Falschmeldung beim Spiegel

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Wenn man als DAS Nachrichtenmagazin Deutschlands angesehen werden möchte – dann sollte man keine Falschmeldungen verbreiten. Und erst recht nicht, wenn man damit Vorurteile gegen seriösen Journalismus bestätigt.

Worum geht es

Im Print-Spiegel Nr. 50 vom 7.12.2024 steht die Überschrift:

Großteil der Wärmepumpenbesitzer würde CDU wählen

Mir geht es nicht um Parteien, um schwarz, grün, rot, lila oder gelb gepunktet, das ist hier Nebensache. Mir geht es darum, Zahlen, Fakten, so korrekt als möglich darzustellen. Und sie jedenfalls in keinem Fall zu verfälschen.

Liest man den Text zur Überschrift, so steht darin: Demnach würden 35 Prozent der Wärmepumpenbesitzer CDU oder CSU wählen.

Ich zumindest habe nach diesem Satz das Lesen des Beitrages beendet.

Denn das ist schon die erste unzulässige Verfälschung. In den Originalzahlen geht es um zwei Parteien (CDU und CSU), in der Überschrift ist aber nur mehr eine davon erwähnt. 

Gravierender aber ist, das 35 Prozent von etwas (Kuchen, Menschenanzahl oder was auch immer) rund ein Drittel sind und deutlich weniger als 50 Prozent. Erst bei deutlich mehr als 50 Prozent kann man von einer Mehrheit sprechen. 

35 Prozent sind eine Minderheit.

65 Prozent sind die Mehrheit und die sind anderer Meinung. Das ist so und lässt sich auch von einem Spiegel-Redakteur nicht ändern.

Es wird dem Leser (viele lesen nur die Überschrift) also ein falscher Fakt suggeriert. 

Genauer beschrieben und erklärt hat dies Dr. Jens Foell in seinem neuen Buch: Fakten sind auch nur Meinungen, das wir im Dezember vorgestellt haben. Es gehe (unter anderem) bei der Korrektheit der Fakten auch darum, wie sie dargestellt und weiterverbreitet werden und wieweit da eine Meinung mit einspielt.

Es geht nicht um höhere Mathematik. Das ist Grundschulwissen. Welche Ausbildung haben Spiegel Redakteure, die generell der allgemeinen Bevölkerung ihre Weisheit verklickern wollen? Oder, sollte man tatsächlich Absichten einer bewussten Meinungs-Manipulation unterstellen? 

So diskreditiert ihr den gesamten Journalismus.

Ihr diskreditiert mit solchen Beiträgen den seriösen Journalismus und damit seriöse Journalisten wie mich. Das lasse ich nicht zu. Auch nicht vom Spiegel. Punkt.

Übrigens: Ein Zitat der sehr direkten und kritischen, im Spiegel mehrfach hochgelobten Journalistin, Kara Swisher, aus ihrem Buch: Burn Book.

Sag den Mächtigen die Wahrheit , wenn sie Falschliegen oder Sachschaden anrichten – oder einfach nur schräg drauf sind.

Aber das ist anscheinend nur lobenswert, wenn es nicht um das eigene Magazin geht…

Traurig. 🙁

Bis 9.1. gab es nicht einmal eine Antwort, geschweige denn eine Richtigstellung.


©Beitragsbild ist ein Auszug aus dem Print-Spiegel Nr. 50 vom 7.12.2024


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4 responses to “Falschmeldung beim Spiegel”

  1. Nikolaus Neininger

    Nur als Ergänzung dazu, nach dem Motto: früher war es wenigstens subtiler.
    Wir haben dunnemals in der Oberstufe im Deutschunterricht (uh, so um die 40 Jahre her) verschiedene aktuelle Texte auf Stilmittel untersucht. Der „Spiegel“ war auch dabei – und zeichnete sich durch ein besonders hohes Maß an manipulierenden Formulierungen aus…
    Später habe ich zwei Berichte gelesen, bei denen ich die Hauptpersonen zufällig gut kannte. Die Beschreibung der Sachverhalte war so, daß man den Eindruck bekam, die Redakteure wären dabeigewesen und hätten deren Verhalten genau beschrieben. Nur – es war erfunden, gelogen, die beiden hätten sich nie so verhalten.
    Und das war Jahrzehnte vor Relotius.

    1. Ja, über die Annahmen und Weissagungen beim Spiegel: Merkel denkt, Merkel fürchtet, Merkel will – ohne durch ein Zitat unterlegt hatte ich auch schon mehrfach berichtet. (Ersetze Merkel heute durch Merz oder wen auch immer)
      Stößt mir stets übel auf.

      Nur so nebenbei:
      Ich hatte – mache ich stets, wenn ich über Personen oder deren „Errungenschaften“ schreibe – natürlich auch die Redaktion des Spiegel explizit ankopiert. Entweder arbeitet dort keiner seit 3 Tagen oder es interessiert niemanden, dazu Stellung zu nehmen… man steht halt über den Dingen. Nur schlecht, wenn es die Fakten sind.

  2. Benjamin Metzig

    Hab mich mal hier umgesehen und kann hier echt noch was für meinen eigenen Blog abgucken und lernen.

    Liebe Grüße,

    Benjamin Metzig

    1. Freut mich. wenn man die Wissenschaftslandschaft noch 🙂 besser machen kann, nur zu!
      (Bei den Flugunfällen wird die Seite bereits rege als Quelle genutzt, aber nicht angegeben.)

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.