„Quirky“ ist wieder einmal eines dieser englischen Worte, die sich nicht 1:1 auf Deutsch übersetzen lassen, weil sie mehr als ein Wort im Deutschen umfassen.
Quirky bedeutet gleichzeitig skurril, eigenartig, schrullig und ungewöhnlich. Es beschreibt etwas, das sich durch ein unorthodoxes, originelles oder leicht seltsames Verhalten oder Aussehen auszeichnet. Aber alles im positiven oder liebenswerten Sinne.
Quirky kennzeichnet so perfekt den schwarzen feinen Humor der Briten. Dazu später mehr.

Das Quirky Quarter an sich ist – wie der Name schon sagt – alleine schon zum Staunen, Nachdenken und Schmunzeln. (Ein unbedingtes Muss, wer es bis Liverpool schafft. Trotz der ohne BSF sonst üblichen hohen Eintrittsgelder von 16 Pfund). Zum British Science Festival (BSF) 2025 gab es noch eine spezielle Ausstellung und einige Performances.





Das Gebäude auf den Fotos 4 und 5 bewegt sich auf dem Originalbild mit. Man kann zwei Seiten davon sehen, wenn man sich bewegt…
Seit drei Jahrzehnten inspiriert die Verbindung Wissenschaft und Kunst KünstlerInnen ebenso wie WissenschaftlerInnen. Man hinterfragt dabei konventionelle Grenzen, bringt Disziplinen miteinander ins Gespräch und erschafft visionäre Ideen. Und bringt so die Besucher zum Nachdenken und Schmunzeln. Und oft auch zum Mitmachen. Regt alles die grauen Gehirnzellen an. 🙂
Unendliche Details
Der Mathematiker und Forscher Benoît Mandelbrot wird als „Vater der Fraktale“ bezeichnet.
Heute sind die meisten (üblicherweise wunderschön nachtblauen) Fraktale – meist in Texten über die Zukunft oder Künstliche Intelligenz abgebildet – selber KI generiert.

Fraktale entstehen durch einen Prozess der Wiederholung (Iteration).
Ein einfacher Schritt wird immer wieder auf das Ergebnis des vorherigen Schritts angewendet, um immer komplexere Muster zu erzeugen.
Jeder vergrößerte Ausschnitt einer fraktalen Form ähnelt so dem Ganzen. Mathematische Fraktale können unendlich detailliert sein. Je mehr man sie vergrößert, umso mehr sich selbst wiederholende Struktur sieht man.
Bekannte Beispiele für Fraktale aus dem täglichen Leben sind Schneeflocken, Farnblätter, Romanesco-Kohl und Küstenlinien. Sie werden durch die Wiederholung einfacher Prozesse erzeugt und lassen sich zur Modellierung natürlicher Phänomene und komplexer Muster nutzen.
Fraktale selber erzeugen
Ein kostenfreies Programm namens Mandelbulber generiert drei-dimensionale Fraktale. Mandelbulber ist unter der Lizenz GNU GPL Version 3.0 verfügbar.
Für Techniker und Mathe-Liebhaber: Mandelbulber ist spezialisiert auf dreidimensionale Fraktale wie Mandelbulb, Mandelbox oder IFS. Jedoch lassen sich auch Fraktale anderer Dimensionen visualisieren und rendern.
Sehen, was nicht da ist
Die Benham-Scheibe ist eine schwarze und weiße Scheibe mit einem Muster. Das Muster ruft, wenn sich die Scheibe dreht, bei den meisten Menschen die Illusion von Farbe hervor, obwohl keine Farben vorhanden sind.
Dieses Phänomen wird als „subjektive Farbe“ bezeichnet und beruht darauf, dass die unterschiedliche Reaktionszeit der Farbrezeptoren im Auge zu einer Fehldeutung der Sinneseindrücke führt.
Die Farben entstehen im Gehirn und nicht in der Scheibe.
Nicht immer entspricht das, was wir sehen der Wahrheit…

Robi malt mit
Zuerst malt die Künstlerin. In diesem Fall altersbedingt nur einige Klekse. Der Roboter malt weiter und lässt daraus in Windeseile einzigartige Kunstwerke entstehen.
Die sehen durchaus besser aus, als die von einigen hochgejazzten modernen Malern, deren Bilder eher abschrecken, als dass sie zum An-die Wand-Hängen aufmuntern. (Aus rechtlichen Gründen sind hier keine visuellen Beispiele dafür möglich. Googeln nach Jackson Pollack bringt sie ans Licht.)

Brass:
Penelope war mein erster Malroboter (so genannt, weil sie von PEN-Plottern inspiriert wurde). Sie ist ein umgebauter 3D-Drucker. Ich habe den standardmäßigen Kunststoff-Extruder entfernt und durch einen Pinselhalter ersetzt und dazu benutzerdefinierten Python-Code geschrieben.
Der menschliche Benutzer macht eine Markierung, dann wird die Leinwand von einer Kamera fotografiert, die an der oberen Leiste des Roboters befestigt ist. Algorithmen analysieren die Markierung, entscheiden über eine Reaktion und erstellen die Befehle, mit denen der Roboter die Reaktion ausführen kann.
Der Prozess wird als Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter so lange fortgesetzt, bis der Benutzer mit dem Gemälde zufrieden ist.
Das Pendel als Künstler
Jetzt wird es wahrlich chaotisch.
Ein Doppelpendel ist ein einfaches System, um chaotisches Verhalten zu veranschaulichen. Es ist zugleich eines der einfachsten nichtlinearen Dynamischen Systeme, das chaotisches Verhalten zeigt.
In den Quirky Quarters wird es als malender Künstler eingesetzt.
Befestigt man einen Farbpinsel an der Spitze des zweiten Pendelarms – und verfügt man über ein großes Atelier, das Farbe am Boden, den Wänden und an der Decke verträgt – dann lassen sich – später teuer verkaufbare Gemälde erzeugen…

