Eigentlich ist folgendes ein Kommentar plus fachlicher Berichtigung, aufgrund der Textmenge wird es zum eigenen Beitrag.
CArsten schrieb:
Hmm, noch eine kurze Frage zu dem Absturz – in https://www.nytimes.com/2018/11/08/world/asia/indonesia-plane-crash-last-moments.html wird folgendes geschrieben:
„That would not have been a simple matter of pushing a button. Instead, pilots said, Captain Suneja could have braced his feet on the dashboard and yanked the yoke, or control wheel, back with all his strength. Or he could have undertaken a four-step process to shut off power to electric motors in the aircraft’s tail that were wrongly causing the plane’s nose to pitch downward.“
Als Laie gehe ich davon aus, dass die neueste Generation der 737 ein „Fly-By-Wire“ System hat – warum würden dann die Ingenieure Stellmotoren an der Kontrolle einplanen, wo man sich abstützen müsste, um die nötige Kraft einzusetzen? Oder irre ich mich da?
Ansonsten liest sich der Artikel fast so wie praktisch immer in der Zeit nach einem Absturz und vor einer Präsentation der zumindest ersten Auswertungen: Viele Vermutungen, einiges an Hintergrund, was nichts mit dem Flug/Absturz zu tun hat, aber zumindest für mich, auch einiges neues.
Die Antwort von flugundzeit
Aha die NYT. Das rechtfertigt natürlich ein Abschreiben aus einer Sekundärquelle?? Ernsthaft?
Erstens
Andere Texte im Internet, gerade solche, die weder von Piloten noch Technikgebildeten verfasst sind, sind keine Quelle für Flugundzeit. Das mag für Die Welt genügen, für mich ist das kein Journalismus sondern Abschreiben. Die Qualitätskriterien von flugundzeit basieren auf Journalismus und Recherche aus erster Hand.
Laien sollten demnach auch keine Beiträge mit fachlichen Beurteilungen schreiben. Egal in welchem Medium. Punkt.
Zweitens
Die beiden ersten Beiträge zum Unfall beinhalten Fakten und keine Meinung dazu. Wie immer bei Flugunfällen auf flugundzeit.
Aber: Flugundzeit ist als notwendiger Korrekturfaktor für Leser bekannt, zur Information versus dem üblichen gegenseitigen Abschreiben in Onlinemedien.
Der dritte Beitrag zum Unfall befasst sich (leider auch wie öfter) mit Berichtigungen zu von jedem fachlichen Wissen unbedarft abgeschriebenen Texten, die ihr (angesehenes) Medium disqualifizieren.
Ich kann es in der Politik und in Wirtschaftsteilen nicht beurteilen, wie viel Blabla da geschrieben wird (und maße es mir auch nicht an!, da Texte zu schreiben) – in der Luftfahrt kann ich es sehr wohl.
Zur fachlichen Korrektur des Zitats von CArsten
- Die Trimmung verändert den Winkel des Horizontalen Stabilizers.
- Mit dem Steuerhorn bewegt man den Elevator.
Läuft nun der Stabilizer in eine Richtung weg, dann kann man das mit der Gegenbewegung des Elevators ausgleichen. Je weiter man diesen ausschlagen muss, desto mehr Kraft wird benötigt.
Bei der 737 wird der Elevator hydraulisch bewegt. Der Pilot muss also NICHT mit irgendeiner körperlichen Gewalt gegen die Windlast halten!
Der Pilot bewegt sein Steuerhorn gegen eine so genannte Artificial Feel Unit. Diese simuliert die Windlast, die auf den Elevator einwirkt, sozusagen, um ihm ein Gefühl zu geben. Sie bleibt aber immer klein genug, um das Steuer jederzeit mit normaler Kraft bis zum Anschlag bewegen zu können.
Nun nochmal zum Verfahren
Trimmt das System automatisch in die falsche Richtung, dann kann man das mit den Trimmknöpfen am Steuerhorn (da hat der Pilot Flying beim Fliegen die ganze Zeit seinen Daumen drauf liegen) sofort unterbinden und in die richtige Richtung zurück trimmen.
Läßt der Pilot nun den Trimmknopf los, dann kann das ganze Spiel nach einigen Sekunden von neuem beginnen. Dieses Katz und Maus Spiel könnte nun ewig so weitergehen, ohne den Flug in Gefahr zu bringen oder körperliche Kraft zu benötigen.
Es wäre aber für den Piloten sehr nervig. Deshalb sieht das Verfahren dann vor, die elektrische Trimmung auszuschalten (Cutoff Switch).
Nun kann die Automatik nicht mehr dazwischen funken. Die Trimmknöpfe am Steuerhorn gehen allerdings auch nicht mehr.
Dies ist für die Piloten aber kein Problem, da sie die Trimmung konventionell mit dem Trimmrad bedienen können.
Der Stabilizer wird elektrisch bewegt. Die elektrische Trimmung bewegt per Elektromotor des Trimmrad. Das Trimmrad steuert mechanisch die Drehbewegung am Stabilizer.
Gerade, wenn man weiß, dass es auf den vorherigen Flügen in dieser Hinsicht Probleme gab, dann hat man das als Crew sicherlich gebrieft und weiß sofort, was zu tun ist. Die Cutoff Switches sind von beiden Piloten erreichbar und somit kann alles innerhalb von einer Sekunde erledigt sein, wenn man denn so schnell sein will – wie gesagt, Eile ist hier nicht erforderlich.

(c) Wikipedia
Daher sind jegliche Vermutungen, Unterstellungen wie die „Die Piloten kämpften“ oder auch die Suggestion: Billigfluglinie komplett fehl am Platz.

