„The Art of Quantum“ wäre der griffigere Originaltitel eines Panels auf dem British Science Festival 2025 mit fünf sehr illustren und unterschiedlichen Wissenschaftlern und Künstlern.

Eine ungewöhnliche Zusammenstellung der Panelteilnehmer, aber eine super interessante. Querbeet hinweg über Wissenschaft und Kunst.
Die Neurophysikerin Dr. Felicity Inkpen (PhD, MPhys) macht den Start: „Meine Kunst bewegt sich entlang der Frage: Was würde passieren, wenn…“
Mit ihrem Background in Physik sucht sie nach neuen Wegen um Quantenmechanik zu visualisieren. Dass (Experimental-)Physiker(innen) gut in der Küche sind – weil sie ständig neues ausprobieren und kein Rezept 1:1 nachkochen können (ja, ich weiß, wovon ich rede 😉 ) ist bekannt. Salz, Zucker – warum nicht mal damit experimentieren?

Die in Schottland lebende Künstlerin begann ihre Karriere in der Physik und Neurowissenschaft, bevor sie sich ganz der Kunst zuwandte. Ihr Gemälde „Qubits, Duality“ ziert das Cover eines Physics World Quantum Briefing, das anlässlich des Internationalen Jahres der Quantenwissenschaft und -technologie (IYQ) 2025 veröffentlicht wurde.

Inkpen ist Synästhesistin. Ihre Zahlen-Farben-Synästhesie – jede Zahl assoziiert sie im Kopf mit einer Farbe – setzte den Beginn einer großen Karriere. Diese Fähigkeit prägt ihren kreativen Prozess. Vivid – leuchtend und farbenfroh ist für sie nicht nur die Quantenmechanik.
Mein erstes Bild war einfach ein Bild mit Zahlen. Also malte ich die Zahlen von eins bis 1024, denn das ist 32 zum Quadrat.
32 ist eine schöne Zahl, weil sie grün und rosa und gelb ist und ein bisschen Blau enthält, da sie sowohl zwei hoch fünf als auch vier mal acht und die Ziffern drei und zwei ist.
Dieses Bild half mir, meinen Platz als von der Wissenschaft inspirierte Künstlerin zu finden.
Dank dieses Gemäldes kann ich Gespräche führen, die ich vorher nie führen konnte. Das können Gespräche mit jemandem sein, der mein Atelier besuchen möchte. Das können aber auch Gespräche mit einem Neurowissenschaftler sein.






Art. Inspired by Science.
Oder Inkpens Anleitung zum Nachmachen der eigenen knallbunten Fibonacci-Zahlen-Spirale auf Instagram. 🙂 Geht ganz einfach:
- Have number-colour synaesthesia
- Draw a Fibonacci spiral*
- Colour it in with the colours of the Fibonacci Sequence.
- Du musst Zahlen-Farben Synästhesist sein
- Zeichne eine Fibonacci Spirale*
- Färbe jedes Zahlenfeld so ein, wie du es siehst.
Das ging durch die Decke.
Konstruktion der Fibonacci-Spirale
Fibonacci-Folge: Beginnen Sie mit 0 und 1, und addieren Sie dann die beiden vorherigen Zahlen, um die nächste Zahl zu erhalten (1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, … ).
Quadrate: Erstellen Sie Quadrate mit den Seitenlängen der Fibonacci-Zahlen. Die Quadrate werden nebeneinander angeordnet und bilden ein Rechteck, das dem Goldenen Schnitt nahekommt.
Bögen einzeichnen: Innerhalb jedes Quadrats wird ein Viertelkreis gezeichnet. Durch das Verbinden dieser Bögen entsteht eine glatte, geschwungene Spirale, die als Fibonacci-Spirale bekannt ist.
Die nächste in der Runde ist Alice Bowen. Dr. Alice Bowen studierte in Oxford. Sie ist eine Dame Kathleen Ollerenshaw Fellow and Royal Society-EPSRC Dorothy Hodgkin Fellow at the University of Manchester, Department of Chemistry. Und ja, sie ist tatsächlich die zweite Frau von links, mit dem langen Zopf, auf dem obigen Panel-Teilnehmer-Bild.
Ihre Erklärungen zur Superposition sind einfach nachzuvollziehen, auch für Nicht-Physiker. Sie ist so unkompliziert und selbst Quantenmechanik wirkt bei ihren Erklärungen verständlich:
Superposition ist, wenn sich mehrere gleiche physikalische Größen (wie Kräfte oder Wellen) oder Zustände ohne gegenseitige Beeinträchtigung überlagern und addieren.
In der klassischen Physik vereinfacht man damit komplexe Probleme, etwa indem man Kräfte addiert.
In der Quantenmechanik beschreibt Superposition, dass ein Quantensystem sich gleichzeitig in mehreren Zuständen befinden kann, bis es gemessen wird.
„Spooky State“ ist eine Metapher für die Quantenverschränkung, die Albert Einstein als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnete.
Es beschreibt ein Phänomen, bei dem zwei oder mehr Quantenteilchen auf so einzigartige Weise miteinander verbunden sind, dass sie nicht mehr als unabhängige Einheiten beschrieben werden können. Selbst bei großen räumlichen Trennungen ist die Veränderung des Zustands eines Teilchens sofort mit einer entsprechenden Veränderung des Zustands des oder der anderen Teilchen verbunden.
All das erklärt Bowen simpel und einfach den Teilnehmern. Wir brauchen das später für Harry Kumar.
Die nächste Dame am Panel ist Dr. Nicola Triscott. Nicola Triscott ist Direktorin und CEO von FACT in Liverpool und eine der prägenden Stimmen an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.
FACT in Liverpool ist kein klassisches Museum, sondern ein lebendiger Treffpunkt für Kunst, Film und digitale Experimente. Hinter dem Namen – Foundation for Art and Creative Technology – steckt ein Haus, das immer am Puls der Zeit arbeitet.
In der Wood Street warten Kinos, Ausstellungsräume und Labs, in denen man genauso gut einen Arthouse-Film sehen wie in eine virtuelle Installation eintauchen kann. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Kino, Galerie und Spielplatz für Ideen.
Die Ausstellungen sind oft interaktiv, voller digitaler Medien und Installationen, die man nicht nur anschaut, sondern erlebt. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt kommen nach Liverpool, entwickeln neue Projekte und bringen frische Perspektiven mit.
Auch für Joungsters und Neugierige ist FACT ein Ort zum Mitmachen: Workshops, Community-Projekte und Experimente mit Technologie laden ein, selbst kreativ zu werden. Und wer einfach nur eintauchen will, findet im Café und bei Events die entspannte Seite des Hauses – ein Platz, um Kunst zu genießen, Leute zu treffen und Neues auszuprobieren.
Dr. Jess Wade ist ebenfalls eine britische Physikerin. Sie ist Wissenschaftlerin im Blackett Laboratory am Imperial College London. Wade forscht an winzigen Materialien für organische Leuchtdioden – also an Dingen, die so klein sind, dass man sie zwar nicht mit bloßem Auge sehen kann, die aber irgendwann vielleicht das Handy-Display schöner leuchten lassen.

