Sonnenstürme

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Das Magnetfeld der Sonne scheint viel näher an ihrer Oberfläche zu entstehen, als bisher angenommen. Nur etwa 32.000 Kilometer tief setzt der Prozess ein – nicht mehr als ein Bruchteil der Tiefe, von der man früher ausging. Genau dieses Magnetfeld ist die treibende Kraft hinter Sonneneruptionen und koronalen Massenauswürfen. Zu wissen, wo es entsteht, bringt Forscher einen entscheidenden Schritt näher, die Mechanismen solcher gewaltigen Ausbrüche zu entschlüsseln.

Der Sonnenwind begleitet die Erde ständig, ohne dass wir ihn sehen können. Gestern brachte eine SpaceX-Rakete drei neue Satelliten auf ihre Bahnen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: den Sonnenwind besser zu verstehen.

Der Sonnenwind ist ein Strom geladener Teilchen, der aus den äußersten Schichten der Sonne ins All geschleudert wird und unser Sonnensystem in eine magnetische Schutzhülle hüllt – die Heliosphäre. Von ihr hängt ab, wie viel kosmische Strahlung überhaupt zu uns gelangt, und sie ist entscheidend für die Dynamik im gesamten Planetensystem. Die NASA will nun genau dieses Zusammenspiel von Sonnenwind und Heliosphäre erforschen.

Ein weiterer Satellit nimmt die Exosphäre der Erde unter die Lupe, um ihre Reaktion auf die Ausbrüche der Sonne zu messen. Die National Oceanic and Atmospheric Administration ist die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten. Die NOAA übernimmt mit ihrem neuen Wächter-Satelliten die unmittelbare Beobachtung, damit Veränderungen in Echtzeit sichtbar werden.

Das IMAP-Observatorium ist die Interstellar Mapping and Acceleration Probe der NASA, eine Raumsonde, die im Januar 2025 gestartet ist, um die Grenzen unserer Heliosphäre zu kartieren. Die Sonde befindet sich an Punkt L1, etwa eine Million Meilen von der Erde entfernt in Richtung Sonne, wo sie mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten die Zusammensetzung und Dynamik des Sonnenwinds und der hochenergetischen Teilchen untersucht.

Gemeinsam mit dem IMAP-Observatorium rückt ein weiteres Ziel in greifbare Nähe: Sonnenstürme vorherzusagen, bevor sie die Erde erreichen. Dreißig Minuten Vorwarnzeit mögen bescheiden wirken, doch sie öffnen ein Fenster, um Prozesse zu verstehen, die tief im Inneren unseres Sterns beginnen und sich bis weit in den Raum hinaus entfalten.

Für Wissenschaftler ist das die Chance, ein Rätsel zu lösen, das seit Jahrzehnten im Zentrum der Sonnenforschung steht – wie ein Stern seine unsichtbare Energieform in das gesamte Sonnensystem hinausträgt.


©Introbild: NASA. Sonnensturm


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.