Da ich an den ersten beiden Messtagen bereits alle Hallen abgegangen und die Stände besucht hatte, die mich interessieren, blieb der Freitag für Veranstaltungen komplett frei.
Denn leider war der „Games-Tag“ nicht sonderlich informativ, und der „A Book is a Film is a Book“ (so hieß dieser Schwerpunkt vor Jahren) auch nicht mehr konzentriert an einem Ort.
Die Konversionen, wie sich Geschichten beim Wechsel von einem Medium ins andere verändern, finde ich das Spannende. Am Freitag gab es auf der Buchmesse immerhin zwei Veranstaltungen, die diesem Thema gerecht wurden – sowohl inhaltlich als auch durch die beteiligten Autoren, Regisseure und Schauspieler. Die jeweils detailliert über den Entstehungsprozess, seine Schönheiten und die Herausforderungen sprachen.
Hier also meine absoluten Highlights der Buchmesse 2026:
Film 1: Corpus Delicti
Im Rahmen des Book-to-Screen Day am Freitag waren Regisseurin Lena Stahl und Hauptdarstellerin Hannah Herzsprung zu einem Gespräch auf die Frankfurter Buchmesse gekommen. Die Veranstaltung richtete sich gezielt an Schülerinnen und Schüler aus Hessen und war nicht öffentlich zugänglich.
Was im Buch über Sprache, Gedanken und Diskussionen vermittelt wird, muss im Film durch Bilder, Dialoge und Schauspiel verständlich werden. Wie lässt sich eine anspruchsvolle literarische Vorlage für das Kino gestalten?
Gerade bei Corpus Delicti ist das eine besondere Herausforderung: Der Roman lebt nicht allein von seinen Figuren und der Handlung, sondern wesentlich von politischen, juristischen und gesellschaftlichen Überlegungen.
Vom Bestseller auf die Kinoleinwand
Für die filmische Umsetzung zeichnete die Regisseurin und Drehbuchautorin Lena Stahl (rechts im Bild) verantwortlich. Die Hauptrolle übernahm die sympatische Hannah Herzsprung (links) als Mia Holl. Bei verstehen sich anscheinend extrem gut. Nicht anwesend waren Damian Hardung, der Mias Bruder Moritz verkörpert und Alexander Fehling, der den einflussreichen Journalisten Heinrich Kramer spielt, der zu den entscheidenden Gegenspielern der Protagonistin zählt.
Der 2009 erschienene Zukunftsroman beschäftigt sich mit einer Gesellschaft, in der die Gesundheit ihrer Bürger über allem steht. Was zunächst nach einem erstrebenswerten Ideal klingt, entwickelt sich zu einem System, das die persönliche Freiheit immer stärker einschränkt.
Noch bevor Corpus Delicti als Roman veröffentlicht wurde, hatte Buchautorin Juli Zeh den Stoff für das Theater entwickelt. Bereits 2007 wurde das Stück bei der Ruhrtriennale in Essen uraufgeführt. Die Geschichte hat damit innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten gleich drei unterschiedliche Ausdrucksformen gefunden: Theater, Literatur und Kinofilm.
Das Gespräch moderierten Ariane Köller, Leonie Schwartzberg und Jil Schwartzberg, die der BJF-Jugend Filmjury angehörten. Die beteiligten Jugendlichen hatten bereits vor dem offiziellen Kinostart Gelegenheit, den Film bei eigens organisierten Schulvorführungen kennenzulernen. Auf der Buchmesse bot sich ihnen die Möglichkeit, ihre Eindrücke unmittelbar mit den Filmschaffenden zu diskutieren.
Film 2 : Heimsuchung

Am 15. Oktober 2026 kommt »Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte« ins Kino, Volker Schlöndorffs Verfilmung des Bestsellers von Jenny Erpenbeck, mit Lars Eidinger, Martina Gedeck, Susanne Wolff, Michael Maertens und Ulrich Matthes.

Der 2007 erschienene Roman Heimsuchung erzählt deutsche Geschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nicht eine einzelne Hauptfigur steht im Zentrum, sondern ein Grundstück mit einem Sommerhaus an einem märkischen See. Über Jahrzehnte kommen und gehen die Bewohner, während das Haus zum stillen Zeugen politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen wird.
Menschen verlieren ihr Eigentum, werden vertrieben, müssen ihre Heimat verlassen oder versuchen unter veränderten politischen Verhältnissen ein neues Leben aufzubauen.
Was für die einen ein Ort des Glücks und der Geborgenheit ist, wird für andere zum Schauplatz von Verlust und Entwurzelung. Während sich Besitzverhältnisse und Lebensgeschichten verändern, bleibt das Grundstück bestehen.
Volker Schlöndorff erhielt für seine Umsetzung 2026 den „Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption“. Die Auszeichnung würdigt insbesondere Schlöndorffs Fähigkeit, den literarischen Charakter der Vorlage in eine eigenständige Bildsprache zu übertragen. Statt der ursprünglichen chronologischen Erzählung historischer Ereignisse setzt er mehr auf deren Auswirkungen auf einzelne Menschen und Familien. Buchautorin Jenny Erpenbeck fand es gut und war zufrieden.













