Will man, dass die Nachkommen oder sogar die Öffentlichkeit nach dem Tod Antworten vom eigenen Avatar auf ihre Fragen bekommen? Möglich ist dies schon jetzt und hat bereits zu Problemen geführt. Umso wichtiger, dass sich Menschen und besser noch: Organisatoren damit befassen und versuchen, Lösungen zu finden.
Post Mortem Avatars
Mit Shakespeare reden? Kein Problem. Der Avatar antwortet authentisch in der Sprache und Denke des 1616 verstorbenen Dichters.
Allerdings phantasiert der künstliche Dichternachbau manchmal – wie wir es von ChatGPT auch schon gewohnt sind.
Aber: Ist das akzeptabel? Würde der Original Mensch Shakespeare das für gut, für okay heißen? Was würde er denken über die Phantasien seines Avatars?

Je mehr Information man von einem Menschen hat: Audio, Fotos und Bewegtbild (TikTok, Zoom und Konsorten sind eine hervorragende Quelle) umso realistischer wird der dreidimensionale Avatar.
Man kann einen Schauspieler verjüngen: Will Smith in Gemini Man oder König Richard III aus seinen Texten in einem Video lebendig werden lassen.

Letzteres stieß bei der britischen Bevölkerung allerdings vielfach eher auf Ablehnung. Der Königs-Avatar wirkt wie ein junges, unbedarftes Bürschlein und so stellt man sich doch keinen König vor… (Auch wenn es vielleicht eher der Wahrheit entspricht? Richard III starb mit 33 Jahren…)

Mit den Problemen und Risiken durch die Digitalisierung von realen Menschen – egal ob während ihres Lebens oder Post Mortem befasst sich Caroline Wilk, forensische Anthropologin und Professorin at the Liverpool John Moores University.

What we create could come back to haunt us.
(Caroline Wilkinson)
Was wir erschaffen, könnte uns später noch verfolgen.


Anna Dumitriu ist eine bahnbrechende bildende Künstlerin aus Brighton, England, die sich auf BioArt spezialisiert hat. Sie war 2018 Präsidentin der Sektion Wissenschaft und Kunst der British Science Association.
Aus ihren zahlreichen Arbeiten und Ausstellungen sticht für FlugundZeit Harr1 (Humanoid Art Robot 1) besonders hervor. Harr1 wurde von Dumitriu und Alex May entwickelt. Der lebensecht wirkende Roboter ist ständig in Bewegung. Er zappelt. Empfinden wir, was uns möglicherweise bei Menschen stört, auch bei Robotern als unangenehm?
Menschen sollen durch den menschlich anmutenden Jungen erleben können, wie es ist, einem Roboter nahe zu sein, der sich auf unerwartete Weise verhält, beispielsweise Langeweile zeigt oder Körpersprache anwendet. Den Menschen sogar ablehnt.

Die nächste britische Künstlerin auf dem Panel des British Science Festivals 2025 ist Gina Czarnecki. Ihre Kunst umfasst eine Vielzahl von Medien, darunter Film, Skulptur, Installationskunst und Video, und wird häufig von der biomedizinischen Wissenschaft beeinflusst.

Czarneckis Kunst ist ungewöhnlich, aufrührerisch und regt zum Nachdenken an. Sie war und ist in zahlreichen prominenten Ausstellungen weltweit und im Internet (bitte ansehen, ich kann aus rechtlichen Gründen nicht alles zeigen) zu sehen. Unter anderem war ihre Kunst auf der Ars Electronica in Linz zu sehen.
Bei ihr treffen Kunst, Design, Wissenschaft und Technologie aufeinander. Sie setzt das in den unterschiedlichsten und oft ungewöhnlichen Medien um.
Im Laufe ihrer Karriere entwickelte Czarnecki eine interdisziplinäre Praxis, die mit Mischformen von Kunst und kultureller Innovation, Zukunftskonzepten, Erfahrungen und neuen Technologien experimentiert. Interdisziplinärer Teams sollen neue Kunstwerke, Initiativen und Forschungen anstoßen.

Carnecki und ihre Kunst werfen Fragen auf, wie weit wir Herrschaft über unseren Körper nach unserem Tod haben. Diesmal nicht als Avatar, sondern über unseren biologischen Körper.
Was darf man an Verstorbenen (Zellen, Knochen, Gehirn?) für Forschung und/oder Kunst verwenden?
Wer weiß heute schon bei seinem Nachlass, was wissenschaftlich in der Zukunft möglich sein wird?
Wer macht sich Gedanken dazu?
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