In der TAZ ecchauffiert sich ein Redakteur über Cowboys im Cockpit. Er schreibt von einem Gruselhit mit 1,8 Millionen Klicks auf YouTube. Aber: Man muss nicht alles aufgreifen, ohne es fachlich kommentiert weiterzuverbreiten.

Korrekt: Das Manöver war an dieser Stelle vollkommen fehl am Platze. Ein professioneller Pilot macht das nicht. Auch nicht, wenn er handwerklich durchaus gut fliegen kann.

Die Gefahr des Strömungsabrisses im Video ist für Piloten nicht nachvollziehbar. Alle Rollbewegungen waren sauber und aerodynamisch geflogen. Es sieht vielleicht für Nicht-Piloten dramatisch aus, ist es aerodynamisch allerdings nicht. Kurzzeitig hätte maximal eine andere Gefahr bestanden: anfangs die des Bodenkontaktes der linken Fläche. Fand aber nicht statt.

Fazit: Es war dumm und unprofessionell, dieses Manöver direkt nach dem Abheben zu fliegen. Aerodynamisch ist es anspruchsvoll, aber nicht direkt gefährlich. Die Gefahr des Bodenkontaktes der Flächenspitze war immanent.

Wenn man als Zeitungsredakteur einen Viralhit aus dem Netz aufgreift, sollte man dem Leser fachlich korrekte Informationen dazu liefern. Und nicht einfach ein Internetfass weiter rollen, ohne Nachdenken und Recherchieren bei Leuten, die die Facts beurteilen können.


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.