Verbrechen geht immer. In der Literatur, im Film und nun auch als interaktive Ausstellung. Trotz des Namens der Location (Technoseum) geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um Werkzeuge, Methoden, Täuschungen, Beweise und Gegenmaßnahmen. Und um die Frage, wie Menschen mit allen Mitteln betrügen, manipulieren, verschleiern — und wie andere Menschen versuchen, ihnen auf die Spur zu kommen.
Manchmal reicht ein Fingerabdruck. Oder ein gefälschter Ausweis. Ein Geldautomat, der nicht mehr wie ein Automat aussieht, sondern wie ein aufgerissener Tatort. Ein Bild, dem man nicht trauen kann. Ab 25. Juni 2026 verwandelt das Technoseum in Mannheim solche Spuren, Objekte und Fragen in eine große Sonderausstellung namens CRIME. Ein Jahr lang ist sie für alle Besucher von ganz klein bis ganz groß und weise zu erleben.
Detektive gesucht
Vieles lässt sich dabei für Besucher selbst ausprobieren oder erleben. Sehr schön. Es gibt nicht nur Objekte hinter verschlossenen Glaskästen, sondern vieles für alle Altersgruppen auch anschaulich zum selber Ausprobieren oder Erschnüffeln. Woher kam die Kugel, welcher der (Papp-)Verbrecher feuerte die entscheidende Kugel ab?
Fragen über Fragen…
…die es vom Besucher zu beantworten gilt: Wie entsteht ein Verdacht? Was kann eine Spur überhaupt beweisen? Warum ist ein Foto nicht automatisch Wahrheit? Wann wird aus einer Erfindung ein Werkzeug des Betrugs? Und wie viel Technik braucht eine Gesellschaft, um sich vor Missbrauch zu schützen, ohne dabei selbst in gefährliche Bereiche von Kontrolle und Überwachung zu geraten?
Anschauliche Beispiele mit DNA-Analysen, Phantombilder, die man auch selber erstellen kann, Computer-Hacks und die allseits bekannten Deepfakes führen Verbrechen in Reinkultur vor. Anhand von historischen und aktuellen Beispiele sieht man, wie eng Verbrechen und Aufklärung mit dem technischen Stand ihrer Zeit verbunden sind. Denn Kriminalität verändert sich mit den Möglichkeiten. Wer früher ein Dokument fälschte, musste Papier, Tinte, Siegel oder Unterschriften beherrschen.
Wer heute täuschen will, kann digitale Bilder verändern, Identitäten nachahmen oder Daten angreifen. Gleichzeitig verändert sich auch die Aufklärung. Ermittlerinnen und Ermittler verlassen sich nicht mehr nur auf Zeugenaussagen, sondern auf Spuren, Messwerte, Muster, Datenbanken, Bildtechnik und Laboranalysen.
Das alles muss man nicht trocken in Broschüren darstellen, sondern kann es auch spielerisch in der Ausstellung erleben. Tüftlerische Verschnaufpausen (oder auch nicht 🙂 ) bietet dazu etwa der Lasertunnel.

Bildquelle: TECHNOSEUM, Klaus Luginsland, der auch das Introbild (Daktyloskopische Spurenkarten) fotografiert hat.
Crime gibt es im Technoseum auf 10 Stationen, die auf allen Stockwerken, inhaltlich zu den angestammten Ausstellungsstücken passend, verteilt sind. (Bequemes Schuhwerk empfiehlt sich – und ausreichend Zeit…)
Wenn der Geldautomat zum Tatort wird
Geld ist eine häufige Motivation für viele Verbrechen. Das auch haben wollen, was andere sich verdient haben und diesen berechtigt gehört. Daher widmet sich eine der Stationen bewusst dem Geld. Besucher können unter anderem selbst eine Münze prägen, Falschgeld prüfen oder sich an einer Schubkarre mit einem gestohlenen Schatz versuchen. Warnung: Der ist schwer. Gewichtsmäßig gemeint.
An dieser Station sieht man, warum Sicherheitsmerkmale, Prägungen, Prüfverfahren und Materialwissen nötig wurden. Der Reiz dieser und der anderen Station(en) liegt darin, dass man Betrug nicht abstrakt erklärt bekommt, sondern mit den eigenen Augen prüfen kann: Was ist echt? Was wirkt echt? Und wo beginnt die Täuschung?
Ganz andere Geheimnisse birgt der Abschnitt: Codes. Verschlüsselungstechniken und Rätseln – klarerweise wieder alles nicht platt präsentiert, sondern zum selber erarbeiten. Selber an einer echten (! vom Kommunikationsmuseum Frankfurt geliehenen) Enigma drehen und die Lösung finden, das hat was. Zumindest für Technikfreaks. Ich geb’s ja zu, als passionierter Mathe-Rätsellöser. 🙂

Geduld, Kombinationsgabe und Misstrauen
Oder die Chiffre, die einen Holzstab als Schlüssel verwendet: Skytale (altgriechisch für „Stab“). Das ist eines der ältesten bekannten militärischen Verschlüsselungsverfahren und stammt aus dem antiken Sparta (5. Jahrhundert v. Chr.). Sofort ran und selber ausprobieren!
