Da sitzt ein Pilot am Wochenende kreuzworträtselnd auf dem Donaubalkon im 4. Stock, als ihn ein Motorengeräusch magnetisiert. Vor ihm, in gleicher Höhe schwebt eine Piper J3 Cub über der (in der Realität nicht ganz so blauen) Donau und landet. Auf eben dieser.
Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern mehr als außergewöhnlich. Denn Wasserfliegen fristet hierzulande (D, A) noch immer eine kümmerliche Existenz. Und ist, bis auf diese Cub praktisch nicht existent.
Der German Seaplane Day, den ich 2009 ins Leben rief und dreimal organisierte und durchführte (Mosel, England, Lake Como) hatte Teilnehmer aus ganz Europa. Die Szene in Frankreich war damals schon und ist auch noch heute die lebendigste mit vielen Treffen. Die Webseite zum GSD wurde leider später gehackt und von mir nicht wieder online gestellt.
Doch zurück nach Linz, Österreich. Die Cub gehört dem Wasserflugverein Salzkammergut in Ebensee am Traunsee. Sein Obmann, Martin Roithmayr, flog sie am 19. Juli 2025 von Wien nach Linz und landete unter großer Begeisterung von zahlreichen Zuschauern auf der Donau in Linz.

Der Fotograf der Beitragsbilder (und Arzt) Wolfgang Gunnesch ist leidenschaftlicher Pilot. Er holte früher – neben seinem ärztlichen Einsatz – mit einer C 310 auch Spender-Organe für Linzer Krankenhäuser. Europaweit.
Vor genau 100 Jahren begann eine Linienflugverbindung von Wien über Linz ins Salzkammergut, so Roithmayr: „Damals war die Wasserfliegerei weiter verbreitet, und der Flug war ein Privileg der Reichen und Schönen, die zum Weißen Rössel am Wolfgangsee reisten. Der Flug dauerte eine Stunde und zwanzig Minuten bis Linz und weitere vierzig Minuten ins Salzkammergut.“ (Zitat OÖN)
Roithmayr ist Chief Training Captain A320 von Eurowings Europe. Aber das passt wie sooft beim Wasserfliegen gut. Etliche mir bekannte internationale Wasserflugpiloten sind auch Airlinepiloten-Ausbilder.
Die österrreichische Cub ist eine Cub on Floats. Zu gut deutsch eine Cub auf Schwimmern. Nicht Kufen. Die setzt man beim Landen auf Schnee ein. Wenn sie denn als „Fahrwerk“ montiert sind. Aber woher sollen das meine journalistischen Kollegen wissen, wenn sie das erste richtige Wasserflugzeug live landen sehen? Und sie ist laut Roithmayr die einzige Cub auf Floats in Österreich.
Nur Amphibienflugzeuge haben gleichzeitig Schwimmer (Floats) und ein Fahrwerk mit Rädern für feste Landungen. Dabei muss der Pilot jeweils entscheiden, welche der beiden Lösungen nun für die Landung angebracht ist. Was leider immer wieder, trotz mittlerweile in modernen Cockpits vorhandener Elektronik mit akustischer und optischer Anzeige und Warnungen, zu Bruchlandungen führt. Im Wasser endet das falsche Fahrwerk meist tödlich.
Auf einer wunderschönen historischen Cub (ja, es ist mein Lieblings-Wasserflugzeug), in den USA meist auch nur originalgetreu mit minimalen Anzeigen ausgestattet, gibt es meines Wissens auch kein doppeltes Landegear. Das wäre bei der geringen Motorisierung des historischen Flugzeugs ein Unding. Erst bei modernen Nachbauten wie der Legend Cub wird die Amphibienvariante angeboten.
Ein Wasserflugzeug, Baujahr 1939, landete am Samstagvormittag auf der Donau im Bereich der Donaulände. Der Flug war eine Erinnerung an die Einrichtung einer Wasserflugverbindung zwischen Wien über Linz ins Salzkammergut vor genau 100 Jahren. Was damals als „Reisen der Zukunft“ vielversprechend begann, wurde nach einem Unfall im Hallstättersee wieder eingestellt.
[Zitat Österreichische Wasserrettung]
Es ist leider ein Muss bei öffentlichen Veranstaltungen, dass eine Rettung Vorort vorhanden ist. Das war auch beim GSD an der Mosel Voraussetzung und bringt weitere Aufwendungen für den Veranstalter. Auch, dass die Vorbereitung für diesen Flug monatelang dauerte, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Es sind die bürokratischen Hürden, nicht das Fliegen an sich, die den Aufwand produzieren.
Auch wenn eine Flusslandung (meine erste Wasserflugberechtigung machte ich auf der Mosel) durchaus ihre Herausforderung hat. Eine sich bewegende „Landebahn“, die noch dazu mit, gegen oder quer zum Wind (in der Luft) fließt und Brücken, die den Landeanflug auf einmal abschneiden… – an Herausforderungen für Wasserflugpiloten mangelt es auch fliegerisch nicht.

Umso mehr ist es Martin Roithmayr hoch anzurechnen, dass er sich fürs Wasserfliegen in unseren Breiten einsetzt.
Nach 100 Jahren hat die Ursprungs-Idee des elektrischen Autoantriebs ihr großes Comeback. Vielleicht besinnt man sich auch beim Fliegen wieder auf die Ursprünge von zusätzlichen, sinnvollen Landungsarten… 🙂
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Alle Fotos: ©Wolfgang Gunnesch


