Regeln für Air Taxis

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(c) NASA

Sich auf die Strasse zu setzen und von anderen Lösungen zu fordern, ist die eine Sache. Sich mit zukünftiger Mobilität zu befassen und dafür zu sorgen, dass wir auch künftig sicher leben und uns bewegen, und vor allem – dies sicher in die bestehende Luftfahrt integrieren können –, die andere.

Noch immer sind Air Taxis oder weiter gefasst – urbane Transportmöglichkeiten in der dritten Dimension – nicht Teil des Alltags. Aber es ist bereits 5 vor 12, sich mit Regeln und Verfahren zu befassen, wie diese neue Möglichkeit der Mobilität in unseren vorhandenen Luftraum sicher für alle integrierbar ist.

Anforderungen an künftige Piloten

Die Behörde FAA veröffentlichte im Juni eine spezielle Bundesluftfahrtverordnung (SFAR) für die Ausbildung und Zertifizierung von Piloten. Denn wer soll anfangs die Geräte in der Luft und später vom Boden aus steuern dürfen? Welche Berechtigungen und damit Kenntnisse braucht dieser Mensch?

Die SFAR enthält alternative Zulassungsvoraussetzungen für die Zertifizierung von AirTaxi-Piloten und Festlegungen zu vorläufigen Betriebsregeln. Dadurch will die FAA Informationen sammeln, um den besten dauerhaften Weg zu finden. Diese Regeln werden die nächste Generation von Luftfahrzeugen einschließen, die wie ein Hubschrauber starten und landen, aber wie ein Flugzeug fliegen können.

Vertreter der Industrie in den USA überlegten sich, wie die Integration der fortgeschrittenen Luftmobilität in den bestehenden Luftraum der USA zu bewerkstelligen ist. Die beiden Organisationen GAMA* (General Aviation Manufacturers Association) und NBAA** haben sich nun zu den SFAR geäußert.

Die Meinung der NBAA

Nach Meinung der NBAA stimmt der Vorschlag nicht mit den Zertifizierungsstandards der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO)**** überein und stellt eine unangemessene Belastung für Betreiber und Hersteller dar.

„Leider fördert diese behördliche Regelung nicht die Entwicklung von elektrisch angetriebenem Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann (eVTOL)“, so die NBAA in ihrer Stellungnahme. „Der Vorschlag für die Qualifizierung von Luftfahrzeugführern stellt für die meisten Hersteller von AAM***-Flugzeugen ein Hindernis für den Eintritt in den US-Markt dar, und die vorgeschlagenen Betriebsvorschriften schaffen ungleiche Wettbewerbsbedingungen für motorgetriebene AirTaxis, da sie die vielen Vorteile der vertikalen Start- und Landefähigkeiten nicht nutzen.“

Die Organisation gab Empfehlungen in mehreren Bereichen ab, darunter für die Pilotenqualifikation, Simulatoren und Flugausbildung, Betriebsvorschriften und Analyse der Auswirkungen von Vorschriften. Zu diesen Empfehlungen gehören die Forderung nach einer Musterberechtigung anstelle einer Kategorieberechtigung für AirTaxis, die Abschaffung der Anforderungen für eine neue Kategorieberechtigung und die Abschaffung der Anforderung einer eigenen Instrumentenberechtigung, wenn ein Pilot bereits eine Instrumentenberechtigung für Flugzeuge oder Hubschrauber besitzt.

Das sagt GAMA

Die GAMA befasste sich zudem mit dem FAA-Plan „Innovate 28“, in dem die verschiedenen Komponenten aufgeführt sind, die erforderlich sind, um den AAM-Betrieb bis 2028 an einem oder mehreren Standorten in großem Maßstab durchzuführen. GAMA-Präsident und CEO Pete Bunce sieht die Notwendigkeit, die neue Generation von Flugzeugen vor den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles zu integrieren. Er erklärte, es bestehe ein dringender Bedarf an einem leistungsbasierten Regulierungsrahmen, der es der Branche ermögliche, die Flugzeugzertifizierung, die Betriebsgenehmigungsverfahren und die Pilotenlizenzen abzuschließen, die erforderlich seien, um den gewünschten Zeitplan einzuhalten.

„Wir sind uns bewusst, dass die Entscheidung, eVTOL-Flugzeuge zu zertifizieren, sowohl für die Industrie als auch für die Regierung eine große Arbeit und Herausforderung darstellt, und wir fordern die FAA auf, die sicherheitsrelevanten Kommentare einer sehr breiten Gruppe von AAM-Herstellern, Betreibern und Branchenverbänden in vollem Umfang zu berücksichtigen“, sagte Bunce. „Wir müssen sicherstellen, dass die endgültige SFAR einen praktischen Weg zur Erstzulassung von Piloten sowie einen angemessenen Betriebsrahmen in Übereinstimmung mit der von den USA geführten Initiative bei der ICAO festlegt.

Auf diese Weise würde ein klarer Rechtsrahmen geschaffen, der die Sicherheit gewährleistet und das Wachstum der Branche in den USA und weltweit fördert. Wenn wir nicht rechtzeitig und praxisnah für Rechtssicherheit sorgen, gefährden wir die weltweite Führungsposition der US-Industrie im Bereich der fortschrittlichen Luftmobilität.

Was interessiert uns das in Europa?

Europäische Regelungen in der Luftfahrt leiten sich üblicherweise aus denen in den USA gültigen ab. Vielleicht ein wenig angepasst, meist verschärft, aber selten in Eigeninitiative im Vorausmarsch.


