Air India 171 Update 6

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Endlich sind im allgemein veröffentlichten Report weitere Daten bekannt. Doch sie werfen nur noch mehr Fragen auf.

Lapidar heißt es da:

Es sagt nicht explizit aus, dass der eine vermutet, dass der andere den Hebel bewegt hat. Es heißt nur, dass die Spritzufuhr der Triebwerke auf Cutoff stand. Von Hebeln ist hier nirgends die Rede. Kann aber sein.

Warum würde das der andere Pilot so kurz vor dem Impact verneinen, wenn er die Hebel absichtlich gesetzt hat?

Unlogisch. Wer dem Tod ins Auge blickt, hat keinen Anlass zu lügen.

Jedenfalls scheint das der Grund zu sein, warum die Öffentlichkeit so lange im Ungewissen – was noch andauert – gehalten wurde und wird. Es ist alles nicht eindeutig.

Nur weil es die einfachste und bequemste Lösung für alle lebenden Beteiligten ist, muss es nicht die Wahrheit sein.

Die 1 Sekunde Differenz ist sowohl durch menschliches Schalten plausibel. Allerdings auch durch die Softwaremäßige Abfrage der Hebel, die bei vielen Computer-Abfragen im Cockpit bei einer Sekunde liegt.

Beide Schalter wurden dann wieder auf RUN geschaltet. So blieben sie bis zum Impact..

Auch der Vogelschlag wird nun offiziell ausgeschlossen:

Was allerdings bleibt – und jetzt wird es leider spannend –, ist ein Service Bulletin von Boeing von 2018 zu Fuel Switches in Boeing Flugzeugen (SAIB NM-18-33), welches im Preliminary Report erwähnt wird.

Gibt es eine Möglichkeit, dass sich die Schalter von alleine bewegt haben?

Ja!

Und zwar ohne Hokus Pokus.

Denn im eben genannten SAIB (Special Airworthiness Information Bulletin) von Boeing wird drauf hingewiesen, dass bei den Fuel Control Switches überprüft werden soll, ob die Sperrvorrichtung auch eingebaut ist.

Die Sperrvorrichtung verhindert, dass der Schalter nur hin und her bewegt werden kann. Er muss erst ein Stück herausgezogen werden, bevor er in die andere Position gelegt werden kann.

Die Schalter befinden sich in der Mittelconsole am Throttle Quadranten hinter den Thrust Levers. Die obere Position ist „RUN“, die untere „CUTOFF“.

Dass es während des Takeoff-Runs (das trifft es besser als der deutsche sanfte Ausdruck „Rollen“) üblicherweise ordentlich rumpelt im Flugzeug, weiß vermutlich auch jeder Passagier. Da öffnen sich schon manchmal einige nicht ordnungsgemäß verschlossene Fächer in der Galley (Bordküche) und der Inhalt ergießt sich über Crew und Boden.

Da die SAIB nur „recommended“ also „empfohlen“ ist, müssen die darin beschriebenen Aktionen nicht durchgeführt werden.

Laut indischem Untersuchungsbericht wurde die Kontrolle beim Unglücksflugzeug NICHT durchgeführt.


Erklärungen

FADEC
Full Authority Digital Engine Contzrol
Vollautoritäre digitale Triebwerksregelung
(Spritcontrol Einheit für die Triebwerke)

EAFR
Enhanced Airborne Flight Recorders, part number
866-0084-102

Die EAFR sind im Flugzeug an zwei Stellen vorhanden, eine im Heckbereich bei STA 1847 und die andere im vorderen Bereich bei STA 335. Die beiden EAFR sind baugleich und zeichnen einen kombinierten Datenstrom aus digitalen Flugdaten und Cockpit-Sprachinformationen auf, wobei beide auf demselben Gerät gespeichert sind

Der vordere EAFR verfügt über eine zusätzliche Stromquelle aus dem RIPS (Recorder Independent Power Supply), einem System, das den vorderen EAFR im Falle eines Strom- oder Busausfalls im Flugzeug mit Strom versorgt. Dadurch kann der vordere EAFR die Aufzeichnung der digitalen Flugdaten und der Sprachdaten vom Cockpit Area Microphone (CAM) fortsetzen, auch wenn die Stromversorgung anderer Flugzeugsysteme ausfällt.


