Tod durch Turbulenz im Flugzeug

Keine Ahnung, wie oft ich in meinem journalistischen Leben schon über Turbulenzen geschrieben habe. Dass man sich jederzeit im Flugzeug anschnallen muss, auch wenn es nicht explizit gefordert ist und warum. Zuletzt hier auf Flugundzeit im Janar 2023.

Gefährlich ist es eben nicht nur, wenn der Pilot vorne das Anschnallen vorschreibt, weil im Fluggebiet Turbulenzen bekannt sind. Gefährlich sind vor allem die Clear Air Turbulences, also diejenigen, die man am strahlend blauen Himmel nicht als Wolkengebilde sieht. Und die auch keiner vorhersehen und davor warnen kann.

Deshalb gilt (broken record):

Anschnallen, immer und jederzeit, wenn man sich in einem Flugzeug befindet.

Die Fakten

Laut einer Erklärung von Singapore Airlines startete Flug SQ321 am Montagabend vom Flughafen Heathrow mit insgesamt 211 Passagieren und 18 Besatzungsmitgliedern an Bord. Während des Fluges über den Golf von Bengalen in der Nähe von Thailand geriet das Flugzeug am Dienstag in „schwere Turbulenzen“, die zum Tod einer Person an Bord führten. Mehrere Personen im Flugzeug wurden verletzt.

Der Vorfall geistert seit Tagen durch die internationale Presse. Eigentlich ist die Sachlage klar und ein Unfallreport überflüssig. Aber mit etwas Verspätung ist „die Sensation“ auch in den deutschsprachigen Medien angekommen und führt wie eh und je dort zu den üblichen Fußgänger-Aussagen.

Dabei wäre die einzig wichtige (broken record) Message, die rüberkommen sollte:

Anschnallen. Immer. Jederzeit.

Das Märchen der Luftlöcher

Zum 100 und ersten: Es gibt keine Luftlöcher.* Luft existiert überall um uns herum. (Platter ausgedrückt geht es nicht ). Aber die Luft kann durch unterschiedliche Temperatur eine unterschiedliche Dichte haben und dadurch bewegen sich Dinge, Menschen in ihr unterschiedlich schnell.

Von Luftlöchern schreibt selbst die NZZ. Was sind heute noch Qualitätsmedien? Andere Medien lassen ehemalige Piloten plaudern oder der WDR weiß nicht so ganz, was nun stimmt: „oft auch nicht ganz korrekt „Luftlöcher“ genannt“

Vielleicht hilft es, sich vorzustellen*, was bei einem Absacken um 2000 Meter (das ist fast die Hälfte des Mont Blancs) in extrem kurzer Zeit passiert.:

Das Flugzeug schießt nach unten. Und alles drin, was nicht niet und nagelfest ist, schießt mit der gleichen Geschwindigkeit nach oben. An die Decke, oder in diesem Fall sogar durch die Deckenverkleidung. Dass dies zu (Kopf-)Verletzungen führt, dürfte bei einigem Vorstellungsvermögen klar sein.

Zwar keine 2000, aber etliche hundert Meter im „Fahrstuhl nach unten“ habe ich in einer Cessna über den Alpen erlebt. Wir beide (flieger-Magazin-)Piloten waren angeschnallt, physisch ist uns nichts passiert. Aber alles was lose im Flugzeug lag, flog mit Schmackes an die Decke. Und wer noch eine satte Profi-Nikon Kamera mit schwerem Objektiv kennt, weiß wie abartig das aussieht (und sich anhört) wenn die im Flugzeug frei an die Decke knallt. (Sie lag zwar in ihrem Koffer auf der Rückbank. Aber der war, wie üblich offen, um schnell auch im Flug Zugriff auf die Kameras zu haben.) Auch ihr ist übrigens trotz der Wucht des Aufpralls nichts passiert.

Seither bin ich, selbst, wenn ich versuche, trotz des Schnarchens der anderen, auf Langstreckenflügen ein wenig zu schlafen, stets angeschnallt.

Soll ich es nochmal kurz erwähnen?

Anschnallen. Immer. Jederzeit.

Ich wünsche mir und der Menschheit, dass dies mein letzter Beitrag zum Thema Turbulenzen war.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.


© Eingangsfoto: Flugundzeit


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.