Buchmesse 2026: Das große Tohuwabohu

,
0

  • BM26: Das große Tohuwabohu
  • BM26: Skurriles und Unerwartetes (geplant)
  • BM26: Hinter den Kulissen von 2 Filmen (geplant)
  • Buchmesse 2025

KI und der Buchmarkt

Wer sieht noch Sinn darin, Sachbücher zu kaufen, wenn die KI der Wahl ausführliche und klar nachvollziehbare Antworten gibt und YouTube dazu die Anleitung auch visuell vorführt? Und wenn einem ein Autor nicht gefällt, dann klickt man eben das nächste Video.

Die riesige Festhalle beherbergte die Themen: Reader-, Romance- und BookTok-Community. Sie war vermutlich ab Freitag voller, dies ist ein Foto vom Mittwoch. Ein groß angekündigtes Vortragsevent, das die Situation Buch und Games beleuchten (KI Sprech, stammt aber von mir = Mensch) sollte, entpuppte sich als langweilige, oberflächliche Phrasendrescherei. Nix Neues. Kein Insiderwissen. Hätte jeder Besucher am Podium sein können und das Gleiche sagen. Bin nach 10 Minuten wieder gegangen. Da extra hinzugehen (anderes Emde der Buchmesse) kostete viel Zeit. Sinnlose Zeit.

Der Buchbranche geht es schlecht

Und damit wohl auch der Buchmesse. In Deutschland sank der Buchumsatz 2025 um 2,7 Prozent.1

Zwar sind die Buchpreise zwischen 2001 und 2025 um rund 44 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise insgesamt allerdings um etwa 75 Prozent. Papier wurde extrem teurer, der enorme Anstieg der Spritpreise ist wohl jedem bekannt.

In 2025 war die Zahl der verkauften Bücher leicht rückläufig. Die Branche gerät also zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.

Besser fiel das Wachstum in Indien mit 16,7 Prozent und Brasilien mit 12,6 Prozent aus. Auch Italien mit 5,1 Prozent, Spanien mit 3,9 Prozent und Großbritannien mit 1,5 Prozent verzeichneten Zuwächse.

Auch die Entwicklung im laufenden Jahr blieb in Deutschland nach den vorliegenden Branchendaten schwierig.

Für 2026 wurde nun auf der Buchmesse die Halle 6 wegrationalisiert.2 Leer. Wie schon in den letzten Jahren, die Hallen 9 (mein Gott, ist das lange her), Halle 8, Halle 7. Alles leer.

Der europäische Buchmarkt 2025 in Zahlen
Kennzahl Europa 2025
Nettoverlagsumsatz 24,6 Mrd. €
Umsatzentwicklung gegenüber 2024 −1,2 %
Verkaufte Bücher ca. 2,4 Mrd.
Neue Buchtitel ca. 570.000
Lieferbare Titel insgesamt 14,1 Mio.
Hörbuchanteil am Umsatz 5,3 %

Quelle: Federation of European Publishers (FEP), Branchenzahlen 2025.

Mord an allen Ecken und Enden

Herz/Schmerz

Krimis und Herzschmerz verkaufen sich wie geschnitten Brot. Beides ist aber nicht mein Metier – weder als Autor noch als Leser.

Andere literarische Genres sind praktisch aus dem Buchhandel verschwunden. Nur wenige etablierte Autoren dürfen sich anspruchsvoller Literatur oder eigenen Themen widmen – vorzugsweise solche Autoren, die bereits Millionenbestseller vorweisen können.

Das macht sich auch auf der Buchmesse bemerkbar. Die Abnahme der Ausstellerzahl sollte wohl durch ein neues Konzept kaschiert werden, das ich schon bei der Vorstellung im letzten Jahr skeptisch beurteilt hatte. Leider hat sich – wie stets – meine Beurteilung bewahrheitet.

