Mehr Impressions von der Sun ’n Fun

Die FAA – dein Freund und Helfer. Auch wenn für manche Piloten die amerikanische Luftfahrtbehörde eher ein Schreckgespenst darstellt, ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht, mit den Menschen, die da arbeiten. Was vielleicht auch daran liegt, dass man sowohl in Oshkosh als auch auf der Sun ’n Fun eben die tatsächlich Verantwortlichen in den einzelnen Bereichen als Ansprechpartner hat und so, oft unkompliziert, viel Organisatorisches Vorort schnell erledigt, was auf dem Postweg Monate dauert.

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Der kleine leichte Jet – Vision Jet SF50

Klein und leicht ist relativ. Vor allem, wenn es um Jets geht. Bei Jets hat man so üblicherweise eher einen Airbus oder Boeing-Flieger einer Airline im Sinn. Und bei klein, dann eben einen in der Klasse eines Embraer.

Vier- oder Sechssitzer fallen für die Allgemeinheit schnell in die Klasse: Hobbyflieger (in Analogie zum viersitzigen Hobby-Auto?). Cirrus ist ein Flugzeughersteller, der auch bei Kolbentriebwerken schon zur Oberklasse der „Kleinen“ gehört und nun mit seinem Vision Jet SF50 noch eins drauf setzt.

cirrus2Der Minijet (5-Sitzer) verfügt dabei über das Cirrus Airframe Parachute System (CAPS™), ein Fallschirmsystem, das im Notfall den havarierten Flieger sicher zur Erde bringen soll; der Jet ist zugelassen für Flight Into Known Icing Conditions, etwas, das bei kleinen Flugzeugen selten ist, regelt die Temperatur über Air Conditioning und Climate Control wie in einem modernen PKW und hat (wie auch andere Cirrus-Flugzeuge) ein sehr futuristisches Cockpit – mit Bedienung der Instrumente per Touch Screen.

Anschaulicher als alle Worte es beschreiben sieht man die „Vison des Personal Jet“ (Cirrus) in einem Video*. Das zeigt nicht nur einen Flug des Experimental-Flugzeugs, sondern auch den Outside-Check vor dem Flug mit Erklärungen (alles Englisch) von Testpilot Rob Haig. Der spricht auch den Flug im Video durch.

Beim Handling der Cockpitinstrumente werden sogar Linienpiloten neidisch: Verglichen mit der schwerfälligen ACARS-Tastatur und nachträglich eingebautem Tablet vor dem Seitenfenster sind die Eingaben und Anzeigen im Vison Jet echt futuristisch.

Es ist ein Werbevideo der Firma, zugegeben. Trotzdem, es ist gut gemacht und sowohl für Piloten als auch Nicht-Flieger informativ und sehenswert.

Fotos: (c) Cirrus Aircraft

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*Mit bestem Dank für den Themenhinweis und Link an Alexander Schuster.

Kurz-News aus Luft- und Raumfahrt

Kunst im Freien Fall

Den meisten Menschen genügt die Sensation, sich mit dem eigenen Körper im Freifall zu bewegen. Für Vedi Djokich muss da unbedingt noch seine Kunst-Installation hinzu.

„Time the Eraser. Destroying Art While Skydiving and Painting.“ dokumentiert seine einzigartigen Sprünge.

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(c) Vedi Djokich

Was er dabei macht, ist echt abgefahren und (Vorsicht) nicht jedermanns Sache.

Detailreich bemalte Tubes zerstört er während seines Sprunges, indem er schwarze Farbe durch den Luftstrom über die Zeichnungen strömen lässt.

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Interaktiver Inspiziergang im Gehirn

Das BigBrain-Projekt des Forschungszentrums Jülich stellt ein kostenfreies Virtual Reality Tool zur Verfügung, das „eine beispiellose neuroanatomische Einsicht sowie die Möglichkeit der Prüfung von Hypothesen“ über das Gehirn bietet.

Die Auflösung des 3D-Modells eines menschlichen Gehirns liegt in der Größe einer Nervenzelle (20 Mikrometer). Wie mit einer Taschenlampe kann der Nutzer mit einem 3D-Interaktionsgerät die anatomische Struktur interaktiv ausleuchten.

