Zweierlei Maß für CO2

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Raketen und Drohnen sind Flugobjekte. (Auch wenn sie, sofern auf einen selbst gerichtet, unerwünscht sind.) Politik ist kein Thema auf dieser Webseite, aber etwas stört mich trotzdem.

Das Klimaziel zu erreichen ist ein Muss-Ziel. Klar. Diskussionslos. Möglichst alles zu versuchen, um es zu erreichen – auch gebongt.

Bezug?

Aber, wenn mir in den ZDF-Wetternachrichten (und sicher auch sonst wo) erzählt wird, dass „dieser Mai der heißeste war“ ohne Zusatz, worauf bezogen, weder zeitlich noch örtlich, dann stößt mir das auf. Solche Aussagen spielen den Falschen in die Hände.

In meinem (Weinanbau-)Gebiet war dies mit Sicherheit einer der kühlsten und verregnetsten Mai, die ich in meinem ganzen Leben erlebt habe. In jedem Fall kühler als im letzten Jahr. Meine Pflanzen sind Zeuge.

Wenn das weltweit anders aussieht – dann muss man das explizit herausstellen. Die normale Dorfbevölkerung, die kaum über ihren Wohnort hinaus kommt, sieht eher das, was vor ihrer Haustüre passiert. Indien und andere Erdteile sind auch in deren Vorstellung und Interesse ziemlich weit entfernt.

Falsche Vernachlässigung

Was mich weiter stört, ist, dass wir hierzulande versuchen, auch noch das letzte Fitzelchen an CO2 zu sparen, während gleichzeitig weltweit Kriege toben, die in jeder Minute das 1000fache an allen möglichen Schadstoffen verursachen. Nicht nur der Einsatz, sondern auch die Herstellung der Waffen, wird bei keiner CO2-BIlanz miteinbezogen. Ganz zu schweigen von den zerstörten Häusern, Städten und deren späterem Wiederaufbau.

Sind die dicken schwarzen Rauchwolken, die uns allabendlich aus den unterschiedlichen Kriegsgebieten in den Nachrichten geboten werden, nur harmlose Farbe am Himmel?

Warum bezieht man, wenn man den weltweiten CO2-Ausstoß beurteilt, nicht auch die Kriege und ihre Auswirkungen mit ein? Auch das spielt den Falschen in die Hände. Ungenaue Statistiken und schwammige Berechnungen vermiesen die Glaubwürdigkeit.


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4 responses to “Zweierlei Maß für CO2”

  1. Nikolaus Neininger

    Wenn es denn tatsächlich das angestrebte Ziel wäre, den CO2-Ausstoß auf bestmögliche Weise zu verringern – warum schaltet man dann Kernkraftwerke ab (und zerstört so schnell wie möglich wesentliche Teile davon)?
    Für eine zuverlässige Stromversorgung reichen die „Erneuerbaren“ jetzt schon nicht aus, brauchen fossile „Backups“ und Importe von egal woher (und dabei soll ja noch alles mögliche weitere mit nicht vorhandenem Strom betrieben werden).
    Auf Seiten wie z.B. Electricity Maps kann man in Echtzeit sehen, daß Deutschland beim CO2-Ausstoß bestenfalls im unteren Mittelfeld rangiert.
    Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß das eigentliche Interesse wesentlicher Protagonisten nicht beim „Klimaschutz“ liegt.

  2. Heinz Krings

    Zwar finde ich es gut, daß auf dieser Webseite Politik nicht thematisiert werden soll, aber beim Thema CO2 ist das nicht ganz so einfach. Schließlich ist hier fast alles Politik, überwiegend schwer ideologisch befrachtet, bei gleichzeitig minimaler Beachtung der Fakten.
    Ich will es dennoch versuchen.