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Fediverse reactions

8 responses to “Air India 171 Update 6”

  1. MM

    Schalter „sensed“ in Cutoff heist noch lange nicht zu 100%, dass er auch dort war.

    Das ist prinzipiell möglich, also wäre der Schalter in Stellung fuel flow gewesen, demnach hätten die pilots (wer auch immer) dann den Schalter nicht auf fuel flow stellen können, da er bereits darauf gerastet war. Dann wäre auch die voice „why did you..“ unerklärlich, denn schalterseitig hätte alles ok ausgesehen. Außerdem startete der fuel flow dann wieder, was die vorherige Stellung fuel cut implizit bestätigt.

    1. Das ist ein valider Punkt.
      Trotzdem gilt alles von mir bisher Geschriebene. Dem ist zurzeit aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

    2. Flugkapitän

      Lieber MM,

      Sie haben da recht: Wenn die Schalter dauerhaft auf RUN gewesen sind, dann fragt man sich, was der Pilot mit der Frage: „Why did you cutoff?“ gemeint hat.
      Hier würde helfen, den kompletten Wortlaut im Original zu haben und nicht nur eine Übersetzung, die auch noch eventuell aus dem Kontext gerissen ist. Oder gab es wirklich keine weitere Kommunikation?
      Es wäre auch hilfreich, zu der Äußerung einen Zeitstempel zu haben.
      Hat er die Frage formuliert unmittelbar, nachdem der Rekorder CUTOFF gesensed hat, oder hat er das gefragt, unmittelbar bevor der Rekorder wieder RUN gesensed hat?
      Wer hat gefragt und wer hat geantwortet? Auch das wäre hilfreich zu wissen.
      Angeblich war der Copilot PF. Hat der CPT nach dem Dual Engine Failure übernommen?
      Hat der CPT, als er bei V1 die Hand von den Thrust-Levers nahm, irgendwas auf dem Pedestal greifen wollen?
      In meinem Kommentar vor einigen Tagen hatte ich erwähnt, dass ein A350 einen Engine Shutdown hatte, weil ein Kurzschluss durch verschütteten Tee dazu führte, dass die FADEC gesensed hat, dass der Engine Master Switch (das Airbus-Equivalent zum Fuel Control Switch) auf OFF gelegt wurde. Damals blieb der Kurzschluss wohl bis zur Landung bestehen, da die Flüssigkeit im Schaltergehäuse nicht abfließen konnte. Was wäre passiert, wenn der Kurzschluss nur 10 Sekunden gedauert hätte? Genauso wie im Unglücksflugzeug hätte die FADEC der A350 Engine sofort einen Windmilling-Start versucht und vermutlich erfolgreich hinbekommen.
      Deshalb würde mich eben auch sehr interessieren, ob der Stromausfall, der zum Ausfahren der RAT geführt hat nach dem aufgezeichneten CUTOFF Signal, also als logische Folge, aufgetreten ist, oder ob der Stromausfall knapp vorher auftrat.
      Was passiert denn, wenn der Strom komplett ausfällt? Hängen die Fuel Control Switches an der Stromversorgung der FADEC, die sich bei laufendem Triebwerk durch einen eigenen kleinen Dynamo mit Strom versorgt? Oder „verliert“ die FADEC den Kontakt zum Fuel Control Switch? Oder – schlimmer noch – erhält sie erratische Signale?
      Ohne eine vollständige Timeline und die damit verbundene Klärung solcher Fragen bleibt es zwar sehr wahrscheinlich, dass Sie recht haben und Absicht im Spiel war, doch zur Verurteilung reicht das jetzige Wissen sicher nicht.
      Wir Piloten sollten es unseren Gästen, unseren Crews, uns selbst und nicht zuletzt den verstorbenen Kollegen schuldig sein, hier am Ball zu bleiben und eine vollständige Klärung aller offenen Fragen einzufordern.

