
An jedem Tisch sitzen ein Astroforscher und 4 unbedarfte, aber interessierte Teilnehmer. In einem Workshop des British Science Festivals 2025 werden wir eingewiesen, wie man das Roboterteleskop auf eine weit entfernte Galaxy programmieren kann. Unser Wissenschaftler ist Adrian McGrath, Project Manager am Astrophysik Research Institute der John Moores University in Liverpool (2.v.l.).
Nun sollen wir also den Code programmieren, damit sich das Roboterteleskop auf eine Galaxie unserer Wahl ausrichtet.
Nach dem Motto: Just choose one of the Galaxies…
(Such dir eine aus…)

Die Galaxien liegen als ein Stapel Bilder auf dem Tisch und wir wählen sie nach Schönheit aus. Mangels besseren Wissens. 🙂
Wie cool ist das denn.
Wir, man, Astronomen und sogar Schüler können ein Robotergesteuertes riesiges Teleskop im Roque de los Muchachos Observatorium auf La Palma steuern.



Das Liverpool Teleskop

In La Palma blieb das Teleskopdach nach Aussagen der Wissenschaftler nur zwei- bis dreimal in den letzten 20 Jahren aus Wettergründen geschlossen…
Das Liverpool Telescope, kurz LT, ist ein riesiges, vollautomatisches Forschungsinstrument. Sein Spiegel misst stolze zwei Meter im Durchmesser – groß genug, um Licht von Objekten einzufangen, die Millionen oder gar Milliarden Lichtjahre entfernt sind.

Gesteuert wird das Teleskop jedoch nicht von einem Menschen am Okular, sondern von einem Roboter (RCS). Denn es steht nicht in Liverpool in England sondern auf der spanischen Insel La Palma vor der Küste Nordwestafrikas.
Der Grund ist simpel und einfach, dass das Wetter in La Palma um Klassen besser für die Astronomie ist als in Liverpool. Hoch oben auf dem Vulkangebirge der Insel ist die Luft klar, trocken und stabil. Während in Liverpool oft Wolken und Regen die Sicht verderben.

Jeden Abend, sobald die Sonne untergegangen ist, erwacht das Teleskop zum Leben. Die Computersysteme prüfen zunächst Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit.


Wenn das Wetter passt, öffnet sich das Dach wie eine gewaltige Muschelschale und gibt den Blick in den Sternenhimmel frei. Dann beginnt das RCS zu arbeiten: Es wählt aus, welche Objekte in dieser Nacht beobachtet werden – abhängig von Sichtbarkeit, Wetter und den eingegangenen Anträgen.
Astronomen, aber auch Schulklassen und andere registrierte Nutzer können ihre Beobachtungswünsche einreichen. Das System nimmt all diese Anfragen entgegen und entscheidet in der Nacht selbstständig, was beobachtet wird.
Das LT selbst ist ein Koloss: 8,5 Meter hoch, 6,5 Meter breit und etwa 24 Tonnen schwer. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von vier afrikanischen Elefanten. Und doch bewegt es sich erstaunlich schnell und präzise. Innerhalb weniger Minuten kann es von einem Ziel zum nächsten schwenken. Wird ein plötzliches Ereignis gemeldet, etwa ein Gammastrahlenausbruch in einer weit entfernten Galaxie, unterbricht das System automatisch die aktuellen Beobachtungen und richtet das Teleskop auf die neue Position.
Das LT kann extrem kurzlebige und seltene Phänomene dokumentieren, bevor sie wieder verschwinden.
Während der gesamten Nacht arbeitet das Teleskop unermüdlich eine Liste von Beobachtungsanfragen ab, die tagsüber eingegangen sind. Sobald die Aufnahmen gemacht sind, schickt es die Daten an die jeweiligen Auftraggeber zurück – oft schon in derselben Nacht.
Möglich wird das durch seine hochentwickelten Instrumente: Der große Spiegel sammelt nicht nur sichtbares Licht, wie es auch unsere Augen wahrnehmen, sondern auch Infrarotstrahlung.
Mit speziellen Spektrometern können Astronomen außerdem die chemische Zusammensetzung von Sternen und Gaswolken analysieren – quasi eine Art Fingerabdruck der Himmelskörper.
Das Liverpool Telescope zählt zu den größten robotergesteuerten Teleskopen der Welt. Gebaut wurde es von einer Tochtergesellschaft der Liverpool John Moores University, die es auch besitzt und betreibt. Das Astrophysics Research Institute sorgt für den wissenschaftlichen Betrieb und die Wartung, finanziell unterstützt durch das britische Science and Technology Facilities Council.
Unsere Galaxy
Nun ja, „unsere“ ist etwas vermessen. Vermutlich haben da jede Menge richtige Astronomen ein Veto dagegen. 🙂

Nach dem etwas umständlichen WYSIWYG-Programmieren (muss ja auch für Schulklassen und Hobby-Astronomen funktionieren – mir wäre normale Programmierung lieber gewesen) gibt es als Belohnung einen Fotoausdruck der Galaxy.
Jedenfalls zeigt das Foto die Galaxie, auf die wir das Teleskop letztendlich programiert, die Schärfe und Farbe zur besseren Sichtbarkeit individuell eingestellt hatten.
Voila, hier ist ein ausgedrucktes Foto von ihr in aller, von uns eingefärbten Pracht:

Wenn mir jetzt auch noch ein richtiger Astronom sagen kann, welche Bezeichnung sie hat, wäre das super toll. Gerne an flugundzeit mailen 🙂
© alle Bilder zum BSF, außer anders gekennzeichnet, FlugundZeit


