Buchmesse 2023 und KI

Hinsetzen. Ausruhen. Das klappt gut, wenn man dabei auch noch Wissenswertes oder einfach nur Schönes erfährt. In diesem Beitrag fokussieren wir auf Buchmesse-Veranstaltungen, die sich mit KI befassten. Die Literatur-Bühne (oben im Bild, früher ARD-Bühne) widmete sich zum ersten Mal mit ARD, ZDF und 3sat gemeinsam der Kultur. © alle Bilder FuZ

Buchmesse und KI – KI und Buchmesse wäre treffender. Denn es ging fast nichts ohne KI.

Was ist ein Algorithmus?

Und da sich offensichtlich nicht einmal Spiegelredakteure „weder unter KI noch unter Algorithmen etwas vorstellen können“ (Zitat aus Der Spiegel, Nr. 43 vom 21.10.23, S63 J-M Gutsch), bringen wir mal schnell Licht ins Dunkel. Unter anderem mit Folien von Veranstaltungen der diesjährigen Buchmesse aber eigenem, menschlich erstellten Text. *

Ein Algorithmus ist simpel und einfach eine Handlungsanweisung. (In der Praxis sind es viele aneinandergereihte Handlungsanweisungen). Aber wir vereinfachen hier mal stark. Also so etwas wie: Handtuch vom Haken nehmen, Teller in die andere Hand, abtrocknen. Beides weglegen. Ende. Ausgeführt. (Beispiel ebenso vereinfacht 🙂 )

Die Handlungsanweisung kann man mit Worten formulieren, oder aber für Computer in einer dem Computer verständlichen Sprache. Also in einem, landläufig genannten Software (SW) Programm, das dann Teil eines größeren SW-Programmes ist, das ausführt, was alles drum herum geschehen soll.

Der Algorithmus löst dabei ein Problem, im obigen Beispiel etwa Teller abtrocknen. In der KI-Anwendungen aber vielleicht in einem Bild Hund oder Ampel identifizieren oder ein Auto steuern.

Was bitte ist Künstliche Intelligenz (KI)?

Künstliche Intelligenz (KI) ist schon etwas schwieriger zu definieren, 🙂 wenn es auch für Spiegel-Redakteure verständlich sein soll. Das liegt an der Mannigfaltigkeit der Definitionen für KI, die sich ergänzen, und nicht ausschließen.

Die Definition des EU-Parlaments vom 14.9.2020

Im Prinzip ist auch eine KI nichts anderes als ein SW-Programm. Also eine Aufeinanderfolge von Handlungsanweisungen, die ein bestimmtes Problem lösen sollen. Allerdings, wenn man so will, ein viel-dimensionales Programm. Das sehen wir uns mal näher an.

Jedem Begriff (hier: Tomate, rot…) entspricht ein Vektor im Raum. Auf gut Deutsch, eine Position. Sehr vereinfacht gesagt, also etwa: Der Tisch steht in der Mitte des Raumes. Darauf liegt ein Buch. 10 Zentimeter daneben steht ein Glas. Und so weiter. Das können wir uns in der Praxis noch vorstellen. Sind ja nur drei Dimensionen: links-rechts in der Ebene und oben-unten in der Höhe.

Der Kopf raucht

Mathematisch aber gibt es n-dimensionale Räume. (Die man – für Mathe-Freaks – über sogenannte n-tupel berechnen kann.) Das muss man nicht mehr mitdenken können, das schafft unser dreidimensionales Denken nicht.

Fakt ist, dass sich damit Beziehungen im n-dimensionalen Raum als Zahlenwerte darstellen lassen.

Vorstellbar ist etwa ein Vektor A–>B (würde mathematisch anders geschrieben werden), der die „Beziehung“, also die Entfernung zwischen A und B angibt. Setzt man A mit der Position NULL an, dann wäre in einem Beispiel ein (3,3) A–>B Vektor drei Kästchen nach vorne und drei Kästchen nach rechts. Oder wie das eben definiert ist.

So kann man dann festsetzen, wieweit Tomaten von Gurken „entfernt“ sind. Zu Äpfeln ist der imaginäre Weg vermutlich weiter. Zu Rinderfilet sollte er noch weiter sein. Und zusätzlich noch in eine andere Richtung/Dimension. Ein Auto sollte richtig weit weg in diesem n-dimensionalen mathematischen Raum liegen.