Organische Leuchtdioden (OLEDs) bestehen aus hauchdünnen Schichten organischer Moleküle, die nur wenige Nanometer dick sind. Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ungefähr 0,1 Millimetern. Wäre ein menschliches Haar so hoch wie der Eiffelturm, dann wäre eine OLED-Schicht ungefähr so hoch wie ein Blatt Papier, das auf dem Boden liegt.
Zudem engagiert sich Wade für mehr Frauen in Ingenieurs- und Naturwissenschaften und gegen Sexismus in den Naturwissenschaften. Für ihr Engagement für Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft verlieh ihr die britische Königin Elisabeth II. 2019 die British-Empire-Medaille.
Wade ist die charmante Moderatorin des Panels und leitet die Diskussion mit viel Humor und Einsatz.
Last but not least: Harry Kumar. Mitbegründer von Moth (Moth Quantum). Kumar hat sein Studium an der McGill University, Montreal, mit einen Bachelor in Philosophie und Mathematik abgeschlossen. Interessante Kombination.
“Moth” ist ein Startup, das Quantentechnologie für die Kreativbranchen nutzbar macht: für Musik, visuelle Medien und Spiele. Dabei aber sollen die KünstlerInnen die Kontrolle über die Gestaltung und den Ausdruck zu behalten.
Es wirkt ein bisschen wie ein Spiel mit Zukunftstechnologien: Quantencomputer, die Beats bauen, Bilder malen und Spiele erschaffen. Das ist charmant, weil es KünstlerInnen plötzlich Zugang zu einer Technologie gibt, die sonst nur in Labors mit weißen Kitteln vorkommt.

MOTH verbindet das große Versprechen der Quantenwelt mit kreativen Anwendungen, die sofort ins Auge oder Ohr springen. KünstlerInnen bekommen so Tools, die nicht nur „zufällig“ sind, sondern tatsächlich von physikalischen Prozessen geprägt werden, die man normalerweise nie bemerkt. Das hat etwas Poetisches – Quantenmechanik als Soundquelle oder Pinselstrich.
MOTH wurde bekannt mit „Recurse“, einem Track, den sie 2025 zusammen mit der Künstlerin ILĀ veröffentlichten – produziert mit einer Mischung aus generativer KI und echter Quantenhardware. Neben der „festen“ Version gibt es auch „Recurse [infinite mix]“, einen endlosen Stream, der sich in Echtzeit ständig verändert.
„Quantum Brush“ ist ein Malprogramm, das Quantenmechanismen wie Superposition oder Verschränkung in visuelle Effekte übersetzt. Damit entstehen Bilder, die so nicht zweimal vorkommen. Und mit Quantum Audio gibt es sogar eine offene Bibliothek, mit der sich Klänge in Quantenrepräsentationen verwandeln lassen.
Auch im Gaming-Bereich experimentiert MOTH: „Space Moths“ ist ein Multiplayer-Game, bei dem Level jedes Mal neu durch Quantenberechnungen generiert werden. SpielerInnen betreten so Welten, die sich nie exakt wiederholen – wie ein Spiel, das bei jedem Login seine eigene Fantasie erfindet.
Die Bilder zu Beginn am Introbild und auf dem Panelbild sind vom Roboterspiel: Space Moths. Das kann man auf der Website der Firma ausprobieren. Wie sich die Level ständig verändern. Anpassen und doch immer wieder neu generiert werden.
Auf der GamesCom 2025 wurde eine Demo des auf On-Demand-Quantencomputing basierenden Roblox-MMO-Spiels (Massively Multiplayer Online) vorgestellt.
Harry Kumar:
Was war zuerst: Popkultur oder Wissenschaft?
Wer beeinflusst wen?
Das alles ist Zukunft.
Zukunft, die schon heute stattfindet.
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