Selbst und fahrend

Das Auto als Wohn- und Arbeitsbereich: der nahtlose Übergang vom Heim in die Fortbewegung…(c) flugundzeit

Eine auf der IAA Konferenz vorgeschlagene Lösung für die (sorry) Deppen, die beim Autofahren ihre Hände nicht vom Handy lassen können, wäre, die Welt, in der wir leben, „ins Auto zu integrieren“. So soll das künftige E-Auto, selbst oder zumindest nur überwacht fahren und ein duftendes, haptisches und akustisches Erlebnis für die  Insassen bieten. Der Transport wird zur Nebensache. Weiterlesen

Preview: Frankfurter Buchmesse mit Virtual Reality

David Hockney ist sicher nicht jedermanns Fall als Künstler. Seine Präsentation bei der Eröffnungskonferenz zu seinem neuen, überdimensionierten Buch: A bigger Book war überraschend. Der Silver Drawer Hockney malt auf dem iPad und zeigte in genauen Einzelschritten, wie seine Bilder entstehen. Übermalt werden. Zu etwas neuem werden.

Das physische Werk (Auflage 250 Stück, Kosten: 4000 Euro) kann finanziell nur ein Flop werden. Wer hat Platz für so ein großes Buch außer einem Museum? Aber als Marketing Gag und taugt es allemal. Vielleicht ist es da gut investiertes Geld. Würde Hockney seine Präsentation als iPad App verkaufen, wäre das sicher auch finanziell der Renner.

Verschmitzt erklärt Hockney die Vorteile seiner Art zu Malen: „Man kann eine Farbe auch später immer exakt genau wiederherstellen, man kann übermalen, das Glas nimmt keine Striche als permanent an wie Papier und man hat immer genug Glas im Haus im Gegensatz zu Papier. Wer hätte gedacht, dass das Telefon Menschen wieder zum Zeichnen bringt.“

In den letzten Jahren hatten es bereits die Spiele- und Filmhersteller sowie das Selber-Publizieren als wesentliche Bestandteile auf die Buchmesse geschafft. Die einige Jahre sehr erfolgreiche, internationale Filmindustrie-Veranstaltung Storydrive ist leider nach Singapur abgewandert.

Der Nachfolger auf der Buchmesse heißt The Arts+

The Arts+ ist als Event für Kultur und Kreatives Business definiert. Also im weiteren Sinne thematisch auch Buch und mehr. Mit vielen Vorträgen, Diskussionen und der Preisverleihung des Global Illustration Awards am Donnerstag. Die Bilder sind von der Probe zur Tanzaufführung der Preisverleihung.

NIX hat mir bisher nichts gesagt. Welche Schande. Da steht der berühmte belgische Illustrator und Comiczeichner (richtiger Name: Marnix Verduyn) aber drüber. Charmant erklärt er mir, dass Monster eben zu einer Veranstaltung wie der Buchmesse passen und dass er deshalb für das täglich auf der Buchmesse verfertigte Comicmagazin jetzt einen Tintenfisch zeichnet.

Und dann verweist er mich noch auf die Freifläche Agora. Da steht ein knallrosa Container, in dem man nach Betreten einer Gehirnwäsche unterzogen wird und sich in eine seiner beiden Erfolgscharaktere Kinky oder Cosy (zwei Schwestern, die mit ihrer eigenen schrägen Logik und Naivität alles ins Chaos stürzen) verwandelt.

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Der Schreibtisch von oben, an dem ausgewählte Zeichner Material für die tägliche Zeitung liefern sollen.

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Und es geht für Zukunftstechnik-Liebhaber noch besser: Virtual Reality ist die neue Art, Geschichten zu erzählen.

VR ist dabei eher Erweiterung als Gegensatz zum gedruckten Buch zu sehen: Mit einer VR-Brille und Kopfhörern lassen sich beim diesjährigen Ehrengast Flandern & die Niederlande gleich drei virtuelle literarische Welten betreten: C.a.p.e. Drop-Dog (Halle 5.0 C89), kreiert vom Künstlerkollektiv CREW & Tonnus Oosterhoff ist die erste. Sie versetzt die Besucher mitten in zwei Kurzgeschichten des niederländischen Schriftstellers Tonnus Oosterhoff.

In der VR-Installation De Opera (Pavillon / Halle 4.1 Q66 / Halle 5.0 C89) von Daniël Ernst nimmt der Zuschauer an einer wundersamen Vorstellung aus dem Universum teil:  VR-Brille aufsetzen und schon erhält man einen Platz in einem Theatersaal und erlebt die „unmögliche“ Oper, deren Texte aus der Hand der flämischen Dichterin Maud Vanhauwaert stammen.

Out of Sight von Sara Kolster ist auf der Agora zu sehen. Die gezeichnete Virtual Reality-Welt entstand in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Jaap Robben und versetzt die Zuschauer in die Köpfe von der neunjährigen Lena und ihren Vater.

