Liverpool. Unbedingt. Besuchen.

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Der Charme am Science Festival liegt auch darin, dass es immer in einer anderen britischen Stadt stattfindet und man diese durch die Veranstaltungen fast wie ein Einheimischer erleben darf.

Das Hinkommen geht nicht direkt aus Deutschland. Außer man fliegt selbst zum charmanten John Lennon Airport Liverpool. Oder man fliegt ab Berlin.

Ansonsten wäre Manchester der nächste Großflughafen. Von dort geht es entweder per Mietauto oder bequemer, per britischem superpünktlichem (!) Zug direkt ins Herz von Liverpool. Ubers sind dann generell im Minutentakt verfügbar.

Restaurants und Bars

Schwierig, da eine Empfehlung zu geben. In der Innenstadt liegen die Kneipen und Restaurants gefühlt übereinander. Vegan, vegetarisch. Oder: Wir haben drei (echte, mit Gauchos, die die Fleischspieße an den Tisch bringen) Churrascarias gefunden, etliche gängige Steakhäuser, indische Restaurants, britische Pubs (wer’s mag) und unsere Empfehlung wäre das Cosmo. Ein Buffetrestaurant zu mäßigem Preis, bei dem wirklich alle (indisch, asiatisch, britisch, westliche) Geschmäcker ausreichend Auswahl finden. Große Salatbar und für die Hüfte etliche Nachspeisen, Eaton Mess 🙂 und Eissorten inclusive.

Wissenschaft

Dazu gibt es die folgenden Einzelbeiträge zum British Science Festival. Auch in der Wissenschaft hat Liverpool eine reiche Tradition.

Die University of Liverpool, Liverpool John Moores University und Liverpool Hope University sind die drei Universitäten von Liverpool. Das Institut für Tropenmedizin, die Liverpool School of Tropical Medicine, ist die weltweit erste Tropenschule. Nobelpreisträger Sir Ronald Ross fand hier das erste wirksame Medikament gegen Malaria.

Kunst

Das Interaktive Kunstwerk „Geist” ist von Neutrino-Detektoren inspiriert.
Es untersucht die Arbeit, die geleistet wird, um Neutrinos aufzuspüren, und fragt, was diese winzigen Teilchen über das Universum verraten könnten.
Neutrinos – auch als Geisterteilchen bekannt – sind überall, aber extrem schwer nachzuweisen. Teilchenphysiker der Universität Liverpool und des STFC Daresbury sind führend in der Erforschung dieser grundlegenden Eigenschaften des Universums. Jede Sekunde strömen mehrere zehn Billionen Neutrinos von der Sonne durch unseren Körper, aber man kann sie nicht spüren.
„Geist“ ist ein mehrdimensionales Objekt, das sich durch Bewegung des Betrachters verändert. Spacig!

Die Stadt hat ein überbordendes Angebot an Kunst, alter und neuer. Gleichzeitig zum BSF fanden weitere Kunstfestivals (etwa die Liverpool Biennale, die größte kostenlose Veranstaltung für zeitgenössische Kunst im Vereinigten Königreich) und die Weltmeisterschaft im Boxen in der großen Arena statt.

Mehr als 500 Boxer aus mehr als 60 Ländern, verteilt auf vier große Hotels (eines davon war unseres) gingen trotz allem in der lebensfrohen Stadt unter. Wer weiß, dass Moviestars wie Kim Cattrall (Sex and the City), Daniel Craig (James Bond) oder der schillernde Filmemacher Billy Bob Thornton aus Liverpool stammen?

Neben vielen weiteren interessanten, großen Museen besitzt Liverpool auch einen Ableger der Tate Modern in London.

Für Beatles Fanatiker müsste Liverpool sowieso das Mekka schlechthin sein. Vom Cavern Club, bis zu den Strawberry Fields, den Geburtshäusern der vier Musiker und – dem Beatles Museum. Hier könnte man als Freak Tage verbringen. Aber auch für Normalinteressierte 🙂 , die Beatles als musikalische Zeitgeschichte sehen, sind die Tausenden von Originalexponaten, Briefen, Dokumenten, Kleider, Fotos, Filme eine Offenbarung.