Ich zitiere aus meinem Vorjahresbeitrag zur Buchmesse 2025:

Unbeliebtes Durcheinander

Tja. Sieht am Schreibtisch schön aus. In der Praxis hieß es, dass nun wirklich alle Aussteller von ihren angestammten Plätzen weg waren und sich neu auf die verbliebenen Hallen verteilten. Nach einem Schema, das nicht nur mir im Verborgenen blieb. Alle Aussteller, mit denen ich sprach, zeigten sich unzufrieden. Das waren nicht die großen Verlagshäuser, sondern die kleinen und mittleren Verlage – also jene, die das Gros der Aussteller ausmachen.

Unzufrieden, enttäuscht, weil ihre Besucher entweder genervt waren, oder weil die Aussteller wesentlich weniger Publikumsverkehr hatten, da sie „gezwungen worden waren, in diese Halle zu gehen“. (Zitat eines britischen Verlegers.) Und nun mit deutlich weniger Platz auskommen mussten.

Die Jubel PR-Meldung der Buchmesse zum neuen Konzept kann ich aus der Praxis Vorort nicht bestätigen.

Wo sind die Comics? Mangas?

Für den Besucher waren es definitiv weitere Wege. Beispiel: Comics/Manga gab es an mindestens 5 Stellen in unterschiedlichen Hallen. Auch die Illustratoren hatten nur mehr eine kleine eigene Ecke. Oder, wenn man nach Ländern suchte, etwa die mit englischsprachigen Büchern, musste man durch alle Hallen und Stockwerke rennen; stets vorbei an vielen Verlagen, die in Sprachen und Schriften publizieren, die man weder spricht noch Interesse daran hat. Es gab nicht eine Halle/Stockwerk mit englischsprachigen Büchern, sondern die waren in allen vereinzelt vertreten.

Die durchschnittlich 16000 Schritte pro Buchmessetag habe ich auch diesmal geschafft – trotz des schrumpfenden Angebots. Nur führten sie mich diesmal häufiger ins Leere als zu interessanten Entdeckungen.

Eine Zusammenstellung nach „Inhalt“, also etwa alle Druckereien, die es mittlerweile aus fast allen Ländern auf der Buchmesse gibt, wäre sinnvoller. Wer so etwas sucht, und vergleichen möchte, muss alle Hallen ablaufen. Abgesehen von der aufgewendeten Zeit, um die Firmen dann zu finden. Zunächst auf der APP oder gleich in real.

Irgendwie gab es diese Ordnung früher. Neue Duftmarken sind nicht unbedingt immer besser…

Funktionelle Namen

Weiteres Beispiel: Wenn man sinnvolle Namen für Veranstaltungsorte wie etwa Kinder/Jugendbuch-Bühne durch Trallala-Namen wie Discovery-, Inspiration-, Innovation Stage ersetzt, muss man sich diese als Besucher erst erarbeiten und dann auch noch merken, was sich die Veranstalter jeweils unter den nebulösen Namen vorstellen.

Einige Stages (Bühnen) waren selbst für die 20 vorgesehenen Sitzplatzhocker zu groß. Andere aber, dem zu erwartenden Besucherandrang für einzelne Veranstaltungen nicht entsprechend gerecht. Siehe dazu auch den zweiten Beitrag zur BM26 (in Arbeit).

Für ihren dritten Roman „Die Lücken“ erhielt die deutsch-iranische Schriftstellerin Shida Bazyar 2026 den Deutschen Buchpreis. Dafür reichen die wenigen Sitzgelegenheiten am Stand bei Weitem nicht aus, und auch die Gänge sind wieder einmal hoffnungslos zugestellt.

🙂 Imagination ist gefragt

Zudem gab es zwar zig Hinweise, in welchen Hallen sich die jeweiligen Stages befanden, aber keine Zeichnung vor oder in den Hallen, an welchen Gängen nun genau die Veranstaltungsorte waren.