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Tim Blais
(c) Tim Blais

All about that Base ist kein Schreibfehler…

für den Song All about that Bass. Der Kanadier Tim Blais singt Wissenschaft. Er erklärt nicht, er singt einfach. Und kann das besser als so mancher in einem TV-Contest, der sich zum Trällern berufen fühlt. Zum Wegwerfen komisch und witzig sind Tim Blais‘ Wissens-Interpretationen von gängiger Chartmusik.

Auf der Facebookseite und auf Youtube.

Wer sagt da noch, dass Theoretische Physiker langweilig sind?
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Wissenschaft zum Hören – eine Podcast-Übersicht mit Tipps

Podcasts sind themenspezifische, über das Internet verbreitete Audiobeiträge. Und davon gibt es, selbst wenn man sich auf solche beschränkt, die sich mit Wissenschaft und/oder deren Verbreitung befassen, eine ganze Menge.

Hier findet sich eine kommentierte, alphabetische Auflistung, die schon vor dem Anhören vermitteln möchte, worum es in jedem der aufgelisteten Podcasts geht.

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News from Space to Wingsuits

Während das Land hier auf der anderen Seite des Atlantiks auch im Small Talk Politik diskutiert (bis vor etwa einem halben Jahr war das ein absoluter NoGo) gibt es auch technische News zu vermelden.

In Cape Canaveral startete gestern abend mit einer Stunde Verspätung (es ist grimmig kalt und war auch recht böig) ein geostationärer Wettersatellit („der nächsten Generation“ Zitatende) namens GOES-R. Die Bilder zeigen leider einen Tag später noch immer nur die Vorbereitung zum Launch… Es ist Wochenende, auch bei der NASA.

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Auf die ISS hat es nach 2008 endlich wieder ein Franzose geschafft: der ehemalige Linienpilot Thomas Pesquet ist nach einem zweitägigen, routinemäßig verlaufenen Flug mit einer Sojus-MS03 am 19. November an der Internationalen Raumstation ISS anlangt. Die nunmehr sechsköpfige Mannschaft besteht außer Pesquet aus: der NASA-Astronautin Peggy Whitson, dem Roskosmos-Kommandeur Oleg Nowitzky, dem NASA-Astronauten Shane Kimbrough und den Kosmonauten Andrej Borisenko und Sergej Ryschikow. Die letzten Drei waren bereits vor den Neuankömmlingen auf der ISS.

Die Sojus-MS-Rakete ist eine weiterentwickelte Ausführung des russischen Raumschiffklassikers, der seit knapp 50 Jahren im Einsatz ist.

Am Mittwoch, den 23. November wird Pesquet von der ISS in einer  Live-Videokonferenz mit dem Europäischen Astronautenzentrum in Köln zu sehen sein. Zeit: 14 Uhr bis 16 Uhr MEZ
Link zur Live-Videokonferenz

Genereller Link zu Thomas Pesquets Mission Proxima

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Wir hatten berichtet, nun steht das Abdocken der Cygnus-Kapsel von der ISS unmittelbar bevor:

In der Kapsel ist ein Experiment an Bord, das zum ersten Mal Daten darüber sammelt, wie sich Feuer verhält, wenn es unter Umgebungsbedingungen, die denen auf der ISS entsprechen, kontrolliert gezündet wird. Zudem enthält sie Abfälle und nicht mehr benötigtes Equipment, das beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen soll.

Der geplante Ablauf

  • 21.11.16    14:20 Uhr (MEZ)  Abdocken des CYGNUS-Raumtransporters von der ISS; Liveübertragung ab 14:00 Uhr (8:00 a.m. ET)
  • 21.11.16    19:20 Uhr (MEZ)  Experimentbeginn und anschließende Datenübertragung

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Das Fliegen around pilons ist eine Disziplin, die das exakte Fliegen fördert, und eher bekannt ist mit Kriegsflugzeugen. Aber das geht auch mit Wingsuits von Fallschirmspringern. Speziell designte Anzüge und natürlich auch very special wingsuit pilots flogen im Wettbewerb über der Wüste von Arizona an diesem Wochenende. Sieger war mit 258kmh/160mph der Amerikaner Noah Bahnson.

