Buchprofis und Literaturliebhaber aus aller Welt haben sich wieder einmal für einige Tage in Frankfurt getroffen. Buchmesse (BM) nennt sich das Event. Von einem Marktplatz und Festival der Literatur spricht der Direktor der BM, Juergen Boos.
Zahlen, Daten, Fakten
Nun ja. Mit 118.000 FachbesucherInnen und 120.000 PrivatbesucherInnen aus 131 Ländern ist die Frankfurter Buchmesse noch immer führend in ihrem Genre. 4350 Aussteller und 7800 MedienvertreterInnen und mehr als 3500 Veranstaltungen muss man erst einmal nachmachen.
Die Realität
Der persönliche Eindruck einer seit mehreren Jahrzehnten von der BM berichtenden Journalistin ist allerdings weniger lobhudelvoll. Lassen wir einen Wiener sprechen, der im Bus (die ewige Herumgurkerei vom Parkhaus zum falschen Ende der Messe ist leider bleibendes Element) das mit Wiener Schmäh treffend so zusammenfasste: „Ich warte ja nur, bis sich die Buchmesse auf eine einzige Halle reduziert. Es ist peinlich, wenn man auf kilometerlangen Wegen entlang vieler leerer Hallen laufen muss, bis man endlich bei den richtigen Hallen angelangt ist.“
Die Fotos kommen noch. Bitte weiterlesen.
Es wird alles immer mehr reduziert und zusammengefasst. Die leeren Hallen mehren sich oder werden nicht mehr aufgebaut, wie auf der Agora. Dort im Innenhof stehen nun zahlreiche Food Trucks statt der mobilen Hallen und Veranstaltungsbühnen wie in früheren Jahren. Siehe Introfoto.
Die Veranstaltungsreihe „Book to Film“ fehlte komplett. Sehr schade. Denn in den besten Zeiten war hier Hollywood vertreten und so die gegenseitige Kontaktaufnahme zwischen Autoren und Filmemachern ein Leichtes.


An den Publikumstagen zierte zumindest der DLR-Laster, pardon, die DLR-Rakete, die Agora.
Auf der virtuellen Reise zum Mond
Von der ursprünglichen Buchmesse-Woche – für Journalisten von Dienstag bis Montag rundum die Uhr – blieben in diesem Jahr nur mehr die Tage Mittwoch und Donnerstag für Fachbesucher. Ab Freitag schon war normaler Publikumstag. Buchverkauf gab es dafür bereits ab dem ersten Tag. Mit Schild an den Ständen die Verkaufswillig waren. Das hilft den Ausstellern und auch den Besuchern. Gute Idee.

Das Durchkommen in den angestammten 3er und 4er Hallen war problemlos. Dafür aber platzte eine neue Halle, die im letzten Jahr bereits dazukam, vor Besuchern: Die Halle 1 liegt nun tatsächlich am anderen Ende von der Parkbus-Haltestelle. 10 Kilometer pro Tag (mehr als 18000 Schritte) war mein Schnitt pro Besuchstag. Da braucht man am Abend statt Fitnesstraining eher eine Sauna oder eine heiße Badewanne.
Fundstücke
Die Suche nach neuen zahlenden Zielgruppen zeigt manchmal sonderbare Auswüchse. Ein paar Beispiele:


Kann man sich aufs Fahrrad kleben. Hat jetzt auch nicht im entferntesten etwas mit Buch zu tun…
Kinder als Zielgruppe für eigene Reiseführer?


Leider kein Einzelfall.
Die Idee, Tüten und Taschen für (auf der Buchmesse gekaufte) Bücher zu VERKAUFEN!
Man bezahlt dafür, als wandlende Litfaßsäule durch die Messe zu laufen…
Das fand ich schön:
Das Frankfurter Dialogmuseum, stellt sich mit einigen Herausforderungen für Sehende auf der Buchmesse der Welt vor:



Der Jahreskalender nach dem Kauf mit gewünschter Prägung.
FlugundZeit – was sonst? 🙂
Dass man am Europapark nicht vorbeikommen kann, ist in meiner Umgebung sowieso klar. 🙂 Dass Mack Media, eine der vielen Mackfirmen, auch auf der Buchmesse vertreten ist, ist neu.

Wo sich die Leserschaft in 2025 trifft

Ale Fotos von Halle 1 hier wurden etwa 20 Minuten nach dem Publikumseinlass am Freitag gemacht. Die Warteschlangen waren im Nullkomma nichts gefüllt.
Wofür stellt man sich (später) stundenlang an? Meine Frage trifft auf ein verständnisloses Gesicht. Um Bücher zu kaufen natürlich! Diese Antwort trifft auf mein verständnisloses Gesicht. Geht das nicht einfacher online oder im normalen Buchhandel?
Ich werde aufgeklärt. Hier gibt es dieselben Bücher mit Farbschnitten und zudem Sonderausgaben, die sonst nicht erhältlich sind. Außer, sie bleiben über nach der Messe. Das aber sei unwahrscheinlich, sagen die Aussteller.

Alle Bücher in dieser Halle sind „New Adult“ und „Romance“-Bücher. Also aus meiner Sicht Liebesschmonzetten. Dark Romance, also Liebesgeschichten mit ungewissem Ausgang (wer kriegt wen) und moralisch nicht immer ganz reinweiß, sind der heiße Trend zurzeit.
Wer sagt, die Jugend lese nicht, liegt falsch. Ob sie das Richtige liest, ist Ansichtssache.
Mit 30 zählt man in dieser Halle bereits zu den Oldies und nicht mehr zur Zielgruppe. Außer – man begleitet seine Nachkommen beim Einkauf.
Dass hier die Musik spielt – die in den angestammten Hallen zunehmend leiser wird – ist offensichtlich auch den Ausstellern bewusst. So finden sich in der jungen Halle neben reinen Romance Verlagen wie dem zartrosa Lyx auch Namen wie Thalia oder Penguin Random House. Es wirkt wie ein sanfter Übergang der Aussteller von den angestammten Hallen zur Halle 1 und der Zukunft. Im Moment gilt noch: als Verlag am besten in beiden vertreten zu sein, jeweils für die Zielgruppe ausgerichtet.

Auch das Azu-Bistro (der erschwingliche Verkaufsstand für Azubis im Buchmarkt) hat sich bereits in die Halle 1 verzogen.
Der Ehrengast
Traurig. Trauriger. Am Traurigsten.
Von allen Gastländer-Ausstellungen war dies wohl die Tristeste. So ungefähr der größte Gegensatz zu Island im Jahre 2011, einer atemberaubenden Ausstellung.
Dabei hatte mir im letzten Jahr „Budjette“ Tan, Schöpfer der legendären Trese Comics mit seiner hinreißenden Präsentation auf der Buchmesse philippinische Bücher so richtig schmackhaft gemacht.

©alle Bilder: H. Kleisny





