Run–A–Way: Die Frankfurter Nordwestbahn

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Die Start- und Landebahnen am Frankfurter Flughafen. (c) Kleisny

Letzte Woche erhielt die Nordwest-Landebahn in Frankfurt einen neuen Belag. Muss auch mal sein. Kennen wir alle vom Strassenverkehr. Die Verspätungen und Flugausfälle wegen Überlast auf den verbleibenden zwei Ost-West-Bahnen – überwiegend war auch die Startbahn 18 wegen zu starkem Rückenwind* gesperrt – mit inbegriffen.

Die große Freude aller Beteiligten, als vorgestern Abend die Nordwestbahn wieder als benutzbar erklärt wurde, war groß. Zunächst. Das Ergebnis der ersten Flugzeug-Outside-Checks der Piloten vor dem nächsten Flug an den Reifen war durchwegs desaströs. Die Reifen waren schlichtweg für den Flugbetrieb nicht mehr einsatzfähig – zerstört.

FuZ: *10 bis 15 Knoten Rückenwind sind maximal zugelassen, je nach Flugzeugtyp und Airline. Die derzeitige Windsituation im Frankfurter Raum liegt leider vielfach darüber. Generell ist eine Bahn von beiden Seiten je nach Windrichtung – man landet möglichst gegen den Wind – nutzbar, jeweils als Start und Landebahn. In der besonderen Situation in Frankfurt sind aus rechtlichen Lärmgründen die Bahn 18 nur als Startbahn nutzbar – die Gegenrichtung gar nicht und die Nordwestbahn nur zur Landung. Beides schränkt den möglichen Verkehr schon im Normalfall drastisch ein.

Schnell kam ein Notam heraus, dass beschied, dass zunächst am gestrigen Vormittag die Nordbahn wieder gesperrt war. Die notwendige Überhaps-Reaktion führte dazu, dass Crews bereits startbereit im Flugzeug saßen, als es hieß: Der Flug muss leider ausfallen…

Kommt richtig gut bei der sowieso schon angespannten Situation in diesem Sommer.

Was war der Grund?

Nach dem und den Schuldigen wird nun heftig gesucht. Die Idee, den neuen Belag rutschfest zu machen, ging wohl ziemlich daneben. Schlitzfest wäre nun der beste nächste Versuch. Die Nordbahn war bis auf weiteres (until further notice) gesperrt.

Update

Freitag abend wurde die Nordwestbahn wieder zum Landen freigegeben, nachdem sie mit schweren Walzen planiert worden war. Der Belag soll dadurch geglättet sein, es gibt bis auf weiteres keine Beanstandung von Reifen.

Der nächste Regen (der derzeit nicht ansteht) wird zeigen, wie sich die Rettungsaktion auf das ursprüngliche Ziel eines rutschfesteren Belages, auswirkt…

Update 2 am 3.6.

Wie zu erwarten oder befürchtet, war der Planierungsschnellschuss nicht vollkommen erfolgreich. Es gibt weiterhin Reifenschäden an den Airlinern. Es wird in den kommenden Nächten weiter an „der Bahn gearbeitet um die Touch Down Zones weiter zu glätten“.


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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.