    – Zunächst aber zum Wetter.
    Im dritten Fernsehprogramm des WDR („West3“) kommt jeden Abend gegen 19:25 Uhr ein ziemlich guter Wetterbericht, gehalten von vier Wetterfröschen (darunter eine Wetterfröschin), die sich im wöchentlichen Turnus abwechseln. Diese 3 Minuten verpasse ich selten. Der Bericht bezieht sich ausschließlich auf NRW, kann daher sehr spezifisch sein und ist es auch. Eine Vorhersage gibt es, außer bei sehr stabilen Großwetterlagen, meist nur für drei Tage (alles andere ist, wie Kundige wissen, mehr oder weniger Kaffeesatzleserei). Die Prognose für den kommenden Tag trifft daher fast immer ganz genau auf den Punkt, für die beiden Folgetage ist sie sehr, sehr gut. Einer der vier, Sven Plöger, ist Segelflieger und wenn man genau hinhört, merkt man das auch.

    Auch in diesem Wetterbericht wurde natürlich auf das Phänomen der hohen Maitemperaturen eingegangen. Aber es wurde gesagt, dieser Mai habe die bundesweit höchsten Durchschnittstemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gehabt. Dies sei jedoch anders empfunden worden, weil a) in weiten Teilen des Landes weit überdurchschnittlich viel Regen gefallen sei, in manchen Regionen bis zu 200% der jahreszeitlichen, regionalen Normalmengen und b) es gleichzeitig eine weit unterdurchschnittliche Anzahl von Sonnenstunden gegeben habe. Beides führe dazu, daß der Mai eben zu kalt empfunden wurde. Das ist doch eine vernünftige Aussage, mit der man was anfangen kann.

    – Nun zu dem, was aus der Sprudelflasche zischt und was wir und alle anderen Säugetiere ausatmen.
    Was also schon alleine deshalb keinesfalls – wie gelegentlich von Umweltaktivisten behauptet – ein „Giftgas“ sein kann: Kohlendioxid, CO2. Je zwei Beinchen Sauerstoff kleben an vier Beinchen Kohlenstoff; minus zwei und plus vier sei sein natürliches Habitat und deshalb sehr stabil, hat unser Chemielehrer behauptet.
    Sein Ausstoß, gerne auch in gigantischen Mengen, ist ja ideologisch völlig OK, wenn das bei der Herstellung von Batterien für Elektroautos geschieht. Daß nebenbei auch noch Millionen Tonnen Schwefelsäure zur Erzeugung des dafür nötigen Cobaltsulfates verwendet und anschließend im kongolesischen Dschungel verklappt werden, ist da nur ein lästiges Nebengeräusch. Beides ist ja so schön weit weg, daß Herr und Frau Gutmensch es nicht zur Kenntnis nehmen müssen. Auch daß dabei nicht nur die Umwelt schwerstens geschädigt, sondern auch noch Menschenrechte mit Füßen getreten werden, kann man auf die Entfernung bequem ignorieren.
    Wer genauer wissen will, wie Kobalt für die Energiespeicher unserer „sauberen“ Fahrzeuge mit hohem Einsatz von Kinder- und Sklavenarbeit unter schlimmsten Bedingungen gewonnen wird, möge mit den Begriffen „Cobalt“, „Artisanal Mining“ und „Congo“ googlen. Da gibt es einige ziemlich gute Berichte, u.a. von der „Washington Post“. Achtung, nicht abends gucken, sonst schläft man schlecht.
    Da aus DRC (Democratic Republic Congo, das ehem. Belgisch Kongo) und den umliegenden Staaten des sog. „African Copper Belt“ nicht nur zwei Drittel der Weltförderung stammen (auch fast alles, was offiziell als chinesisch deklariert ist), sondern dort auch ebenfalls zwei Drittel der bekannten Co-Vorkommen weltweit liegen, wird sich das nicht ändern, weil es sich nicht ändern kann! Übrigens wird Co selten rein gefördert, sondern fast immer als Beifang von Kupfer, Nickel und (seltener) Silber. Typischer Anteil an Cu liegt bei 10%.
    Die Tatsache, daß die großen Minenbetreiber und Rohstoffoligarchen wie etwa Glencore und BHP Biliton sehr freigiebig mit Unbedenklichkeitszertifikaten sind, ändert daran überhaupt nichts.