*Der Verband der Hersteller der Allgemeinen Luftfahrt (General Aviation Manufacturers Association, GAMA) soll das allgemeine Wohlergehen, die Sicherheit, die Interessen und die Aktivitäten der globalen Geschäfts- und allgemeinen Luftfahrtindustrie fördern. Dazu gehört auch die Förderung eines besseren Verständnisses der Herstellung, Wartung, Reparatur und Überholung von Flugzeugen der allgemeinen Luftfahrt und der Rolle, die diese Industriesegmente für das Wirtschaftswachstum und die wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie für die Erfüllung der wichtigen Transportbedürfnisse von Gemeinden, Unternehmen und Einzelpersonen weltweit spielen.

**Die National Business Aviation Association (NBAA) ist die Organisation für Unternehmen, die sich auf Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt einsetzen, um ihre Geschäfte effizienter, produktiver und erfolgreicher zu machen. Die NBAA will “ein Umfeld für die Geschäftsluftfahrt fördern, um in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt zu prosperieren.“ Der Verband vertritt mehr als 11.000 Unternehmen und Fachleute und veranstaltet jährlich die NBAA Business Aviation Convention & Exhibition.

***Urban Air Mobility (deutsch: „Urbane Luftmobilität“, sinngemäß etwa: Mobilität im urbanen Luftraum“ oder „Urbaner Lufttransport“, Abkürzung UAM oder AAM für Advanced Air Mobility) bezeichnet die Erweiterung städtischer Transportsysteme in den Luftraum. [Wiki]

****ICAO = Internationale Zivilluftfahrtorganisation 


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One response to “Regeln für Air Taxis”

  1. HEINZ K

    Nur mal zwei – von vielen – Argumenten gegen Lufttaxis in Deutschland.

    1) Zunächst müßte der Flugplatzzwang abgeschafft werden. Theoretisch kein Problem, denn den gibt es ja in anderen vergleichbaren (!) Ländern – z.B. UK – auch nicht. Ohne das ist ein echter Taxibetrieb, d.h. von einem beliebigen Ort zu einem beliebigen Ort, schon mal überhaupt nicht möglich.
    Man könnte zwar „Taxistände“ einrichten, aber das wären dann einerseits sog. Vertiports, also de facto Flugplätze, die dieselben Auflagen erfüllen müssen wie diese und andererseits ist das dann immer noch kein echter Taxibetrieb.
    Und Vertiports mitten in der Stadt? Die Klagewelle (Lärm, Radarstrahlung, Staubaufwirbelung, …) ist doch absehbar. Es wird ja immer so getan, als seien elektrische Antrieb so gut wie lautlos. Erstens ist das schon mal per se falsch und zweitens wissen Piloten, daß ein erheblicher Teil der Schallemissionen vom Propeller ausgeht, egal welcher Antrieb dahinter hängt. Nachtbetrieb von Lufttaxis kann man in der Stadt getrost ausschließen.
    Außerdem: ohne Flugplatzzwang kann selbstverständlich dann auch jeder Millionär mit seinem Hubschrauber (oder Otto Normalverbraucher mit seinem UL) jederzeit auf seinem eigenen Grundstück landen. Glaubt jemand das wirklich? Da ist doch die deutsche Neidkultur vor. Und die deutsche Regulierungswut, natürlich.

    2) Wer gewerblich Passagiere befördern will, braucht mindestens eine CPL. Wer das bei jedem Wetter tun will, braucht Instrument Rating (teuer). Gewerblich genutzte Luftfahrzeuge müssen außerdem erhöhte Anforderungen an die Wartung erfüllen (teuer), gewerblich aktive Piloten an die Gesundheitsprüfung. Und das ist gut so!
    Wer in München auf dem Marienplatz oder in Düsseldorf im Zoopark starten oder landen und ständig tief über dicht besiedeltes Gebiet und große Menschenmengen fliegen will, muß doch sicher mindestens dieselben Anforderungen erfüllen, wie einer ständig „nur“ (Achtung, Ironie) Düsseldorf-Palma, Flughafen zu Flughafen, fliegt. Oder? Also doch lieber ATPL?
    Ganz egal wie künftige – evtl. neue – Lizenzen für Taxipiloten aussehen werden, die Voraussetzungen dafür können und dürfen nicht laxer sein als für die bisherigen.
    Und selbst wenn es tatsächlich einmal unbemannte Lufttaxis geben sollte (extrem unwahrscheinlich), dann muß doch der, der sie am Boden steuert, mindestens dieselbe Qualifikation haben wie ein ATC, oder?
    Wir reden wir hier also über Leute, die im oberen fünf- bis unteren sechsstelligen Bereich verdienen (LH Gehälter einmal unberücksichtigt), also vier mal soviel wie ein Taxifahrer auf Mindestlohn (der trotzdem das Teuerste am Taxi ist).
    Wenn es jedoch Fluggesellschaften schon schwer fällt, mit 200 Sitzplätzen die dreimal pro Schicht besetzt werden, profitabel zu arbeiten, wie soll das dann gehen, wenn Betriebskosten und Gehälter auf zwei oder drei Handvoll Paxe umgelegt werden?
    Die Taxipiloten, egal ob im Flieger oder am Boden vor dem Radargerät, werden einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit Warten verbringen, so wie jeder Taxifahrer auch.
    Was also soll ein Flug von, sagen wir mal, Düsseldorf Uferpromenade nach DUS kosten? 500, 600, 700 EUR oder noch mehr?

    Wäre es also nicht viel, viel einfacher und umweltfreundlicher, endlich einen zuverlässigen, pünktlichen, schnellen, sicheren und sauberen öffentlichen Nahverkehr zu schaffen? Diese buchstäblichen (!) Luftnummern sind doch nur etwas für Politiker, die Probleme mit den Grundrechenarten und keine Lust auf Kärrnerarbeit haben.

    Und wenn wir schon über unbemannte Geräte sprechen, dann laßt uns doch mit dem allereinfachsten anfangen: schienengebundene!

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.