  2. MM

    Thanx Lady Piloting,

    aber dass ein Defekt an der Mechanik der jeweils voneinander unabhängigen Schalter sekundengleich wirksam wird ist völlig (!) irreal. Bleiben also nur noch die Heinzelmännchen – aber die waren ja nie bösartig. Die voice belegt doch, dass einer der Pilots bösartig oder geisteskrank war, Lubitz 2.0 .
    Happy landings
    MM

    1. Thanx Lady Piloting,

      🙂 Charming. Aber einem Flugzeug ist es vollkommen egal, ob ein Mann oder eine Frau (oder was dazwischen) pilotiert. Ich bin Pilot. Wenn es sein muss, Pilotin. Das ist eine Tätigkeits- oder Berufsbezeichnung. (Letzteres nicht in meinem Fall.)
      Lady bin ich abends beim Ausgehen. Nicht beim Fliegen. Da sehe ich das als Abwertung. Ich halte auch nichts von Quoten irgend einer Art. Alles was ich im Leben erreicht habe, und das ist sicher mehr als der Durchschnitt, habe ich aufgrund von Leistung und Einsatz erreicht und nicht aufgrund meines Geschlechts. 🙂

      Schwerkraft ist kein Defekt an der Mechanik. Warum sollte sollte die Schwerkraft 2 cm weiter links oder rechts anders sein?

      Again: Ich bin (Fach-)Journalistin, habe als solche auch an mehreren Hochschulen und der DFS-Akademie den Nachwuchs ausgebildet und habe meine Standards weitergegeben.

      Und dazu zählt, dass ich keine Vorverurteilung mache(n darf). Ich darf auch niemanden des Mordes bezichtigen, bevor das Urteil nicht rechtskräftig ist. Man schreibt in solchen Fällen: mutmaßlich.

      Man kann am Stammtisch oder im Privaten (oder im Kommentarbereich) fachlich gerne alles mögliche diskutieren oder seine Meinung kundgeben; ich als Journalistin darf das aber nicht als Wahrheit hinstellen, bevor es nicht offiziell ist. Dass eine Vorverurteilung aufgrund der dazu nicht ausreichenden vorliegenden Beweise zudem meinem Ehrgefühl widerspricht, hatte ich bereits erwähnt.

      Wir drehen uns im Kreis.

      Die voice belegt doch

      Die original Tonaufzeichnung habe ich leider bisher nirgendwo gefunden. Wenn Sie einen Link dazu haben, bitte veröffentlichen! Es gibt nur die kurze schriftliche Erwähnung im Zwischenbericht und jede Menge Zitate darüber. Sekundärquellen. Nicht nutzbar.

      Was für Ihre Theorie (und leider auch der vieler anderer (Linien-)Piloten) spricht, ist die mangelnde und unverständlicherweise verzögerte Kommunikation des AAIB. Wenn die komplette (relevante) VCR-Aufzeichnung lückenlos mit Zeitstempel und gesicherter Übersetzung ins Englische offiziell veröffentlicht würde und dazu die hoffentlich endlich erfolgte Stimmenabgleichung, dann würden wir hier vermutlich nicht so lange diskutieren.

      Ich habe in meinem langen (der Luftfahrt-Praxis gewidmetem) Leben viele Unfälle analysiert. Kleine, große, wichtige und auch welche, die Unfalluntersucher zunächst als Standardfall abgeschrieben hatten. Mit dem Aufzeigen von weiteren Daten und Fakten ergab sich da zumindest in einem Fall ein anderes Bild und führte zu einem ausführlicheren, geänderten Abschlussbericht.

      Mit der Wahrscheinlichkeit ist das so eine Sache. (Eine aus mathematischer Sicht höchst interessante übrigens.) Nur weil A wahrscheinlicher ist als B, heißt es nicht, dass A die Wahrheit ist.

      Wenn irgendwer die Untersucher dazu bringen könnte, endlich mal (schnell) mit mehr Fakten rauszurücken, würden die Spekulationen sofort aufhören.

  3. MM

    Guten Tag Frau Kleisny,
    danke für Ihre detaillierten Erläuterungen.