BASE Weltrekord: Absprung von 7700 Metern

roznovDrei Jahre lang bereitete sich der Russe Valery Rozov auf diesen BASE-Sprung vor. Es war auch nicht irgendein Berg, sondern der sechsthöchste der Erde: Cho Oyu, Teil des Himalaya-Gebirges.

21 Tage dauerte der Anmarsch zum optimalen Absprungpunkt. Der erste Versuch ging schief. Zu viel Schnee – es war einfach zu gefährlich und er und seine Unterstützungs-Crew brachen das Unternehmen zunächst ab. Eine Woche später war es dann soweit. Der Schnee war wieder geschmolzen und mit einem russisch gezählten 1 -2 -3 sprang der 51-Jährige ab.

roznov3Nach 90 Sekunden Freifall-Flug mit dem Wingsuit landete Rozov sicher am BASE-Schirm in 6000 Metern Höhe. Kameras vorne und hinten am Helm filmten den außergewöhnlichen Sprung, mit dem er seinen eigenen, früheren Weltrekord brach (7220 Meter Höhe des Absprungs am Everest).

Die Idee dazu war vor drei Jahren beim gemeinsamen Klettern mit seinem Freund Alexander Ruchkin entstanden. Der stürzte allerdings letztes Jahr beim Klettern in Peru ab und so widmete Rozov den Rekordsprung seinem verstorbenen Freund. Die Widmung ist ihm nach eigenen Worten wichtiger als der erreichte Rekord.

Video zum Rekordsprung (Red Bull)

Mehr Videos auf YouTube von Valery Roznov

 

Alle Fotos: Valery Rozov am Mount Cho Oyo, Himalaya, im Oktober 2016, Fotograf und (c) Nika Lebanidze, Red Bull

 

Schaukeln zwischen zwei Ballonen

Zwei Ballone, eine Schaukel, 125 Meter lange Leinen und 1800 Meter über der Erde: Mehr Spaß kann es für diese Springer nicht geben. Die Österreicher Marco Waltenspiel, Georg Lettner, Marco Fürst und Dominic Roithmair überlegten sich eine ungewöhnliche Schaukel. Und realisierten sie im Sommer 2016 im Waldviertel in Niederösterreich.

https://www.redbullcontentpool.com/embed/video/57ee709289a41d742e25e4dc

Die Idee hinter der – sicher von manchen als verrückt angesehenen Unternehmung – war laut Lettner, einen Kindheitstraum zu realisieren. “Es träumen doch viele Kinder davon, auf einer Schaukel zu sitzen, immer höher und höher zu schwingen und irgendwann dann abzuheben und zu fliegen.”

https://www.redbullcontentpool.com/embed/video/57ee61b189a41d742e25e203

Das Schwierigste, so Roithmair, sei es gewesen, auf der Schaukel zu bleiben. Wer schon mal durch einen Hula Hoop Reifen gesprungen ist oder einen Sprung in einem Schlauchboot im Freien Fall absolviert hat, weiß, was der Springer meint. Für außergewöhnliche Stunts sind von Red Bull gesponserten Sportler immer gut – sonst würden sie nicht ins Team kommen.

Nach intensiver Planung und Vorbereitung der Ausrüstung tasteten sich die Skydiver und ihre „Transporteure“ im Sommer 2016 bei optimalen Wetterbedingungen an ihr gemeinsames Ziel heran. Zwischen 1.500 und 2.000 Metern Höhe diente ein Ballon als Anker für die Schaukel, abgesprungen wurde von einem zweiten. „Es kommt auf das richtige Timing und den Absprung an. Wenn das Seil perfekt gespannt ist, so dass du schön nach vorne abzischt, dann ist es perfekt“, beschreibt Marco Waltenspiel die sportliche Herausforderung von „Mega Swing“.

