Photostory zur Buchmesse 2025

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Buchprofis und Literaturliebhaber aus aller Welt haben sich wieder einmal für einige Tage in Frankfurt getroffen. Buchmesse (BM) nennt sich das Event. Von einem Marktplatz und Festival der Literatur spricht der Direktor der BM, Juergen Boos.

Zahlen, Daten, Fakten

Nun ja. Mit 118.000 FachbesucherInnen und 120.000 PrivatbesucherInnen aus 131 Ländern ist die Frankfurter Buchmesse noch immer führend in ihrem Genre. 4350 Aussteller und 7800 MedienvertreterInnen und mehr als 3500 Veranstaltungen muss man erst einmal nachmachen.

Die Realität

Der persönliche Eindruck einer seit mehreren Jahrzehnten von der BM berichtenden Journalistin ist allerdings weniger lobhudelvoll. Lassen wir einen Wiener sprechen, der im Bus (die ewige Herumgurkerei vom Parkhaus zum falschen Ende der Messe ist leider bleibendes Element) das mit Wiener Schmäh treffend so zusammenfasste: „Ich warte ja nur, bis sich die Buchmesse auf eine einzige Halle reduziert. Es ist peinlich, wenn man auf kilometerlangen Wegen entlang vieler leerer Hallen laufen muss, bis man endlich bei den richtigen Hallen angelangt ist.“

Die Fotos kommen noch. Bitte weiterlesen.

Es wird alles immer mehr reduziert und zusammengefasst. Die leeren Hallen mehren sich oder werden nicht mehr aufgebaut, wie auf der Agora. Dort im Innenhof stehen nun zahlreiche Food Trucks statt der mobilen Hallen und Veranstaltungsbühnen wie in früheren Jahren. Siehe Introfoto.

Die Veranstaltungsreihe „Book to Film“ fehlte komplett. Sehr schade. Denn in den besten Zeiten war hier Hollywood vertreten und so die gegenseitige Kontaktaufnahme zwischen Autoren und Filmemachern ein Leichtes.

Menschen stehen in einer Warteschlange vor einem mobilen Raumfahrtsimulator namens 'Space Buzz' auf der Frankfurter Buchmesse.
Ein Junge sitzt in einem blauen Stuhl mit VR-Brille und Kopfhörern, während er in einem geschlossenen Raum sitzt.

An den Publikumstagen zierte zumindest der DLR-Laster, pardon, die DLR-Rakete, die Agora.

Auf der virtuellen Reise zum Mond

Von der ursprünglichen Buchmesse-Woche – für Journalisten von Dienstag bis Montag rundum die Uhr – blieben in diesem Jahr nur mehr die Tage Mittwoch und Donnerstag für Fachbesucher. Ab Freitag schon war normaler Publikumstag. Buchverkauf gab es dafür bereits ab dem ersten Tag. Mit Schild an den Ständen die Verkaufswillig waren. Das hilft den Ausstellern und auch den Besuchern. Gute Idee.

Ein Verkaufstisch auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Schild, das 'VERKAUF' zeigt, umgeben von gestapelten Büchern, während eine Person im Hintergrund arbeitet.

Das Durchkommen in den angestammten 3er und 4er Hallen war problemlos. Dafür aber platzte eine neue Halle, die im letzten Jahr bereits dazukam, vor Besuchern: Die Halle 1 liegt nun tatsächlich am anderen Ende von der Parkbus-Haltestelle. 10 Kilometer pro Tag (mehr als 18000 Schritte) war mein Schnitt pro Besuchstag. Da braucht man am Abend statt Fitnesstraining eher eine Sauna oder eine heiße Badewanne.

Fundstücke

Die Suche nach neuen zahlenden Zielgruppen zeigt manchmal sonderbare Auswüchse. Ein paar Beispiele:

Eine Reihe von Fahrradzubehör aus Kunststoff in Form von Tieren, darunter ein Hund, eine Katze, ein Flugzeug und verschiedene Enten, die zum Verkauf auf Karten präsentiert werden.
Anzeige für Reiseführer für Kinder von Lonely Planet, mit Titeln 'A Kid's Guide to Japan' und 'A Kid's Guide to Italy'.

Kann man sich aufs Fahrrad kleben. Hat jetzt auch nicht im entferntesten etwas mit Buch zu tun…

Kinder als Zielgruppe für eigene Reiseführer?

Eine kreative Buchdisplay-Anordnung zeigt zwei aufgeschlagene Bücher, die ein Zelt bilden und eine Skulptur eines Drachen im Inneren präsentieren.
Buchstütze für das aufgeschlagene Buch. Gibt es in unterschiedlichen Größen…

Überrascht von einer Auswahl an Stoffbeuteln, die auf einem Holzständer hängen, mit Aufschriften, die sich auf das Hören von Hörbüchern beziehen.

Leider kein Einzelfall.

Die Idee, Tüten und Taschen für (auf der Buchmesse gekaufte) Bücher zu VERKAUFEN!

