Da fallen die automatisch gesteuerten Antriebe (Thruster) beim Andocken aus. Die Crew bekommt alle bis auf einen wieder funktionsfähig und kann mit Verzögerung manuell an die ISS andocken. Geschafft. Vorerst.
Die erste Mission des Boeing Starliners mit zwei Besatzungsmitgliedern startete am 5. Juni von Cape Canaveral in Florida und beendete damit die jahrelangen Startverzögerungen. Ursprünglich waren rund acht Tage an Bord der ISS geplant. Nun ist nach mehr als einem Monat der Rückflug zurück zur Erde noch immer unsicher. Unsicher, wann und womit.
Heute Morgen gaben die NASA-Astronauten und Boeing Starliner-Testpiloten Butch Wilmore und Suni Williams eine Live-Video-Pressekonferenz von der Internationalen Raumstation (ISS) aus. Sie bestätigten die Herausforderungen, mit denen der Starliner aufgrund der deaktivierten RCS-Düsen (Reaction Control System)* und des nachlassenden Schubs der Triebwerke konfrontiert war.
Obwohl es keinen klaren Zeitplan für ihre Rückkehr gibt, äußerten die beiden Astronauten ihr Vertrauen in den Testprozess und die technischen Fähigkeiten ihres Bodenteams.
Aber: Sollten Testflüge nicht dazu dienen, die Leistung, Zuverlässigkeit und Sicherheit zu überprüfen, so wie sie vorher durch Berechnungen und Durchspielen von Szenarien bekannt sein sollten?

Beim künftigen Flug zum Mars werden genügend Ereignisse auftreten, die sich vorher so nicht testen ließen. Aber ein simpler Raketenstart? Etwas, das hunderte Male bereits im vergangenen Jahrhundert erfolgreich mit vergleichbaren Antrieben funktioniert hat?
Es wird eng
Nun drängt die Zeit. Denn im August sollen mit der SpaceX Crew-9-Mission weitere Astronauten auf der ISS eintreffen. „It get’s crowded in here“, sagt man als Frau in den USA, wenn die Schlange vor den Toiletten bis vor die Eingangstüre reicht.
Da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Denn seit Mai (dem ursprünglich ersten ernsthaften Start des Starliners) ist auf der ISS die Pumpe in dem System ausgefallen, das den Urin der Astronauten wieder in trinkfähiges Wasser umwandelt. Seither wird die menschliche Flüssigkeit in Beutel und Tanks auf der ISS gesammelt… Platz und Beutel werden nach Monaten langsam knapp…
Wilmore und Williams mussten für ihren Flug ihre Koffer mit allen privaten Utensilien (Shampoo, Kleidung) zurücklassen. Stattdessen kam das rund 64 Kilogramm schwere Pumpenteil an Bord. Nun stehen die beiden seit ihrer Ankunft auf der Raumstation ohne Ersatzkleidung da, besser schweben in der Erdumlaufbahn. Sie müssen auf die allgemeine Notfallkleidung an Bord zurückgreifen. Davon gibt es laut NASA angeblich genug.
Wer sich also über Suni Williams’ wilde Haarpracht auf den ISS-Fotos amüsiert, möge bitte die Pumpe bedenken.
NASA und Boeing verzögern die Rückkehr der beiden Astronauten
Der Grund dafür sei, dass so weiter an der Fehlerursache gearbeitet werden kann, die zu den Triebwerksproblemen und dem Heliumleck geführt hat.
Beide Probleme traten an einem Teil des Starliners auf, der den Wiedereintritt zur Erde nicht überleben soll, so dass die Bodenteams keine Möglichkeit mehr haben, nach der Rückkehr von Williams und Wilmore zur Erde weitere Daten von diesem Bauteil zu sammeln.
Warum hat der Starliner, im Grunde eine größere Apollo-Kapsel, so viele Probleme mit Systemen, die wir vor einem halben Jahrhundert entwickelt haben?
Die Idee, das Schiff leer nach Hause zu schicken und einen SpaceX-Uber für die Astronauten zu nehmen, scheint ein kluger Ansatz zu sein.
Hoffentlich kommen sich die Egos von Boeing und der NASA nicht in die Quere, wie bei Columbia und Challenger.
Kommentar eines amerikanischen Piloten
Dem können wir uns nur anschließen.
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©beide Fotos: NASA (video)
*Steuerdüsen (Wiki)
Das Reaction Control System ( RCS), also die Steuerdüsen, dienen der Steuerung eines Raumfahrzeugs außerhalb der dichten Atmosphäre mit Lagerregelungstriebwerken, da hier aerodynamische Steuerflächen, wie sie bei Flugzeugen zur Lagesteuerung verwendet werden, wirkungslos sind.