Das Feeling scheint eher mit dem Bungee Springen zu vergleichen zu sein. Roithmair: „Du hast eine Beschleunigung in eine andere Richtung, so wie man es von einem normalen Base- oder Fallschirmsprung nicht kennt. Du springst runter, fällst, und wartest auf den Moment, wo du Druck auf das Brett bekommst. Dann geht es nach ein paar Sekunden nach vorne, mit einer unmotorisierten Beschleunigung, die ein unglaublich feines Gefühl auslöst. Ich kann mich an keinen freien Fall erinnern, der solche verschiedenen Bewegungsmuster zeichnen kann.“

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Beide Fotos: Marco Fürst, Red Bull

“Im Flieger oder Hubschrauber hat man Krach rundum”, sagt Roithmair, “die Ruhe  war einfach überwältigend. Klar, die Brenner der Ballone fauchen ab und zu. Aber das und die Windgeräusche machen die Situation da oben bizarr für einen Fallschirmspringer.“

 

Videos: Red Bull

Windscherungen – wenn der Wind verrückt spielt

Weil mir gerade bei einem anderen Beitrag Wind Shear fälschlicherweise mit Seitenwind übersetzt wurde, gibt es jetzt einen allgemein verständlichen Beitrag dazu. Keine wissenschaftliche Abhandlung, alles ist zum Nachvollziehen stark vereinfacht.

Und irgendwie hatte ich erwartet, dass die Frage kommt, warum denn die Dubai Emirates 773 eine so lange Landung in die Bahn hinein gemacht hat. Der Grund, waren die Windscherungen, die der Crew von der Wettervorhersage (ATIS) bekannt waren.

Von der Definition her passiert eine Windscherung dann, wenn sich der Wind auf kurzer Distanz in Richtung und/oder Stärke ändert.

Das ist für alle Luftfahrer gefährlich, für Flugzeug-Piloten vor allem in Bodennähe, also beim Starten und Landen. Für BASEer und Wingsuit-Flieger auch im freien Fall und generell für Fallschirmspringer in Bodennähe beim Landeanflug. Wind Shear ist in den Bergen und in der Stadt (viele eng stehende hohe Gebäude) ein Faktor, den BASEer berücksichtigen müssen. Das Problem daran ist, dass man Wind Shear, wenn er sich nicht als Windhose, die Staub mit sich bringt, manifestiert, nicht sieht.

Als Pilot/Luftfahrer startet und landet man üblicherweise möglichst gegen den Wind, Wind kommt einem also von vorne entgegen. Und nun gibt es einen kleinen Einschub.

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Luft ist ein Medium und nicht Nichts. Man sieht sie zwar normalerweise nicht wie Wasser, aber im Prinzip bewegen wir uns innerhalb der Luft ähnlich wie im Wasser. Gegen Widerstand: Jedes Objekt, das sich durch eine Luftströmung bewegt, erfährt eine Kraft entgegen der Bewegungsrichtung.

Auf jedes fliegende Teil, im weiteren vereinfacht Flugzeug genannt – wirken vier Kräfte: nach unten die Schwerkraft (1), nach vorne der Schub (2), nach hinten zieht der Luftwiderstand (3) und nach oben der Auftrieb (4).

Wenn Schub und Auftrieb so groß sind, dass Schwerkraft und Widerstand überwunden werden, hebt das Flugzeug ab (nach vorne und oben).

Soweit die Theorie. In der Praxis wirkt sich gerade bei geringen Geschwindigkeiten** zusätzlich der Wind in Richtung und Stärke aus. Das Landen des Flugzeugs erfolgt immer mit möglichst geringer Geschwindigkeit.

Idealerweise setzt der Flieger leicht über seiner Stall Geschwindigkeit auf. Wenn er dabei in den Wind landet ist seine Ground Speed (Geschwindigkeit gegenüber dem Boden) nochmal um die Windgeschwindigkeit geringer und der Bremsweg damit kürzer. Gleiches gilt für den Start. Beim Start beschleunigt das Flugzeug auf eine Geschwindigkeit von etwa 20 Prozent über der Stall-Geschwindigkeit. Wenn es gegen den Wind startet, dann hebt es mit einer geringeren Geschwindigkeit gegenüber dem Boden ab. Die Beschleunigungsstrecke war kürzer.

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*Stall Speed ist die Geschwindigkeit, bei der das Flugzeug in dieser Fluglage (Kurve, Geradeausflug, Steigen…) gerade noch sein Gewicht als Auftrieb produzieren kann.

Stall Speed ist also die Geschwindigkeit, bei der die Tragflächen mit maximalem Anstellwinkel gerade genug Auftrieb liefern, um das Gewicht des Flugzeugs in der Luft zu tragen.