Verschlüsselung gehört zu den ältesten Formen technischer Geheimhaltung. Wer eine Botschaft unlesbar macht, schützt Informationen. Wer sie knackt, gewinnt Zugang zu etwas, das verborgen bleiben sollte. Viele Technologien haben aber Doppelrollen: Sie können einerseits schützen aber auch zugleich gefährden. Ein Code kann Privatsphäre sichern, diplomatische Nachrichten schützen oder militärische Kommunikation verschleiern.
Echt oder gefälscht?
Im Bereich der Fälschungen geht es um Deepfakes, falsche Ausweise und natürlich um künstliche Intelligenz. Lange galt: Ein Foto beweist etwas. Ein Video erst recht. Eine Stimme am Telefon gehört zu einer Person. Ein Ausweis bestätigt eine Identität. Doch digitale Technik hat diese Gewissheiten erschüttert. Bilder können verändert, Gesichter künstlich erzeugt, Stimmen imitiert und Dokumente manipuliert werden. Das muss nicht immer kriminell sein, aber es verschiebt die Grenze des Glaubwürdigen. Ausgerechnet in einer Zeit, in der wir ständig Bilder, Clips und Nachrichten sehen, wird die Frage nach Echtheit schwieriger.
Der Begriff „Fälschung“ reicht heute viel weiter als früher. Es geht nicht nur um nachgemachte Markenware oder gefälschte Papiere. Es geht um Wahrnehmung. Um Vertrauen in Medien. Um die Frage, ob man dem eigenen Auge noch trauen kann. Wenn ein Museum die Chance liefert, Deepfakes oder kriminalistisch falsche Ausweise zu erkennen, dann geht es nicht allein um Neugier. Sondern um Alltagskompetenz in einer technischen Welt, in der Täuschung immer überzeugender aussehen kann.
Eher klassisch, aber nicht weniger spannend geht es in der Forensik zu. Hier lassen sich Fingerabdrücke und Fasern untersuchen, eine Schussbahn nachvollziehen und Phantombilder selber erstellen. Genauigkeit ist hier gefragt.
Begehbarer Kriminalfall
Vom genauen Beobachten und Hingucken lebt die Kriminaltechnik. Eine Faser ist winzig. Ein Fingerabdruck kann unvollständig sein. Eine Flugbahn ist zunächst unsichtbar. Ein Gesicht in der Erinnerung eines Zeugen ist kein Foto, sondern eine Rekonstruktion. Forensik arbeitet mit Resten, Abdrücken, Mustern und Wahrscheinlichkeiten. Sie macht aus dem kaum Sichtbaren eine Spur. Und aus einer Spur vielleicht ein Beweis. Und wir sind bei CRIME gefordert, diese Spuren und den Beweis zu finden. Macht Spaß. In jedem Alter!
Hier geht es nicht um Tempo, sondern um Aufmerksamkeit. Wer eine Spur falsch deutet, weil er etwas übersieht, verliert womöglich den entscheidenden Hinweis. Um das fertige Ergebnis in der Ausstellung zu erhalten, muss man sich erst an die Methode herantasten.
Denn Kriminaltechnik ist nicht Zauberei. Sie ist Arbeit: Beobachtung, Vergleich, Prüfung und die Bereitschaft, den ersten Eindruck gründlich zu hinterfragen.
Historisches Schwergewicht
Damit es auch noch ein bisschen gruselt: Zu den Ausstellungsobjekten gehört auch ein originales Richtschwert aus dem 16. Jahrhundert, das noch bis 1844 von einem Scharfrichter verwendet wurde. Es steht mal nicht für Ermittlungsarbeit, sondern für Strafe. Für eine Zeit, in der Recht und Gewalt sichtbar miteinander verbunden waren mit staatlicher Macht, durch öffentliche Abschreckung – zur historischen Vorstellung von Schuld, Sühne und Ordnung.
Flugundzeit
Die Ausstellung ist ein absoluter Tipp, ein Muss für Familien, Einzelbesucher, Kinder, Ältere, alle, die sich als Menschen sehen. 🙂 Und natürlich ein lohnenswertes Ausflugsziel für Piloten.
Schöner Tagesausflug für Piloten
Mannheim Airport (ich höre die männliche Computer ATIS Stimme 🙂 ) ist immer ein Ausflugsziel wert. Der Anflug auf die 09 über die Stadt zum City-Airport Mannheim (EDFM) ist für den Erstbesuch vielleicht anspruchsvoll, aber wir lieben doch Herausforderungen. 😉
Von EDFM geht es zu Fuß oder per Straßenbahn direkt zum Museum. Beide Wege sind kurz.
Für die (bei uns beliebte Kombination): „Fliegen. Essen. Hatschn.“ würden wir dazu das Restaurant Lindbergh am Airport empfehlen oder, wenn es nur ein Happen statt großem Essen sein soll, das kleine Bistro direkt im Wartebereich des Flughafens.
Das Technoseum ist auch sonst mit seinen permanenten Ausstellungsstücken ein Erlebnis. Einiges sieht und erlebt man ja zwangsweise 🙂 , wenn man zu den einzelnen CRIME Stationen geht.
Fliegerisch ist es leider eher mau, da gibt es nur wenig zu entdecken. Da wäre doch die Räubersgeschicht‘ mit D.B. Cooper ein super interessantes Rätsel, das noch immer nicht gelöst ist, und viele kriminalistische Bereiche umspannt. Abgesehen vom Bezug zum Fliegen und Fallschirmspringen.
Dafür hat das Museum sogar eine Bionikabteilung, aber das wäre nun ein komplett anderes Thema…