    In the cockpit voice recording, one of the pilots is heard asking the other why did he cutoff.

    aber was soll daran kryptisch sein ? Ist doch eine ganz normale technische Frage, könnte auch zur Ablenkung von eigener Schuld geäußert worden sein.

    Wer dem Tod ins Auge blickt, hat keinen Anlass zu lügen

    , das wäre sehr zu bezweifeln.

    Wie auch durch voice eindeutig belegt waren die Schalter aktiviert, es ist doch nur noch die Frage wer von den beiden sie gezogen und geschaltet hat. Da keine Heinzelmännchen im Cockpit mitflogen, muss einer willentlich suicide gehandelt haben.

    In dem Braithwaite Kommentar wird festgestellt im Bericht werde nicht behauptet, dass ein Pilot den Schalter bewegt habe . Die Regler für die Kraftstoffzufuhr der beiden Triebwerke seien demnach unmittelbar nach dem Start fast gleichzeitig auf die Position „abgeschaltet“ gesprungen.

    Mit solchen Formulierungen kann die bittere Wahrheit nicht mehr kaschiert werden. Gesprungen worden müsste es wohl richtig heißen.

    Mit fliegerischen Gruß
    MM

    Ergänzung
    noch ergänzend:

    Das heißt nicht, dass die Sperre nicht verbaut war.

    Es eröffnet aber die Möglichkeit, dass die Schalter während des Takeoff Runs ohne menschliches Zutun von oben (RUN) nach unten (CUTOFF) verrutscht sind.

    Dass die sich ausgerechnet beide unabhängig voneinander und nach längerer Betriebszeit gleichzeitig sekundengenau verstellen ist so wahrscheinlich wie die Landung einer 737 auf dem Mars.

    1. Lieber Cpt. MM,

      vielen Dank für Ihre Expertise. Fachlicher Diskurs ist auf Flugundzeit durchaus gewünscht. 🙂

      Zu den einzelnen Punkten:

      1
      Kryptisch ist – wie im Text beschrieben – eine Übersetzung ins deutsche. Versuchen Sie’s doch selbst –
      Warum er abgeschaltet hat? Das wäre wörtlich, macht aber für den gemeinen Leser wenig Sinn.
      Warum der andere den Hebel von Run auf Cutoff gesetzt hat? Das wäre eine Hinein-Interpretation, die ich als Journalistin nicht mache, weil sie im Original so nicht da steht.

      Zudem haben die beiden vermutlich indisch oder welche Sprache auch immer gesprochen. Sich am Wortlaut aufzuhängen, wenn man nicht das Original hört oder die Sprache nicht versteht, halte ich für inkorrekt.

      Mir wäre auch lieber, alles im Englischen zu belassen. So funktioniert Luftfahrt eben. Englisch. Aber mein Leserkreis besteht nicht nur aus Piloten.

      2

      Wer dem Tod ins Auge blickt, hat keinen Anlass zu lügen, das wäre sehr zu bezweifeln.

      Nein. Psychologisch nicht. Warum sollte jemand da noch lügen? Bestenfalls schweigen. Aber wozu lügen? Jedem Piloten muss klar gewesen sein, dass ein erfolgreicher Neustart der Triebwerke zu diesem Zeitpunkt – ich zitiere Sie: …so wahrscheinlich wie die Landung einer 737 auf dem Mars ist.
      Er hätte also sein Ziel bereits erreicht. Es war nur noch eine Frage von Sekunden.

      Zudem weiß man nicht, wer zu dem Zeitpunkt PF war. Hat der Kapitän (wegen Notfall) übernommen? Wer hat den Mayday Spruch abgesetzt. Wer hat wen gefragt?

      Zu viele Unbekannte für uns Außenstehende. Die offiziellen Unfalluntersucher müssen mehr wissen. Was bessere Schlüsse zulassen würde. Aber sie geben es nicht heraus.

      3
      Kommentare auf Webseiten, die ich weder kenne noch verfolge, kommentiere ich nicht.

      4

      Dass die sich ausgerechnet beide unabhängig voneinander und nach längerer Betriebszeit gleichzeitig sekundengenau verstellen ist so wahrscheinlich wie die Landung einer 737 auf dem Mars.