Ein menschlicher Guide, den ich fragte, musste erst auf seinem Handy nachschauen, fand es nicht und rief dann irgendwen an und machte dann aber lieber telefonisch gleich aus, wann er wieder in Pause gehen kann… Ich hab’s aufgegeben.

Im Endeffekt war ich trotz Lauferei (danke für die Fitness!) nach 2 Tagen mit allem durch. Das ist Rekord.

Wo sind die Zeiten, als eine Buchmesse für die Presse noch von Dienstag bis Montag dauerte und jeder einzelne Tag mit Terminen, Begegnungen und Standbesuchen ausgefüllt war? Heute reichen für Fachbesucher dafür offenbar zwei Tage…

Wie lange noch?

Viele der ausländischen Verlage packten nun bereits am Freitag morgen ihre Stände zusammen. Verkauf gibt es da sowieso nicht. Da sie aber verpflichtet sind, den Stand über die ganze Zeit der Buchmesse zu halten, wird eben abgesperrt und die Bücher werden dann von einem Reseller abgeholt und übers Internet verkauft.

Für die Allgemeinheit war die Buchmesse zum ersten Mal bereits ab Freitag zugänglich. Verkauf der Bücher war an allen Tagen erlaubt.

Ab 11 Uhr am Freitag standen die potentiellen Besucher im Parkhaus dicht gepackt bis in den zweiten Stock und über die ganze Ebene unten zum Bus. Rund eine Stunde Wartezeit, noch vor der elenden Herumgurkerei mit dem Bus vom Parkhaus zur Messe.

Ja, wer in Frankfurt wohnt, oder dort direkt im Hotel logiert, braucht kein Auto. Wer aber zig Kilometer oder mehr morgens und abends aus der Pampa fahren muss, braucht mit öffentlichen Verkehrsmitteln Stunden selbst zur und von der Buchmesse. Und das betrifft nicht wenige Menschen!

Mit etwas Zeit und Ruhe hätte ich mich gerne mittags in der langen Warteschlange angestellt: allerdings für die Buchtičky und nicht für Kraut und Zunge…

Der Ehrengast in diesem Jahr: Tschechien machte sich nicht nur durch Bücher und Veranstaltungen, sondern vor allem in mehreren Stockwerken und Gängen (die an das Gastlandrestaurant anschlossen) bemerkbar. Der Blaukrautduft waberte wie der nach frischem Sauerkraut durch die Gänge. (Zugegeben: Ich bin keine, wie die Amis sagen würden: „Krauts“…)

Dafür war die Gastlandebene mehr als karg und bis auf die nackten Bücher wenig inspirierend. Das fanden offensichtlich auch die Buchmesseveranstalter und legten den täglichen Goodiespot dorthin.

Die Einteilung der Verlage in die Ebene Null für Besucher und darüber für Geschäftliches, die sich schon in den Tagen davor nicht bemerkbar machte, wurde ab Freitag nun total obsolete. Der Besucherstrom drängten sich wie eh und je durch die in diesem Jahr breiteren Gänge, egal in welchem Stockwerk. Obwohl die Gänge eine Breite wie in Coronazeiten aufwiesen, als die Zahl der Aussteller auf ein Minimum zurückgegangen war.

Damit fiel nun bereits der Freitag als Fachbesuchertag weg.

Mehr zur Buchmesse 2026 auch in den anderen Beiträgen. Siehe Eingangslinks. (in Arbeit)

  1. Zahlen aus einem Vortrag von Enrico Turrin, stellvertretender Direktor und Ökonom der Federation of European Publishers (FEP), am Mittwoch morgen auf der Buchmesse. ↩︎
  2. Angeblich gab es einen Bauschaden. Aber selbst wenn das stimmt, hätte man ja eine andere der zahlreichen mittlerweile leerstehenden Hallen für die bisherigen Aussteller in Halle 6 verwenden können. So wurde aber die Halle komplett als Veranstaltungsort gestrichen. ↩︎

Entdecke mehr von FlugundZeit

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.