Man bezahlt dafür, als wandlende Litfaßsäule durch die Messe zu laufen…

Das fand ich schön:

Das Frankfurter Dialogmuseum, stellt sich mit einigen Herausforderungen für Sehende auf der Buchmesse der Welt vor:

Tafel mit Informationen über Braille und Lesetechniken in Deutsch und Englisch, präsentiert auf der Frankfurter Buchmesse.
Ein Stand auf der Buchmesse mit zwei Personen, die an einem Tisch mit verschiedenen Schreibutensilien und Materialien arbeiten.
Ein blaue Notizbuch von Leuchtturm1917 auf einem Tisch, daneben rote Notizbücher und Stifte.

Der Jahreskalender nach dem Kauf mit gewünschter Prägung.

FlugundZeit – was sonst? 🙂

Dass man am Europapark nicht vorbeikommen kann, ist in meiner Umgebung sowieso klar. 🙂 Dass Mack Media, eine der vielen Mackfirmen, auch auf der Buchmesse vertreten ist, ist neu.

Ein Messestand von Mack Studios bei der Buchmesse mit einem Bildschirm, der ein offenes Buch zeigt, sowie einer Regale mit bunten Kinderbüchern und Figuren im Vordergrund.

Wo sich die Leserschaft in 2025 trifft

Blick auf die Frankfurter Buchmesse mit einer großen Menschenmenge, die zwischen Ausstellerständen wandert, in einer hellen Halle mit modernen architektonischen Elementen.

Ale Fotos von Halle 1 hier wurden etwa 20 Minuten nach dem Publikumseinlass am Freitag gemacht. Die Warteschlangen waren im Nullkomma nichts gefüllt.

Wofür stellt man sich (später) stundenlang an? Meine Frage trifft auf ein verständnisloses Gesicht. Um Bücher zu kaufen natürlich! Diese Antwort trifft auf mein verständnisloses Gesicht. Geht das nicht einfacher online oder im normalen Buchhandel?

Ich werde aufgeklärt. Hier gibt es dieselben Bücher mit Farbschnitten und zudem Sonderausgaben, die sonst nicht erhältlich sind. Außer, sie bleiben über nach der Messe. Das aber sei unwahrscheinlich, sagen die Aussteller.

Stand von Lyx auf der Frankfurter Buchmesse, dekoriert mit rosa Draperien und Kronleuchtern, umgeben von Besuchern.

Alle Bücher in dieser Halle sind „New Adult“ und „Romance“-Bücher. Also aus meiner Sicht Liebesschmonzetten. Dark Romance, also Liebesgeschichten mit ungewissem Ausgang (wer kriegt wen) und moralisch nicht immer ganz reinweiß, sind der heiße Trend zurzeit.

Wer sagt, die Jugend lese nicht, liegt falsch. Ob sie das Richtige liest, ist Ansichtssache.

Mit 30 zählt man in dieser Halle bereits zu den Oldies und nicht mehr zur Zielgruppe. Außer – man begleitet seine Nachkommen beim Einkauf.

Dass hier die Musik spielt – die in den angestammten Hallen zunehmend leiser wird – ist offensichtlich auch den Ausstellern bewusst. So finden sich in der jungen Halle neben reinen Romance Verlagen wie dem zartrosa Lyx auch Namen wie Thalia oder Penguin Random House. Es wirkt wie ein sanfter Übergang der Aussteller von den angestammten Hallen zur Halle 1 und der Zukunft. Im Moment gilt noch: als Verlag am besten in beiden vertreten zu sein, jeweils für die Zielgruppe ausgerichtet.

Blick auf den Azu-Bistro Stand auf der Frankfurter Buchmesse, mit Besuchern und Informationsplakaten in einer beleuchteten Halle.

Auch das Azu-Bistro (der erschwingliche Verkaufsstand für Azubis im Buchmarkt) hat sich bereits in die Halle 1 verzogen.

Der Ehrengast

Traurig. Trauriger. Am Traurigsten.

Von allen Gastländer-Ausstellungen war dies wohl die Tristeste. So ungefähr der größte Gegensatz zu Island im Jahre 2011, einer atemberaubenden Ausstellung.

Dabei hatte mir im letzten Jahr „Budjette“ Tan, Schöpfer der le­gendären Trese Comics mit seiner hinreißenden Präsentation auf der Buchmesse philippinische Bücher so richtig schmackhaft gemacht.

Ein modernes Ausstellungsdesign auf der Frankfurter Buchmesse mit mehreren Besuchern, die um eine pyramidenförmige Bücherpräsentation und Kunstinstallationen herumstehen.

©alle Bilder: H. Kleisny


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One response to “Photostory zur Buchmesse 2025”

  1. […] unten. Genau besehen sogar drei – denn die meisten waren dieses Jahr auch bereits in der Halle 1 für die New Adult Generation vertreten. Könnte durchaus sein, dass sich die Zahl der Aussteller, die das alles auf sich nehmen, […]

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.