      Bei dem Gerumpel mancher Kollegen beim Takeoff Run (man hat als Passagier manchmal das Gefühl, es läuft eine Wette im Cockpit, ob auch wirklich alle Centerline Lights getroffen werden), können nicht-gesicherte Hebel sehr wohl, von oben nach unten rutschen. (Es ist eine Boeing, siehe im Beitrag oben und kein Airbus.)

      Die Schwerkraft und das Gerumpel wirken auf beide gleich.

      Aber Sie haben recht. Zumindest offiziell ist nicht bekannt, ob die Hebel in dieser 787 gesichert waren oder nicht.

      Es ist alles zurzeit Spekulation. ALLES.

      Nur, wenn es um die Beschuldigung von Menschen geht, genauer von Toten, brauche ich mehr Beweise (siehe oben), bevor ich das weiter kolportiere. Das ist Journalismus, so wie ich ihn praktiziere, und das zählt auch zu meinem Ehrgefühl andern (Piloten) gegenüber. Punkt.

      Es gibt keinen Beweis, dass die physischen Schalter auf Cutoff gesetzt waren. Und der wird sich vermutlich auch aus dem Flugzeugwrack nicht mehr liefern lassen. Die „Blackbox“ (ich schreibe das mal so lapidar) zeichnet Datenströme auf. Und wenn die Software meint, dass der Schalter auf Cutoff gesetzt war, so heißt das noch lange nicht, dass es physisch auch so passiert ist.

      Die Aussage des Piloten (es ist mir nicht bekannt, wer das nun war), kann sich auch auf schwarze Bildschirme nach dem softwaremäßigen Abschalten der Triebwerke (warum auch immer) beziehen. So dass seine Schlussfolgerung eben war, dass der andere den Cutoff gesetzt hat.

      Es gibt so viele Möglichkeiten. Siehe auch den Kommentar von Flugkapitän.

      Die Beschuldigung der absichtlichen Handlung eines Piloten mit den zurzeit vorhandenen Informationen zu setzen, ist für mich nicht machbar.

      Sie mag zutreffen. Ja. Wir werden sehen. Aber again: Dazu brauche ich mehr Beweise.

  4. Flugkapitän

    Bis auf FlugundZeit scheint in der Berichterstattung eher der Konsens zu herrschen, dass mit der Veröffentlichung des Zwischenberichts die Sache klar ist: Irgendeiner im Cockpit hat die Fuel Switches aktiv auf Cutoff gelegt. Obwohl: Der vorläufige indische Bericht trifft diese Aussage nicht!
    Es wird einfach sachlich berichtet, dass die Flight Data Recorder die Schalter in der Position Cutoff aufgezeichnet haben.

    Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

    Im Januar 2020 wurde im Reiseflug im Cockpit eines Airbus A350 ein Getränk verschüttet. Leider lief die Flüssigkeit in einen der Engine Master Switches (das Airbus-Equivalent zum Fuel Control Switch von Boeing). Als Resultat fiel das betroffene Triebwerk aus. Denn das vom Switch ausgehende Signal war nun Cutoff, obwohl der Switch immer noch auf Run stand. Auf dem Rekorder muss es so ausgesehen haben, als ob einer der Piloten den Switch auf Cutoff gelegt hätte. Das hatte aber keiner getan.
    Da hier das Flugzeug sicher landen konnte, kam es zu keiner Fehlinterpretation.

    Also: Schalter „sensed“ in Cutoff heist noch lange nicht zu 100%, dass er auch dort war.

    Natürlich kann es auch so sein, wie nun die meisten vermuten. Doch zu 100% sicher sollte man sich nicht sein.
    Scheinbar sind sich ja auch die Unfalluntersucher noch nicht sicher.
    Sie werden weiter untersuchen und hoffentlich am Ende eine gut abgesicherte Erklärung finden.
    Bis dahin sollte man, wie FlugundZeit richtigerweise schreibt, meine Kollegen nicht voreilig beschuldigen.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.