Erhöht man den Anstellwinkel weiter (zieht man also die Flugzeugnase weiter in den Himmel) reißt die Strömung ab. Da dies meist nicht symmetrisch auf beiden Seiten gleich geschieht, kippt das Flugzeug über eine Fläche (rechts oder links) ab.

Hat das Flugzeug vertikal genügend Luft = Raum zwischen sich und dem Boden, lässt sich der Strömungabriß durch geeignete Flugmanöver wieder rückgängig machen. Das allerdings braucht Zeit, also Höhe, und die ist in Bodennähe nicht gegeben.**

 

**Es gibt beim Fliegen viele Arten der Geschwindigkeit: die gegenüber dem Boden (für die Reise interessant), die Airspeed gegenüber der umgebenden Luft (für den Flugzustand relevant) und weitere.
Was für uns hier interessant ist, ist die Geschwindigkeit gegenüber Luft.

Damit das Flugzeug in der Luft bleibt, muss der Auftrieb größer als die nach unten ziehenden Kräfte sein. Der Auftrieb hängt von der Geschwindigkeit und dem Anstellwinkel/Anströmungswinkel der Tragflächen ab.

Fliegt man sehr schnell, braucht man nur einen kleinen Anstellwinkel. Wenn man langsamer fliegt, braucht es einen größeren Anstellwinkel, um den gleichen Auftrieb zu erzeugen.

Das geht solange, bis man so langsam ist, dass man den maximalen Anstellwinkel erreicht hat. Wird man nun noch langsamer, dann verursacht die weitere Erhöhung des Anstellwinkels, dass die Strömung der Wölbung der Fläche nicht mehr folgen kann, und „abreißt“. Sie verwirbelt nun hinter der Flächenvorderkante und der Auftrieb bricht zusammen.

Bei Start und Landung ist die Fluglage des Flugzeugs in der Nähe dieses maximalen Winkels, dieser minimalen Geschwindigkeit. Ändert sich nun plötzlich die Windgeschwindigkeit, dann kann das problematisch werden.

Windscherungen treten auf:

  • wenn sich Luftschichten in verschiedenen Höhen verschieden schnell bewegen. Steigt oder sinkt man durch die Höhenbänder, dann ändert sich sowohl die Richtung, als auch die Geschwindigkeit der Luft abrupt
  • wenn Fallwinde auf den Boden treffen, da sie dann horizontal abgelenkt werden. Fliegt man da durch, erhöht sich zunächst die Geschwindigkeit, da einem die Luft nun „entgegen“ kommt. Nach Durchfliegen des Kerns kommt sie aber nun plötzlich von hinten und man verliert an Geschwindigkeit.
  • bei einer sich ablösenden Thermikblase (heiße Luft) ist es genau andersrum.
  • wenn Wind durch geographische Besonderheiten (Berghang, Baumreihe, hohe, breite Gebäude) abgelenkt wird.
  • Wind dreht in Bodennähe auf den letzten 1000 Metern über Grund in der Regel immer. Das liegt an folgendem: Luft strömt vom Hoch zum Tief. So entsteht Wind. In großen Höhen wird er dabei von der Coriolis Kraft abgelenkt. Am Boden hingegen wird diese Ablenkung und die Geschwindigkeit durch die Reibung der Luft am Boden abgebremst. Auf der Nordhalbkugel bedeutet das, dass der Wind im Sinkflug von 1000 Meter über Grund zum Boden hin um 30 Grad nach links dreht und an Stärke abnimmt. Auf der Südhalbkugel dreht er entsprechen nach rechts. Habe ich nun noch Turbulenz (z.B. durch geographische Besonderheiten, Thermik, Gewitter, Starkwind) dann kann es vorkommen, das der Wind der in 1000 Meter herrscht, auf den Boden „durchschlägt“, also die Richtung um 30 Grad dreht und damit die Geschwindigkeit zulegt. So kann ganz plötzlich aus einer Gegenwind- eine Rückenwindkomponente werden.