Hier geht es zu einem Video auf dem FlugundZeit-YouTube-Kanal. Chaos im Film.
Britischer Humor
Da müssen wir etwas weiter ausholen, damit der Name der KünstlerInnen-Gruppe verständlich wird. Großbritannien besteht bekannterweise aus England, Schottland und Wales (alphabetisch aufgelistet).
Viele der schwarzhumorigen Witze der Insulaner gehen über die jeweils andere Bevölkerungsgruppe. Etwa so: Drei Engländer kommen in eine Bar und sehen einen Waliser….1
In den Quirky Quarters gibt es auch Veranstaltungen. Beim BSF passend dazu ziemlich schräge. Aber alles in Zusammenhang mit Wissenschaft(lern) und Comedy.

Die Truppe hier nennt sich: Three Queers and a Welshman. Die Wissenschaftlerin sieht man der Dame mit dem Mikro nicht an, wenn sie ihre Witze schmeisst. Dr. Alice Morell ist PostDoc und normalerweise Biologin an der Oxford University.
Dr. Liam Collins-Jones, forscht an der University of Cambridge an bildgebenden Verfahren des Gehirns, um den Zusammenhang zwischen kognitiven Beeinträchtigungen und altersbedingtem Hörverlust besser zu verstehen. Seine Forschung nutzt Technologien, die Licht zur Darstellung der Aktivität im Gehirn verwenden, bekannt als Nahinfrarotspektroskopie und hochauflösende diffuse optische Tomographie.

KI für Elefanten
Ihre Forschung allerdings passt schon eher zu quirky: Morell erforscht die seismische Kommunikation von Elefanten in Kenia. Mit maschinellen Lernverfahren, also KI, um die durch Bodenvibrationen übertragenen Rumpelgeräusche von Elefanten zu identifizieren.
Ziel dieser Arbeit ist es, die räumlichen Dynamik und Ausbreitung der Kommunikation und Bewegung von Elefanten zu untersuchen. Wie Tiere sich bewegen und mit ihrer Umgebung interagieren, um Probleme zu lösen, ist für Morell die Frage. Zu ihren Forschungsthemen gehören Navigation, Kommunikation, Biomechanik und kollektives Verhalten.
Das passt für die Comedy am späten Abend. Sie beweist, dass Elefanten schneller Rätsel lösen können (wenn es zu Futter führt…) als Menschen.
Convergence: Wissenschaft trifft auf Kunst
Was passiert, wenn der Blick durchs Mikroskop auf den künstlerischen Entwurf trifft? Wenn Daten nicht nur analysiert, sondern ins Bild gesetzt werden?
Genau darum ging es bei „Convergence: Exploring the Art in Science“ – dieser Ausstellung während des British Science Festivals (BSF) in den Quirky Quarters. Kunst und Wissenschaft sind hier nicht länger getrennt zu sehen, sondern als zwei Seiten derselben Entdeckerfreude. Beispiele in diesem Beitrag sind Teil der Ausstellung.
Studierende des Masterprogramms Art in Science an der Liverpool School of Art and Creative Industries (Liverpool John Moores University) bewegen sich in diesem Spannungsfeld: Sie lassen Disziplinen verschmelzen, arbeiten zwischen Labor und Atelier und schaffen Werke, die überraschende Perspektiven eröffnen.
Die Abschlussausstellung des Jahrgangs 2025 zeigte, was dabei entsteht: Kunstwerke, die ökologische Verluste ins Bewusstsein rufen. Arbeiten, die verborgene Abläufe im Gehirn greifbar machen. Projekte, die zwischen Konkretem und Abstraktem oszillieren – und dabei den Betrachter immer wieder vor neue Fragen stellen.
„Convergence“ ist ein Erlebnisraum für gemeinsame Neugier. Für die Lust, Grenzen zu überschreiten. Für Visionen, die weder rein wissenschaftlich noch rein künstlerisch denkbar wären. Die Werke beweisen, dass Forschung nicht nur messbar, sondern auch erfahrbar sein kann.
Die Quirky Quarters sind Hands On!
- Hier ein komplette Witz:
Drei Engländer und ein Waliser
Drei Engländer kommen in eine Bar und sehen einen Waliser, der allein an einem Tisch sitzt.
Einer der Männer sagt zu den anderen: „Lasst uns mit dem Waliser da drüben Streit anfangen.“
Sein Kumpel antwortet: „Warte, wir wollen doch nicht verhaftet werden. Lass ihn den Streit anfangen.“
Der dritte Engländer sagt: „Wartet hier, Jungs. Ich weiß, wie man das macht.“
Er ging zu dem Waliser hinüber und sagte: „St. David war ein verdammter Weichling.“
Darauf antwortete der Waliser: „Ach, was du nicht sagst!“ und trank ruhig weiter sein Bier.
Nun versuchte der zweite Engländer sein Glück und sagte zu dem Waliser: „St. David war ein dummer Trottel, der ein Kleid trug!“
Der Waliser antwortete erneut: „Du bist aber sehr scharfsinnig, was du nicht sagst“ und trank ruhig weiter sein Bier.
Der letzte Engländer sagte seinen Freunden, er wisse, wie man den Waliser provozieren könne, sprang auf den Tisch und schrie: „St. David war ein Engländer“
Der Waliser antwortete ruhig: „Das haben mir deine Kumpels auch schon gesagt“
↩︎
© alle Bilder zum BSF, außer anders gekennzeichnet, FlugundZeit


