Sicherheit und Flughäfen aus Passagiersicht

Dass es in letzter Zeit wieder etwas ruhiger hier war, ist meinen vielen Außenterminen zurzeit geschuldet. Die wiederum bringen Flugreisen und damit verbundene Sicherheitschecks an Flughäfen mit sich. Leider kann sich zwar anscheinend auch ein deutscher Soldat in diesem Land ohne Kontrolle als Flüchtling registrieren lassen und dafür auch noch Geld kassieren, aber ganz normale Reisende, die nichts Böses im Sinn haben, sondern nur ihrer Arbeit nachgehen möchten, werden per se als potentielle Straftäter angesehen und wie Verbrecher behandelt.

Letzter Dienstag: 1 Tag London, Gesamtarbeitstag 22 Stunden, der Wecker ging um 3 Uhr morgens. Die erste Schikane kam am Frankfurter Flughafen, als man behauptete, ich hätte Flüssigkeiten in meinem Handgepäck. War mir schon unerklärlich, ich hatte keine eingepackt. Heraus kam, dass ein 10 ml Fläschchen (0,3 oz) mit weniger als 1 ml (!) Inhalt, das waren wenige Rest“tropfen“ an sehr festem Gel eines Flüssigpflasters in einem Medizinfläschchen, kleiner als mein Daumen, als gefährlich eingestuft worden war.

Der Inhalt des Minifläschchens ist gerade bodenbedeckend, noch unterhalb des unteren Randes des Etiketts.

Mit dem gleichen Fläschchen, das als Notfall in mein Handgepäck gehört, war ich vor wenigen Wochen aus den USA ausgereist und da hatten die Sicherheitsleute es mit normaler Logik als unbedenklich klassifiziert und nicht einmal näher angesehen. Reine Schikane in Frankfurt. Bei den Untersuchungen würde die Anwendung von gesundem Menschenverstand weiter führen, als alle Reisende unter Generalverdacht zu stellen.

Wenn Sicherheitschecks die Sicherheit erhöhen würden, wäre jeder damit einverstanden. Wenn sie nur zur Rechtfertigung des eigenen Arbeitsplatzes dienen und als Schikane ausgenutzt werden, nicht.

Dann wirken solche Pressemeldungen des Frankfurter Flughafens als blanker Hohn:

In den Gate-Bereichen B44 bis B48 fällt ab sofort eine überdimensionale Video-Installation ins Auge und sorgt für Staunen: Die LED-Videowand ist 21 Meter breit und 1,60 Meter hoch. „Erlebnis-Gate“ nennt Flughafenbetreiber Fraport das neue Unterhaltungsangebot.

Ich brauche als Passagier keine Videoleinwand zum Zeitvertreib, ich möchte schnell und unkompliziert auch frühmorgens zum Gate. Saubere Toiletten, bei denen es einem nicht schon beim Reingehen graust; freundliches, logisch denkendes und arbeitendes Sicherheitspersonal und beim Röntgen saubere Behälter, hygienisch getrennt für Schuhe und Oberbekleidung, würde mein „Erlebnis“ am Flughafen wesentlich positiver gestalten als Schnickschnak, für den ich als Reisender eh keine Zeit habe.

Die Basishygiene der Trennung von Schuhen und Jacket oder Seidenjäckchen gibt es in Frankfurt zwar auch nicht, aber da setzte der Sicherheitscheck abends in London Heathrow noch eins drauf. Man sagte mir, ich müsse die Schuhe nicht ausziehen, da ist nach meiner Erfahrung auch kein Metall drin – selbst die Frankfurter hatten die gleichen Schuhe morgens nicht beanstandet – aber ich musste sie nach der Durchleuchtungsröhre trotzdem ausziehen und auf dem sehr verdreckten Boden in Strumpfhosen weiterlaufen. Nach einiger Zeit kam die Plastikkiste dann auf dem Band angetrudelt: auf die helle Jacke waren die Schuhe vom Untersucher lieblos einfach draufgeschmissen worden. Igitt ist da noch das höflichste, was mir dazu einfällt. Woher kommen eigentlich die Menschen, die Sicherheitschecks an Flughäfen ausführen? Wohnen die unter einer Brücke?

Das Verhalten ist respektlos. Zu den Passagieren und deren Eigentum. Mit Sicherheit hat es jedenfalls nichts zu tun.

Die Passagierkontrolle wird von den Fluggästen bezahlt, nicht vom Staat oder sonst wem. Wenn sie nicht der Sicherheit dient, sondern zur Plage wird, sollte man sie absetzen.


Und wieder eine notwendige Berichtigung zu einer Newsmeldung, die leider zeigt, dass nicht nur das Fachverständnis, sondern der gesunde Menschenverstand oft auch in den Newsredaktionen fehlt:

Am Donnerstag morgen lief die Ultraschlagzeile bei n-tv im Fernsehen als Dauerticker:

Fluglinien heben Zwei-Piloten-Regel auf.

 

Und sie wird im Netz fleißig kolportiert. Auch etwa die Saarbrücker Zeitung schreibt den Blödsinn nach.

 

Wie bitte? Haben sich jetzt die Flugzeughersteller durchgesetzt und es braucht nicht mehr Kaptän und Co-Pilot zum Fliegen eines Verkehrsflugzeuges? Die Krux an der Geschichte war doch, dass Nicht-Piloten dann im Cockpit für „Sicherheit“ sorgen sollten.

Der Kapitän neben mir in der Warteschlange meinte, auf den Fernseher guckend, kopfschüttelnd: „Wenn wir so fliegen würden, wie die recherchieren…“

Die gemeldete Tatsache an sich ist jedoch gut: Dass unsinnige Verordnungen, die unter der Vorgabe „Sicherheit“ eingeführt werden, auf öffentlichen Druck und eigenem Nachdenken auch wieder revidiert werden können. Könnte durchaus öfter geschehen…

 

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