Fallschirmspringen zum Ansehen

Skydive-TV, ein Fernsehsender im Internet, überträgt große Events des Sports. Wer da hineinsehen möchte:

Am Dienstag, 23. August beginnt der Swoop Wettbewerb der FAI (6th FAI World Canopy Piloting Championships) in Kanada. Einfach landen war gestern… Das ist Kunst. Die tödlich enden kann, wenn man sie nicht beherrscht.

Zum Vormerken: Im Herbst, 22. bis 31 Oktober zeigt der Online-Sender die US Nationals in Eloy (Arizona), also Freifall auf Weltklasseniveau.

Hier ein Link in Englisch, der die einfachsten Fragen zum Fallschirmspringen beantwortet. Die Fragen reichen von: Was ziehe ich an bis zu: Wie kriege ich im Freifall Luft.

Wer es gerne etwas vertiefter haben möchte (für Springer), der sollte im Skydiver’s Information Manual (SIM) nachlesen. Ausgedruckt ist das eine ziemlich dicke und schwere Schwarte, online gibt es das SIM als PDF und in anderen Versionen zum Download kostenfrei.

 

For our international friends

Skydive-TV,  an online and mobile skydiving TV channel, will be returning to cover the 2016 Nationals in Eloy. Skydive-TV has covered many of USPA’s Nationals events over the past several years and is planning to broadcast all the action from Skydive Arizona each day throughout Nationals. Those interested in learning more about Skydive-TV and advertising opportunities can visit skydive-tv.com.

Oshkosh 2016

Weil ich in diesem Jahr nur verkürzt (3 Tage!) am Air Venture teilnehmen konnte, gibt es statt der täglichen Berichterstattung zunächst eine Übersicht. Die dafür als Fotostory für alle, die in diesem Jahr gar nicht dabei sein konnten.

Eine subjektive Auswahl der Highlights:

e-planeDas E-Plane von Airbus – dem möchte ich noch einen eigenen Beitrag widmen. Rechts im Hintergrund der Entwickler Didier Esteyne; er ist auch einer der beiden Testpiloten des schnuckeligen Airbus-Kleinfliegers. „E“ steht für Elektroantrieb…

uberflug1Ein wenig Flugshow zwischendurch… Formationsflug in Perfektion.

martinmars
Martin Mars auf der Seaplane Base in Oshkosh 2016

Die Martin Mars, das größte Wasserflugzeug war ursprünglich ein Transportflugzeug zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach wurde sie als „Wasserbomber“ zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt.

Mit 7000 Gallonen Wasser im Bauch (rund 26500 Liter) war das mehrfach demonstrierte Löschen während des Fluges über dem Wittman Airfield in Oshkosh eine eigene Show.

Zum Air Venture geflogen wurde sie von Kermit Weeks, der vermutlich jedes Wasserflugzeug, das je abgehoben hat, bereits pilotierte.

Und hier ein Flugvideo (für mobile Geräte), das den Start der Martin Mars zeigt, aufgenommen von einem anderen prominenten Wasserflieger: Steve Pugh, der noch an seiner Vision des perfekten Wasserfliegers arbeitet. Siehe Bericht Freitag Oshkosh 2015.
Hier das Flugvideo, im Querformat für den Computer (Vorsicht große Datei).

Noch zwei Youtubelinks zur Martin Mars:
Landing (leider mit Music statt mit Originalton)
Walking through the Mighty MARTIN MARS Air Tanker

marstankenDer Schlauch auf der Trommel rechts und etliche schwimmende „Noodles“ (nicht im Bild) sind zum Tanken des Riesen-Wasserfliegers Voraussetzung.

Am letzten Tag landete die Martin Mars zu nahe am Ufer von Lake Winnebago (der Seaplane Base von Oshkosh) und rammte sich dabei einige Steine in den Flugzeugrumpf. Sie wurde vorort „notverarztet“.

g5Nicht nur die Handys sondern auch die Anzeigen der kleinen Flugzeuge werden immer „elektronischer“. Ich versuche dabei das Wort „intelligenter“ zu vermeiden.

Beim Fallschirmspringen gehöre ich zu den Neandertalern, die noch immer mit einem barometrischen analogen Höhenmesser springen. Der zeigt auch bei minus 20 Grad oder noch kälter korrekt an, und bei Hitze sowieso. Zudem kann der Mensch eine Zeigerstellung schneller und sicherer erfassen als Zahlen.

