Horrorflug: Hitze und Flugzeug

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Die Gesundheit der Passagiere ist der Crew vollkommen wumpe. Das durften ich und viele andere Passagiere auf einem Flug von Linz, Österreich, nach Frankfurt in einer Dosenbüchse, Verzeihung, einer ATR 72-600, erfahren.

Temperaturen über 30 Grad sind eine echte Herausforderung für unseren Körper. Bei hohen sommerlichen Temperaturen verliert unsere Körper viel Wasser und das oft unbemerkt. Deshalb ist es wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten, so die Gesundheitsexpertin.

Zitat aus einem Gesundheitsnewsletter.

Soweit die Theorie. Das sieht auch bei renommierten Fluggesellschaften – es geht um einen Lufthansaflug, durchgeführt von Austrian Airlines, durchgeführt im Wetlease von Braatens, im Alltag ganz anders aus.

Es war der bisher in diesem Jahr heißeste Tag in Oberösterreich. Die Außentemperatur lag bei über 30 Grad. Schon das Einsteigen in dieses Flugzeug ist mit zwei wirklich kleinen Handgepäcks-Business-Taschen gleichzeitig nicht möglich. Die minimalistische Flugzeugeigene Klapptreppe ist dazu einfach zu schmal.

Die Businessclass befindet sich in diesem Flugzeug in den letzten Reihen – anscheinend, um den Gästen den Fluglärm durch die Turboprops zu vermindern. Oder, weil man sich nur hinten raus und rein ins Flugzeug zwängen kann?

Wasser, Getränkeservice durch die Crew während der langen Bodenzeit? Negativ. Einziger Kommentar: Wir schwitzen auch.

Vermutlich aus Sicherheitsgründen (oder eher aus sonst daraus später resultierendem Spritmangel?) durften die Triebwerke auf der Vorfeldposition nicht früher gestartet werden. Eine APU, also ein Hilfstriebwerk, das bei Normalgröße von Verkehrs-Flugzeugen am Boden aktiv wäre und Druckluft für die Kühlung (oder Heizung) liefern würde, hat das Dosenflugzeug nicht.

Irgendwann wird mir übel und ich lege meinen Kopf auf dem Tischchen vor mir ab. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern, bis die Triebwerke endlich starteten.

Aber es ging noch munter weiter. Später im Flug servierte der Flugbegleiter Tabletts mit Essen. Stellte meines ab und bückte sich (aufrecht stehen ist für große Menschen in diesem Flugzeugtyp nicht möglich), um dem Gast gegenüber ebenfalls ein Tablett zu servieren. Dabei stieß er im engen Gang mit seinem Hinterteil mein Tablett herunter, dessen Inhalt sich über meine Tasche und mich ergoß.

Alles sah aus wie nach einem Erdbeben und war vollkommen verdreckt. Die einzige Sorge des Pursers, der dann versuchte, das Schlamassel vor allem von seiner Kleidung herunterzubekommen, war: „Ich habe kein weiteres Essen mehr.“ Als wenn ich nach all dem noch irgendwelchen Appetit gehabt hätte.

Ein Horrorflug mit Gesundheitsschaden und ruiniertem Gepäck. Denn, wie ich zuhause am nächsten Tag sah, waren die von ihm erhaltenen Tücher, mit denen ich meine Tasche bearbeitet hatte, chlorhaltig und sonst noch mit etlichen Chemikalien behaftet. Vermutlich werden sich also beim nächsten Regen Bleichflecken auf der dunkelblauen Gewebe-Oberfläche zeigen.

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©Bild: Braatens


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.