Daher kommen die KI-Halluzinationen

Ja nach vorgegebenem Rahmen setzt die KI also das, was am nächsten in dem n-dimensionalen Zahlenkonstrukt („Würfel“ wäre nur 3-dimensional) steht, dazu in Beziehung. Das funktioniert recht gut mittlerweile, wenn es um Wörter in Sätzen geht oder auch schon bei Bildern.

Die KI nimmt immer das am nächsten Liegende. Und das kann so weit entfernt sein, weil es eben keine Antwort in seinem Datenvorrat gibt, dass wir Menschen das als Unsinn abstempeln, weil es das Ergebnis nun mal ist. Für uns ist das eine Lüge, eine Halluzination der KI. Die tut aber nur, wofür man sie programmiert hat: das nächste gelegene Objekt suchen…

Zahlen lügen nicht, aber man muss sie interpretieren können. Statistik kann sich im Einzelfall irren und hat trotzdem im Großen recht.

Prof.In Katharina Zweig

Die schwache KI

Denn denken kann eine KI (noch) nicht. Sie ist im menschlichen Sinn dumm, auch wenn sie Aufgaben lösen kann, die wir Menschen nicht hinkriegen würden und schon gar nicht in der Zeit, wie es die KI schafft.

Und so kommt die KI bei diesem Übersetzungsbeispiel halt nicht auf die passende Formulierung Körperumfang bei size of my body, weil sie nicht wie Menschen den Zusammenhang versteht, sondern nur nach sprachlichen nahegelegenen Mustern sucht.

Die ÜbersetzerInnen (sind zumindest gefühlt meistens Frauen, weil schlecht bezahlter Job), nutzen KI-Anwendungen bei ihrer Arbeit – für Vorschläge in speziellen Fällen. Ganze Übersetzungen nachzuarbeiten macht ihnen offensichtlich weniger Spaß, als diese selber zu gestalten. Kosteneffizienter für sie wäre es allemal.

Die starke KI

Das wäre die nächste Stufe. Der sozusagen Endausbau einer künstlichen Intelligenz. Eine starke KI wären Computersysteme, die auf Augenhöhe gleichwertig mit Menschen schwierige Aufgaben und Probleme lösen können. Demgegenüber geht es bei der (derzeitigen) schwachen KI nur darum, konkrete Anwendungsprobleme zu meistern.

Wenn die KI-Lösung nicht mehr von der eines Menschen zu unterscheiden ist, dann wäre sie stark. Nach dieser Definition gäbe es bereits in einigen Gebieten starke KI’s: Viele Bilder sind in Untersuchungsreihen nicht korrekt Menschen oder einer KI als Urheber zugeordnet worden. Bei Texten sieht das etwas besser aus.

Für eine starke KI müsste die Ununterscheidbarkeit des Creators in allen Bereichen zutreffen und nicht nur spezialisiert für ein Gebiet auftreten. Dann können wir Menschen endgültig auf dieser Erde einpacken. Wird kommen. Ist nur eine Frage der Zeit.

Ansehen

Sehr empfehlenswert zur Thematik ist der britische Film Ex Machina (2014) von Regisseur Alex Garland. (Der als Autor 1996 den Bestseller The Beach schrieb.) Den Film muss man mehrfach sehen und sieht ihn nach dem ersten Mal mit anderen Augen. Man versteht die handelnden Personen anders, gut und böse ändern sich mit mehr Hintergrundwissen. Sehr tiefgründig und zum Nachdenken anregend über Menschen, Maschinen und ihr künftiges Zusammenleben, über Regeln und Verhaltensweisen.

Mich kann man nicht ersetzen

Doch. Menschen, die glauben, genau ihr Job könne – wegen kreativer Leistungen oder Emotionen – nie von einer KI ersetzt werden, sind mehr als naiv.

Bei allem stehen nur die Wörter „NOCH NICHT“ davor.


* Bitte um Verständnis an alle mathematisch einigermaßen versierten Leser für die grottigen Vereinfachungen oben im Text. Ich kann Vektorrechnung, Algorithmen und KI auch mathematisch korrekt beschreiben. Ob es dann aber ein Redakteur versteht, dem offensichtlich alltagstaugliches Allgemeinwissen fehlt, wäre eine andere Sache.


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.