BSF26: Leben in der Tiefsee

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Wale, Delfine und Haie kennen wir vor allem aus einer Welt, die wir sehen können: von der Meeresoberfläche oder aus küstennahen Gewässern. Doch darunter beginnt ein riesiger Lebensraum, von dem wir bis heute erstaunlich wenig wissen.

Meeresbiologe Dr. Daniel Moore in seinem Vortrag über Deep Sea Sharks

Je tiefer es hinabgeht, desto fremder werden die Bedingungen – und desto schwieriger wird die Forschung. In Southampton versucht man, dieser verborgenen Welt ihre Geheimnisse zu entlocken.

Ab etwa 200 Metern Wassertiefe dringt nur noch sehr wenig Sonnenlicht ein. Zugleich verändern sich Druck, Temperatur und Lebensbedingungen deutlich.

Einige Tiefseehaie produzieren ihr eigenes Licht. Tausende winzige Leuchtorgane in ihrer Haut erzeugen einen bläulichen Schimmer, der sie im schwachen Restlicht der Tiefe tarnen kann. Bei manchen Arten dienen die Leuchtmuster vermutlich zusätzlich der Kommunikation oder sogar der Jagd. Bei einigen Laternenhaien gibt es zusätzlich charakteristische Leuchtmuster an Flanken, Bauch oder nahe der Flossen. Diese Muster unterscheiden sich von Art zu Art und könnten der Kommunikation oder Erkennung dienen.

In Southampton interessierte man sich schon immer für das Meer, weil es da einfach die Grundlage des täglichen Lebens war und ist.

Kaum verwunderlich, dass schon zu Zeiten, als die großen Schiffe hier loslegten, auch Forscher mit an Bord waren und, mangels Kamera, alles sammelten, was sie kriegen konnten, in Glasbehäter verfachteten und gleich oder später zeichneten. Teilweise wunderschöne, detaillierte Zeichnungen stammen aus frühen Forschungsberichten.

So entstand die „Discovery Collection“. Das ist ein weltweit einzigartiges Archiv von biologischen Proben, die aus den Weiten der Ozeane und viel aus der Tiefsee (500 bis 5000 Meter) gesammelt wurden. Und das bereits seit 1929, vor allem durch Reisen mit den britischen RRS Discovery1 Schiffen. Ein Grund, warum Anfragen aus der ganzen Welt für die Proben kommen.

Heute umfasst die Discovery Collection mehr als 70.000 Proben, die in unterschiedlichsten Gefäßen lagern – vom 25-Liter-Behälter bis zur filigranen Glasphiole. Proben seit 1975 befinden sich in Southampton im Oceanography Centre, ältere im Naturhistorischen Museum in London.

Was macht man mit den Proben?

Jetzt wird Wissenschaft mit Kunst gepaart. Und mit Können. Dr. Tammy Horten führt es vor, und die Teilnehmer des Workshops dürfen es ausprobieren.

Sieht einfach aus. Ist es aber nicht. Beim Zeichnen einer Probe unter dem Mikroskop sind Koordination und Genauigkeit gefragt. Und eine ruhige Hand.

Man sieht in diesem Spezialapparat, wenn man durch das Mikroskop guckt, über einen Spiegel überlappend, die eigenen Bleistiftstriche und die Probe. Das ist auf die Dauer anstrengend. Aber so entstehen wunderschöne Zeichnungen – bei den Profis wie Tammy Horten vom Oceanographic Centre. Taxonomie2 nennt sich die Tätigkeit.

Der Worksop „Across Time and Tide: Exploring the Deep Sea“ war eines der Highlights des BSF2026. Auf mehreren Tischen waren die Originalberichte mit den Texten und Zeichnungen von teils recht lange zurückliegenden Expeditionen einsehbar. Und Proben aus der Discovery Sammlung.

  1. Royal Research Ship (RSS) – auf Deutsch etwa „königliches Forschungsschiff“.
    Die RRS Discovery gehört zur britischen Forschungsflotte und wird für ozeanografische und marine Forschung eingesetzt. ↩︎
  2. Taxonomie ist ein Teilgebiet der Biologie, das Organismen (Tiere, Pflanzen, Pilze) identifiziert, beschreibt, benennt und in hierarchische Ränge wie Art, Gattung, Familie und Ordnung einteilt ↩︎

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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Einsatzorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.