BSF24: Abenteuer Audio und das Metaverse

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Woher kommt der Ton, das Geräusch und vor allem: Was ist es? Das waren die Fragen, die Klangkünstler Dr. Tommaso Perego von der UEL den Teilnehmern im Workshop Sonic Adventure stellte.

Wir saßen einem Tisch, hatten Kopfhörer auf, die Augen geschlossen und sollten Geräusche und Klänge identifizieren. Das ist noch relativ einfach, wenn es nur eine Geräuschquelle ist. Bei Überlagerungen, die beginnen und wieder verschwinden und aus unterschiedlichen Richtungen kommen, wird das schon anspruchsvoller.

Die Antworten der Teilnehmer – was sie wo und wie wahrgenommen hatten – bei der Befragung nach den einzelnen Klangbeispielen waren durchaus unterschiedlich.

Es war tatsächlich ein (ungewöhnliches) Abenteuer und machte riesig Spaß.

In seiner Forschung befasst sich Perego mit seinem Team in einem Projekt mit Bienen und ihren Flugwegen. Das Lied der Bienen ist ein „praxisorientiertes Projekt zur Erforschung von Bewegung, ausgedrückt durch Klang und Bild in einem immersiven interaktiven Kontext“.

Das Lied der Bienen untersucht die Überschneidung von Audio-, Raum- und Bewegungssemantik und versucht herauszufinden, wie diese mit der sich verändernden Rolle des Publikums vom passiven Zuhörer zum engagierten interaktiven Teilnehmer zusammenspielt.


Wandeln im Metaverse

Jetzt geht es (aus einer anderen Veranstaltung des British Science Festivals 2024) ins Metaverse.

Dazu bekommen die Teilnehmer eine Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) aufgesetzt. Dies ist ein meist klobiger Kasten, den man sich auf die Nase setzt und der die reale Wirklichkeit verschwinden lässt.

Die Brille vermittelt räumliches Sehen: Man taucht in eine vom Computer simulierte dreidimensionale Wirklichkeit ein, was als „Immersion“ bezeichnet wird.

Mit einer VR-Brille kann man virtuelle Realitäten ausgiebig erkunden: Durch zusätzliche Technik, etwa einen VR-Controller oder VR-Handschuhe, lässt sich auch mit der vorgegaukelten Wirklichkeit interagieren.

Und genau das alles gab es für die Besucher am BSF in einer interaktiven Ausstellung auszuprobieren: Step into the Metaverse hieß die Installation. Was also so eine Art Metaverse über das Metaverse war.

Die Ansicht für die Forscher am großen Bildschirm, wer gerade was macht. Die Namen und die optische Zuordnung der Avatare zu den Personen erfolgte willkürlich.

Alle Teilnehmer einer Gruppe befanden sich anfangs in einem Empfangsraum, einem Atrium, und konnten da schon über die Handgeräte und die Augen steuern, wen sie von den Mitprobanden kontaktieren wollten.

Gemeinsam oder alleine ging es dann virtuell in andere (wunderschöne große) virtuelle Räume. Auf großen Screens im Metaverse wurde Informationsvideo gezeigt. Also Videos im Metaverse über das Metaverse.

Die Person selbst blieb dabei am Platz stehen, konnte sich aber um 360 drehen, wenn sie wollte. Damit also auch hinter sich „sehen“.

Professor Julia Davidson und ihr Forschungsteam von der University of East London forschen zu den Themen Gesundheit, Wohlbefinden, Cyberkriminalität und Schäden durch Social Media.

Professor Davidson stellte fest, dass die meisten jungen Menschen, die an dem Forschungs-Pilotprojekt teilnahmen, bereits mit riskantem Verhalten im Internet konfrontiert worden waren. Sie sagte: „Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen gab an, dass sie gebeten wurden, ein Bild von sich an jemanden zu schicken, den sie nicht kennen.“

In den Studien wurde übereinstimmend festgestellt, dass mehr Beratung, Sensibilisierung, Unterstützung und Online-Sicherheitsfunktionen auf Plattformen erforderlich sind, um junge Nutzer vor Schaden im Metaversum zu bewahren.


©alle Bilder FuZ, außer Eingangsbild (aus der Studie von Tommaso Perego)

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One response to “BSF24: Abenteuer Audio und das Metaverse”

  1. Tommaso

    What a nice surprise and wonderful article!

    Kind regards

    Tommaso

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.