den Teamkameraden – Fähigkeiten, die Gene über Jahre perfektionierte.

Wer einmal mit dem AeroShell-Team fliegen durfte, weiß, wie außergewöhnlich diese Erfahrung ist: Das Dröhnen der Motoren hallt durch den Körper, der Geruch von Öl und Abgasen liegt in der Luft, und die enge Formation vermittelt ein Gefühl von Vertrauen und Teamgeist, das nur wenige Piloten erleben. Man blickt aus dem Cockpit und sieht die Tragfläche des Nebenmanns fast zum Greifen nah – und doch bewegt sich alles wie ein einziger Organismus. In diesem harmonischen Zusammenspiel lag Genes Zuhause: Schulter an Schulter mit seinen Teamkameraden, die Maschinen im perfekten Gleichklang fliegend.

Gene: „Wir reisten donnerstags zu einer Flugshow, machten freitags eine Probevorführung, flogen samstags und sonntags die Flugshow und reisten dann sonntags oder montags wieder nach Hause. Dann warteten wir das Flugzeug und am nächsten Donnerstag ging es wieder los.“

Über 26.000 Flugstunden dokumentieren seine Hingabe an die Luftfahrt. Auch nach dem Ende seiner Teamzeit blieb er der Luftfahrt treu: Er flog weiterhin Solo-Shows, baute T-6-Flugzeuge um und blieb ein fester Bestandteil der Gemeinschaft, die ihn als Freund, Mentor und Vorbild schätzte. Besonders Oshkosh war für ihn immer ein Herzensort: „Wir sind hier alle eine Familie … und ich freue mich immer darauf, all meine Freunde zu sehen.“

Abseits der Kunstflugshows betrieb Gene über 20 Jahre lang ein landwirtschaftliches Luftfahrtunternehmen sowie einen Luftfrachtdienst mit DC-3, Beech 18 und MU-2. Seine Leidenschaft kannte keine Grenzen: Er baute Flugzeuge um, flog selbstgebaute Maschinen und nahm mit seiner T-6 aktiv an den legendären Reno National Championship Air Races teil.

Die Menschen, die mit Gene geflogen sind oder seine Shows gesehen haben, erinnern sich nicht nur an die wunderschönen Kunstflugformationen am Himmel, sondern auch an den Menschen am Boden: freundlich, bodenständig, humorvoll und stets bereit, sein Wissen zu teilen.

Mit Gene McNeely verliert die Luftfahrtwelt mehr als nur einen großartigen Piloten. Sie verliert einen Menschen, der den Geist der Luftfahrt lebte – die Kameradschaft, die Präzision, das Vertrauen und die Freude, gemeinsam etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Seine Leidenschaft wird weiterleben – in den Erinnerungen seiner Freunde, seiner Fans und in jeder Formation, die über Oshkosh oder Reno zieht.

Danke, Gene, für deine Leidenschaft, dein Lachen und deine Freundschaft.


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.