Am Stand von Taiwan (Halle 4.0 D 50) verwandelt sich ein Bilderbuch in einen dreidimensionalen Raum. Mit dem Head-Mounted Display HTC Vive tauchen Betrachter in das neueste Werk von Jimmy Liao mit dem Titel All of My World is You ein und können mit den Figuren interagieren.

Am Messe-Freitag und -Samstag zeigt eine interaktive Produktpräsentation der KODAK Pixpro 360/4K Action Cam auf dem THE ARTS+ Runway (Halle 4.1 P53), wie 360° VR-Videos entstehen.

Beim Expert Talk sprechen VR-Experten wie Sven Häberlein (VR Producer/Film Director, CEO, Trotzkind GmbH), Michael Hooper (General Manager, Text International GmbH) und Arne Ludwig (Managing Director Headtrip und Vorsitzender EDFVR) über Potenziale und Möglichkeiten von Virtual Reality in Bezug auf die Kreativwirtschaft.

Am gesamten Messe-Wochenende können Besucher im THE ARTS+ Salon (Halle 4.1 Q109) in Kooperation mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality (EDFVR) Filme, VR-Games und –Kunstinstallationen erleben.

Zeit und Ort der VR-Veranstaltungen

19.-23. Oktober, ganztägig: C.a.p.e. Drop-Dog (Halle 5.0 C89), De Opera (Pavillon / Halle 4.1 Q66 / Halle 5.0 C89), Out of Sight (Agora), All of My World is You (Halle 4.0 D 50)
22.-23. Oktober, ganztägig: Virtual Reality im THE ARTS+ Salon Halle 4.1 Q109
21. Oktober, 12.30–13.15 Uhr: „Expert Talk“ im THE ARTS+ Salon Halle 4.1 Q109
21. Oktober, 14.30-15.00 Uhr und 22. Oktober, 11.15–11.45 Uhr: Kodak Action Cam, Halle 4.1 P53

 

Alle Bilder (c) Kleisny

Lärm um Frankfurt

Lärm ist generell etwas Schreckliches. Stört. Was Lärm ist – im Gegensatz zu notwendigem Geräusch – wird von jedem anders empfunden. Es gibt wenig Objektives dazu, selbst eine objektive Dezibelzahl wird von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bewertet.

Was allerdings dem Gesetz entspricht, oder zu entsprechen hat, ist vorgeschrieben. Und daran mit Meinungen und Stammtischgeschwätz herumzudoktern, hat mit realem Recht wenig zu tun.

Der folgende Text nach Informationen der Vereinigung Cockpit (VC) soll hier Licht ins (Wissens)Dunkel bringen:

Lufthansa ändert ab dem 01.06. das Startverfahren seiner Flugzeuge so ab, dass sowohl die Thrust-Reduction als auch die Beschleunigung wieder in 1000 Fuß über Grund stattfinden. In Printmedien, wie auch im Internet, war zu lesen, dass die Grünen aus Nauheim planen, jeden Flugzeugführer anzuzeigen, der ab Juni diesen neuen Vorschriften beim Abflug aus Frankfurt folgt. Nach Ansicht der Partei seien diese nicht zulässig, da sie gegen geltendes Recht verstoßen.

„Noise Abatement Departure Procedures“ sind grundsätzlich in vier verschiedenen Regelwerken festgelegt: ICAO Doc 8161, EU-OPS 1.235, AIP-Deutschland und in den Operation Manuals der Airlines.

ICAO Doc 8168 regelt unter Anderem, dass die frühste Thrust Reduction Altitude 800ft AGL betragen darf. Diese Regel gilt auch in Deutschland und wird durch das neue Verfahren der Lufthansa nicht verletzt. Die beiden dort erwähnten Verfahren NADP1 und NADP2 dienen nur als Beispiele und sind in keiner Weise verbindlich.

Durch EU-OPS 1.235 wird der Operator dazu verpflichtet, Abflugverfahren festzulegen, die sich an die Regeln des ICAO Doc 8168 halten. Mit der Bestimmung der neuen Thrust-Reduction- und Acceleration-Höhen tut Lufthansa genau dies und verletzt somit nach Sicht der VC auch hier keine Bestimmungen.

Die AIP-Deutschland empfiehlt lediglich lärmmindernde Abflugverfahren („Alle Flugzeugführer werden gebeten, diese Verfahren … anzuwenden“). Dies auch nur für Flugzeuge, die nach ICAO Annex 16, Chapter 2 und 3 zugelassen sind. Die meisten Lufthansa-Flugzeuge sind jedoch nach Chapter 4 zugelassen. Für diese Flugzeuge gibt es in der AIP-Deutschland noch nicht einmal eine Empfehlung. Folglich gelten die Verfahren im Operations Manual des Luftfahrtunternehmens.

In diesem Sinne: wer bei einer Sachfrage mitdiskutieren möchte und vor allem dabei anderen Gesetzwidrigkeit unterstellt, der möge sich zuerst über die Fakten informieren – auch wenn es schwer fällt.