    Ein vergleichbares Problem soll es wohl mit dem zweiten unverzichtbaren Rohstoff der Li-Ion Akkus geben, dem Lithium. Bei Kobalt bin ich tief im Stoff, das gehört zu meinem Geschäft, aber von Lithium verstehe ich zu wenig, da halte ich mich lieber raus, getreu dem Satz von Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat, …“.

    Übrigens: wundert sich eigentlich niemand, daß unser

    Habek [ Originaltext ersetzt, hkl]

    plötzlich bereit ist, das Lieferkettengesetz für zwei Jahre auszusetzen?
    Man darf annehmen, daß ihm jemand gesteckt hat, daß bei dessen konsequenter Anwendung sofort Schluß mit Elektroautos sein müßte. Und selbst ihm ist natürlich klar, daß das in zwei Jahren nicht mehr sein Problem sein wird.

    Nicht OK ist hingegen, wenn CO2 etwa im Motorsport anfällt, oder gar – oberpfui! – in der privaten Fliegerei; nur so zum Vergnügen, man stelle sich das mal vor! Daß sich die Mengen von beidem zusammen weit unterhalb der Nachweisgrenze bewegen, paßt nicht in die Ideologie derer, die unsere Freiheit beschneiden und uns in allem, was nicht ihrem beschränkten Weltbild entspricht, bevormunden wollen. Ganz abgesehen davon, daß die sowieso nicht wissen was eine Nachweisgrenze ist: Abi in SoWi, Philo und Päda – wenn überhaupt.

    Noch ein Aspekt, der kaum jemals erwähnt wird: jeder Nordamerikaner verursacht etwa dreimal soviel CO2 Ausstoß wie ein EU-Bürger (manche Quellen sagen sogar sechsmal). Da beide Kontinente größenordnungsmäßig etwa gleich viele Einwohner haben, nämlich etwa 450 Mio, bedeutet das ganz einfach dies: würden die Nordamerikaner ein Drittel CO2 einsparen, hätte das exakt denselben Effekt, wie wenn die EU überhaupt kein CO2 ausstieße; nichts, null, nada! Wir könnten dann nicht einmal in die Steinzeit zurück, weil, Lagerfeuer is nich!

    Natürlich wäre das relativ einfach erreichbar. Es gibt nämlich keinen vernünftigen Grund, warum südlich der Dixieline überhaupt fossile Energie verbraucht werden muß. Das Gebiet könnte sich nicht nur über PV komplett selbst versorgen – und zwar ganzjährig – sondern noch große Teile des Nordens gleich mit.
    Soweit muß man aber gar nicht gehen. Wenn die Südstaatler die Klimaanlagen von 16 auf 22 °C hochdrehen und dann noch Türen und Fenster schließen, kommt das Drittel auch so zustande.

    Was passiert jedoch statt dessen? Die EU hat in den letzten 20 Jahren erheblich eingespart und spart noch immer weiter, während unsere transatlantischen Freunde ihren Energieverbrauch munter immer weiter steigern. Food for thought, wie der Brite sagt.

    So, jetzt höre ich mal lieber auf, sonst wird´s doch noch politisch.

    1. Da ich für den Inhalt verantwortlich bin, wurde ein Satzteil gestrichen (unberücksichtigt dabei meine Meinung) und durch den Namen der Person ersetzt.
      Und ja, bezüglich Politik ist der Kommentar grenzwertig, was zugegeben am (von mir gewählten) Beitragsthema liegt.
      Also für weitere Kommentare bitte die Gratwanderung berücksichtigen:
      Politik und persönliche Herabsetzungen haben auf diesem Blog keinen Platz.

  3. Helga Kleisny

    Es gibt leider zurzeit Probleme durch einen WordPress System Update mit der Eingabe von Kommentaren. Es liegt nicht an mir.
    Man kann kommentieren, erhält aber keine Rückmeldung, dass der Kommentar abgesandt wurde und auf Freischaltung wartet.
    Werde diese Zeilen löschen, sobald das Problem behoben ist.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.