Ein Cockpit Spiel für Zuhause. Das muss ich sofort ausprobieren. Skyteam heißt das ursprünglich in Frankreich entwickelte Spiel für zwei Player. 2024 war es das Spiel des Jahres.

Hat man sich erstmal durch das originelle, unübliche Spielkonzept durchgearbeitet, kann die erste Runde beginnen.
Die Kapitänin startet mit ihren blauen Spielsteinen.
Passt. 🙂
©dieses und Introbild: Kosmos
©Kleisny
Dann setzt der Copilot seine gelben Steinchen. Nur vor jeder Runde dürfen die beiden Couchtischpiloten kommunizieren und Strategien für die zu erledigenden Aufgaben entwickeln. Sollen wir beschleunigen oder verlangsamen? Nach links drehen oder waagerecht weiter fliegen? Den Tower bitten, den Verkehr freizugeben oder … Kaffee holen?
Ja, genau. Denn da haben sich die französischen Spieleentwickler sehr genau an die Realität gehalten. Ohne Kaffee läuft bei den langen Flugstrecken oder zu sehr kontroverser Uhrzeit für den Körper im Cockpit nichts.
Dann würfeln beide Spieler. Von da an sitzen wir schweigend, ohne miteinander zu kommunizieren da. Es wird nur mehr verdeckt gewürfelt und darauf gehofft, dass man die Landung erfolgreich hinbekommt oder der jeweils andere durch seine Spielzüge das Flugzeug zum Absturz bringt.
Nacheinander legen beide Spieler ihre Würfel auf die verschiedenen Instrumente, die ihnen zur Verfügung stehen. Der Copilot könnte mit einer 1 den Verkehr in der Nähe eliminieren und mit einer 5 die Klappen ausfahren. Der Pilot könnte Kaffee kochen und das Fahrwerk ausfahren.
In jedem Fall müssen beide zwei ihrer vier Würfel darauf verwenden, das Flugzeug auszubalancieren und zu entscheiden (soweit man das mit einem zufällig gewürfelten sechs entscheiden kann), wie viel Schub sie dem Motor geben.
Das ist ein kleiner Wermutstropfen in dem ansonsten ungewöhnlichen und spannenden Spiel. Kommunikation ist im Cockpit alles. Nicht zu kommunizieren, den anderen Piloten nicht in die eigenen Absichten und Handlungen miteinzubeziehen geht gar nicht. Schlecht, wenn das angehende Pilotenspieler so lernen. Und das mit den Abstürzen – nun ja.

Die Zeichnung passt nicht zum Text im Bild – Kooperation sieht anders aus.
Es passt allerdings zur Spielstrategie, bei der man zwar ein gemeinsames Ziel verfolgt, aber nicht sieht, was der andere im Kasten, pardon hinter seinem Karton, an möglichen Handlungen parat hält.
©Kosmos
Was gut gelungen ist, sind die Teile, auf die man Einfluss als Spieler hat. Zwar wird die Größe oder Richtung der Bewegungen durch die Würfel bestimmt, aber die Auswirkungen am Ruder, den Triebwerken, das Funken, Landeklappen, Fahrwerk und Bremsen geben einen Eindruck dafür, welche Auswirkungen dies auch in der Realität hätte.
Die Spielzüge werden strategisch nach den Würfelaugen gemacht und nicht so sehr, wie es im normalen Cockpitablauf erfolgt. So setzt die Kapitänin die Bremsen im Landeanflug. Allerdings nicht einmal sondern gesteigert dreimal, wenn es ihr passt. Jeweils ohne Ansprache mit dem Kopiloten. Eine strikte Zuweisung zu einem Pilot Flying und einem Pilot Monitoring gibt es also nicht.
Zu jedem Zeitpunkt können blockierte Bremsen, ein undichter Kerosintank oder zu viele andere Flugzeugen auftauchen, die den Anflug stören können.
Jeder Pilot muss sicherstellen, dass der Flugraum auch tatsächlich frei ist und muss logisch planen und die Landebahn genau treffen. Von Montreal bis Tokio – jeder Flughafen hat seine eigenen Landebedingungen. Wetter kann ein zusätzlicher Faktor sein.
Man interagiert mit realistisch vorhandenen Teilen des Flugzeugs und des Flugablaufes und fliegt zu einem real exitierenden Flugplatz. Aber die (möglichen) Spielzüge sind nicht immer real nachvollziehbar für echte Piloten.
Alles bereit zum Aufsetzen?
Dies geht weiter, meist am Rande des Scheiterns, bis entweder das Flugzeug abstürzt oder man erfolgreich auf einem der realen Flughäfen des Spiels landet.
Das mitgelieferte Fluglogbuch liefert weitere anspruchsvollere Szenarien und online gibt es noch mehr davon. Diese optionalen Module fügen eine Vielzahl von Dingen hinzu, die typischerweise einfache Aktionen anspruchsvoller machen. Durch verschiedene Kartonaufbauten werden neue Aspekte wie Treibstoffmangel oder eine mit Eis bedeckte Landebahn eingeführt, die erfordern, dass man noch mehr der begrenzten Würfelaktionen mit Bedacht einsetzen muss.
Inhalt von Skyteam

1 Cockpit-Tableau
3 Cockpit-Module
1 Fluglage-Anzeiger,
9 Würfel
6 Karten
2 Sichtschirme,
1 Höhenleiste,
11 Entfernungsleisten,
12 Flugzeug-Marker
27 weitere Marker und Plättchen
1 Anleitung
1 Flug-Logbuch
Fazit
Originelles Thema: Landung eines Jumbo-Jets.
Kooperatives Spiel für genau zwei Personen.
21 Flughafenmissionen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Einfache Regeln, viel Nervenkitzel.
Für genau zwei Personen ab 10 Jahren
FuZ Urteil
Absolut empfehlenswert. Der Spaßfaktor ist groß.
Auch wenn es für Piloten (im realen Leben) eine Herausforderung ist, das Spiel und die Realität das wirklichen Fliegens und Flugablaufes bei einem Verkehrsflugzeug hinter sich zu lassen. Wer es schafft, wird spannende Stunden erleben. Jeder Spielverlauf ist neu, anders, und so ergeben sich zahlreiche Spielverläufe.
Nicht-Piloten können einen Einblick in das Cockpit eines Verkehrsfliegers erhalten. Sie sollten allerdings ihren gesunden Menschenverstand einsetzen, ob manche der gewählten Handlungen als realistische Aktion eines verantwortungsvollen Piloten zu sehen sind.