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Fürs Fliegen allerdings gefällt mir das G5 recht gut. Es ist wesentlich kostengünstiger als ein herkömmlicher künstlicher Horizont und kann zudem mehr anzeigen.

Wieder zurück in Deutschland, ergab die Nachfrage bei einer Werkstatt, dass es hierzulande noch nicht angekommen ist. Auch in den USA ist es zurzeit nur für Nachrüstung in bestehende Flugzeuge per sogenannter STC (Supplemental Type Certificate) zugelassen. Diese Art der Zulassung wäre auch in Europa möglich.

lynxUm dem journalistischen Anspruch genüge zu tun: Es gibt auch vergleichbare Instrumente anderer Hersteller, beispielsweise das ESI-500 von Lynx. Aber sowohl mir als auch anderen Piloten, mit denen ich mich am Air Venture ausgetauscht habe, gefällt das G5 besser.

In jedem Fall müssen hierzulande alle diese neuen wunderschönen Gadgets erst von der europäischen Behörde EASA zugelassen werden.

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Das Flugzeug, das lacht: die neue XCub von CubCrafters. Dass ich Cubs gerne fliege  – vor allem als Wasserflugzeug –, ist bekannt. Nur sind die meisten, wie fast alle Kleinflugzeuge, schon in die Jahrzehnte gekommen. Und da kommt ein moderner Nachbau so richtig gut.

cubinterieurVon außen ist sie auf den ersten Blick die Alte geblieben. Von innen mutet das edle schwarze Lederinterieur so manchem angestammen Cubflieger ungewohnt an: Das ist doch keine Cub, meint ein amerikanischer Pilot zögerlich. Immerhin hat er zwei von den Originalen bei sich zuhause stehen.

🙂 Da wäre ich nicht so wählerisch, ich finde den Nachbau sehr schonend und gelungen.

uberflugZwischendurch wieder ein wenig Flugshow und etwas fürs Männerauge: (reale) Ladies, die Werbegeschenke verteilen oder wie jedes Jahr (imaginäre), die sich auf der Flugzeugnase räkeln.

maedels
maedels1

rodmach1Zurück zum Ernst des Fliegens. Nun ja, nicht so ganz, denn selbst der erhobene Zeigefinger ist (beim sicher weltweit einzigen Cessna150-Fluglehrer mit 10000 Stunden) in Humor gepackt.

Der Anteil der Humorverpackung schwankt bei den einzelnen Vorträgen von Rod Machado – je nach Zielgruppe der Zuhörer. Der Kern der Botschaft an die Piloten aber bleibt.

Seinem Bushido-Appell (nein, nicht der Sänger, sondern die originale japanische Bedeutung der Verhaltensregeln für Krieger) habe ich schon mehrmals gelauscht:

Irgendwann kommt der Moment bei jedem Piloten, an dem das eigene und das Leben der Passagiere davon abhängt, ob man seine Grenzen kennt und sich daran hält.

Mit Bushido meint Machado, dass man sich in Ruhe am Boden überlegt, wo die eigenen Limits liegen. Mit wieviel Rest-Sprit fliege ich noch weiter zum Ziel (unabhängig von gesetzlichen Vorgaben)? Wo liegen meine (und die des Fluggerätes) Wetterminima? Wann kehre ich um, obwohl ich eigentlich weiterfliegen sollte/möchte? Welchen Crosswind oder welche Windshears kann ich mit meinem Flugzeug handeln? Und so weiter…

Auch wenn es immer wieder der gleiche Appell ist – das tägliche Fliegerleben zeigt, dass sich doch etliche im Ernstfall nicht an die eigenen Vorgaben halten. Oder sie – noch schlimmer – gar nicht gesetzt haben.

Das Analoge gilt für Fallschirmspringer (und Autofahrer und viele andere…). Bei welchen Windbedingungen (Abwinde, Windrichtungsänderungen in Relation zur Windstärke, Wolken…) springe ich noch? Manchmal ist es mehr cool, am Boden zu bleiben, als von der Rettung abgeholt zu werden…

Zurück zu Oshkosh 2016 und zu einigen Bewegungsmöglichkeiten ebendort.