Die Gebäude Liverpools werden gerne als Filmkulisse für andere Städte genutzt. Mit rund 1000 Produktionen im Jahr ist Liverpool auf dem zweiten Platz der meistgefilmten Städte von Großbritannien. Insgesamt beschäftigt die Kultur- und Filmwirtschaft über 20.000 Menschen in der Region von Liverpool.

Den Fabelwesen-Vogel nennen die Liverpooler Bertie – auf dem Turm, der in Richtung Stadt blickt – und Bella krönt den, der in Richtung Meer schaut. Bertie wacht über die Stadt und Bella schützt den Hafen. Es gibt eine Legende, dass Liverpool nicht mehr existieren wird, wenn die beiden Vögel sich jemals anschauen. (Vielen Dank an Sarah aus dem Museum of Liverpool für die Hinweise!)

Historie

Liverpool liegt an der Mündung des Mersey in die Irische See und damit rund 280 Kilometer nordwestlich von London entfernt. Die Stadt hatte viele Ups and Downs seit dem Schmelzen des Eises und dem Entstehen des Merseys.

Der Fluss Mersey sah nicht immer so aus wie heute. Vor etwa 18.000 Jahren begann die riesige Eisdecke, die Nordengland bedeckt hatte, zu schmelzen. Zu dieser Zeit gab es weder die Irische See noch den Fluss Mersey.

Der Meeresspiegel stieg, als das Schmelzwasser nach und nach immer mehr Land überflutete. Vor etwa 7000 Jahren hatte das Meer seinen heutigen Stand erreicht, und der Gezeitenfluss Mersey war entstanden.
Der „Pool”, nach dem Liverpool benannt wurde, war eine natürliche Gezeitenbucht am Ufer des Mersey.

Der Fluss zur Irischen See spielt eine große Rolle in der Entwicklung der Stadt. Vor allem der Hafen, der zunächst großen Aufschwung brachte – mit Beginn der Containerschiffe aber, die nicht in den Hafen passten, einen rigorosen Abstieg bewirkte.

Liverpool wurde ursprünglich reich durch Zucker, den Sklaven, die man aus Westafrika in die Karibik verschiffte, erarbeiteten. Dies wird in Ausstellungen und einem eigenen Museum aufgearbeitet.

Im ersten Weltkrieg bombardierten die Deutschen die florierende Stadt brutal. Im zweiten ebenso.

Seit den 1990er Jahren ist Liverpool eine aufstrebende Stadt, die von Kunst, Kultur und Lebensfreude vibriert.

Wer mehr zur abwechslungsreichen Geschichte von Liverpool erfahren möchte, dem sei das Museum of Liverpool in den Mersey Docks empfohlen. Auf mehreren Stockwerken lässt das Museum die Stadt lebendig werden, anschaulich mit riesigen Exponenten: erste Eisenbahn zwischen Manchester und Liverpool oder der ersten elektrischen Hochbahn, die automatisch beim Überfahren eines Rotsignal stoppte.


Persönlich

Liverpool war mir als Geburtsort der Beatles bekannt und Jürgen Klopp war Trainer des Fussballclubs. Zudem hätte ich die sozialen Probleme in den neunziger Jahren als vorherrschend gesehen.

Der absolute Geheimtipp für die nächste Reise.

Liverpool ist fröhlich, freundlich, modern, super vibrant, lebendig, gutes Essen, viel Kunst und Kultur aus allen Zeiten und Ecken.

Die Beatles sind eher für einige angejahrte Touristen das primäre Ziel beim Besuch dieser außerordentlichen, aufstrebenden Stadt.

Da könnte ich gerne, auch mal länger, für 14 Tage, jeden Tag Neues erleben. Die dicke Regenjacke sollte im Gepäck sein. Und ja, der Wind-Nullpegel (Windstille) liegt vermutlich bei 20 Knoten. 🙂



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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.