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„Mein“ Model-T (leider darf man nicht selber fahren) mit Eigentümer und Chauffeur Jack.
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Alles original und spartanisch. Halt: nicht ganz, der USB-Stecker zum Laden des Smartphones…
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Ein Segway verhilft – wie auch auf anderen Luftfahrtmessen wie in Le Bourget, Frankreich, – zur schnelleren Fortbewegung…

Jetzt müssen wieder ein paar Mädels her. Nicht nur ein paar, sondern besser gleich eine Menge: Insgesamt 5000 grüne T-Shirts für Pilotinnen wurden dieses Jahr bei Vorzeigen der Pilotenlizenz verteilt…

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Tammera Holmes heißt die schmucke Lady im weißen Kleid. Sie weiß als Geschäftsführerin einer Luftfahrtfirma in Illinois bestens, wie man sich präsentiert. So kommt das grüne T-Shirt fürs Foto eben oben drüber.

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Bis zum offiziellen Foto dauerte es in diesem Jahr noch länger als gewohnt. Das lag daran, dass einige Mädels noch ein Flugzeug rangieren mussten. Genauer gesagt, eine Boeing 737-900ER, die fürs Women Venture von Alaska Airlines mit einer 100% weiblichen Crew geflogen wurde.

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Das sieht nicht nur auf diesem Foto eng aus. Mehrfach vor und zurück, da war die Frauen-Crew im Flugzeug und die einweisenden Männer am Boden am Arbeiten.
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Warten im Schatten. Das war einer der wenigen Zeitpunkte, als die übliche brütende Midwest-Summer-Heat auf die Teilnehmer knallte. Später in der Woche überwog dann Regen und erstaunlicherweise Kälte…

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Jetzt aber. Die (einzigen) vier auf Stühlen sitzenden Pilotinnen mit den weißen Hemden sind WASPs. WASPs sind Pilotinnen, die zwar nicht im Kampfeinsatz des 2. Weltkrieges fliegen durften/mussten, aber trotzdem damals alles Fluggerät fliegen konnten.
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Das offizielle Women Venture Foto 2016.

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Und nun ein wenig Raumfahrt, zur NASA:
Modell der Orion Kapsel

 

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Wie kommuniziert man von der Erde am besten bei Langzeitmissionen mit Astronauten und was kann man tun, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Das soll das SCaN Testbed der NASA herausfinden.
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Auch die Raumanzüge haben sich weiterentwickelt: Der da sieht ganz schön schwer aus.

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Fast zum Abschluss noch ein auch leider hierzulande fliegerisch aktuelles Thema: Drohnenflug. Erst vor wenigen Tagen irritierte eine Drohne im kurzen Endanflug einen Airbus der Lufthansa am Münchner Flughafen. Drohnen sind leider nicht mehr wegzuschweigen, wir müssen mit ihnen leben und den Drohnen“Piloten“ am besten zeigen, wie man diese richtig und sicher fliegt.

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Dazu gab es auch in diesem Jahr im Aviation Gateway Park wieder den Drohnenkäfig, in dem nachmittags jeder seine eigene Drohne oder von unterschiedlichen Herstellern am Platz geborgte Drohnen sicher fliegen konnte.

Das hierzulande gerne Ignorieren der Drohnen in unserer Welt spiegelt leider nicht die Realität wider. Rechtliche und sachliche Aktionen müssen gesetzt werden. Jetzt. Bevor es zu spät ist.

iconAch ja, und noch ein Foto von der abfahrbereiten Icon. Die hochtrabenden Töne des Herstellers werden leiser. Auch dieses Jahr soll noch keine der anvisierten 20 produzierten Icons an einen Kunden gehen: „nur für internen Gebrauch“…

Man munkelt in der Branche, dass Icon mit einem chinesischen Investor im Gespräch ist. Das wäre dann vermutlich die letzte Abfahrt für die anvisierte Hollywood-Kientel der Käufer.

Wie erwähnt, ist die obige Auswahl der Highlights 2016 stark subjektiv. Oshkosh ist in jedem Sommer ein derartig großes Event, das sicher jedem Besucher oder Teilnehmer eigene Highlights der Veranstaltung bietet.

Alle Fotos (c) H. Kleisny