Air India: Vorläufiger Untersuchungsbericht

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Auf ein mögliches katastrophales technisches Versagen (potential catastrophic technical failure) weist der Preliminary Report der indischen Untersuchungsbehörde Aircraft Accident Investigation Bureau (AAIB) hin. 1

Der Bericht beruht auf der Auswertung von Flugdaten, Handlungen der Besatzung, Wetterbedingungen und Wartungsarbeiten. Die Untersuchung steht unter der Leitung des Generaldirektors des AAIB. Experten für Luftfahrtmedizin und ein Flugsicherungsbeamte gehören ebenfalls zum indischen Untersuchungs-Team.

Die Untersuchung der Absturzursache wird in Zusammenarbeit mit technischen Experten des US National Transportation Safety Board (NTSB), Boeing, General Electric (GE) und anderen internationalen Luftfahrtspezialisten durchgeführt.

Zurzeit untersuchen die Ermittler weitere Szenarien wie den Ausfall von zwei Triebwerken oder einen plötzlichen Verlust der hydraulischen, elektrischen oder Triebwerksleistung kurz nach dem Start.

Dazu führen Piloten von Air India Tests im Flugsimulator durch, um die Bedingungen des Absturzes zu simulieren.

Bisher konnte jedoch das Szenario nicht reproduziert werden – was auf eine höchst ungewöhnliche und möglicherweise noch nie dagewesene technische Fehlfunktion hindeutet.

Eine Blackbox wurde am 13. Juni von einem Dach und die andere am 16. Juni aus Trümmern geborgen. Die zweite Blackbox wurde zur Überprüfung eingesetzt, ob die Daten aus der ersten korrekt wiederhergestellt werden konnten.

Es wird erwartet, dass die indische Untersuchungsbehörde AAIB ihre gründliche Untersuchung weiter fortsetzt, um die genaue Absturzursache noch zu ermitteln und künftige Sicherheitsmaßnahmen zu empfehlen.

Der endgültige und detaillierte Untersuchungsbericht soll (erst) in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

Der Absturz des Air India-Flugs AI171 ereignete sich am 12. Juni 2025 und gilt als eine der tödlichsten Flugkatastrophen in der Geschichte Indiens, die 260 Menschenleben forderte.

Der nach London fliegende Boeing 787-8 Dreamliner stürzte nur wenige Sekunden nach dem Start vom Sardar Vallabhbhai Patel International Airport in Ahmedabad ab und traf das Wohnheim des BJ Medical College.


Foto: ©GODL-India


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4 responses to “Air India: Vorläufiger Untersuchungsbericht”

  1. Heinz K

    Das, was Du sagst, stimmt nicht mit meiner (kümmerlichen) Software Erfahrung überein, denn ich habe keine. Bin ja Maschinenbauer und was man nicht mit 17er Schlüssel, Tape, Fett, Draht und einem – nötigenfalls großen – Hammer reparieren kann ist irreparabel …
    Es stimmt aber 100%ig überein mit dem, was ein Freund, Software Tester in einem großen Laden, sagt.
    Unabhängig davon. Wenn die Wartungsintervalle dieser beiden Triebwerke tatsächlich offset waren, also nicht ein ungenügendes, kopiertes Teil in beiden gelichzeitig zur Unterbrechung der Spritzufuhr geführt haben kann, dann bleibt im Grunde wirklich nur die Software übrig. Die,warum auch immer, gleichzeitig auf beiden Seiten den Sprit abgeschaltet haben könnte.
    Und dann wären wir allerdings wieder beim Hersteller. Denn das kann man durch Wartungsschlamperei nicht verursachen, auch mit bösem Willen und mit voller Absicht nicht.
    Bin aktuell viel in 787 von United unterwegs und wäre wirklich erfreut, wenn das bald geklärt werden würde. Ein tolles Ding, auch wenn sie meiner all-time-love 747 das Wasser nicht reichen kann.

    1. Bin ja Maschinenbauer und was man nicht mit 17er Schlüssel, Tape, Fett, Draht und einem – nötigenfalls großen – Hammer reparieren kann ist irreparabel …

      🙂

      Die Steuerung der Triebwerke, die Ansteuerung. Wenn es nicht der Sprit selbst ist, der es verursachte. Aber das sollte man nun bereits herausgefunden haben.

      Bin aktuell viel in 787 von United unterwegs und wäre wirklich erfreut, wenn das bald geklärt werden würde.

      Das ist genau mein Ansinnen. Es geht um die Sicherheit der Passagiere, der Crew, die weiterhin 787 fliegen. Die Ungewissheit belastet immens.

      Wenn ich Zweifel habe, ob eine Nahrung gesundheitsschädlich ist, teile ich sie doch nicht weiter an Gäste aus, bis alle Zweifel ausgeräumt sind?

      Aber die Kosten in diesem Fall für eine vorsorgliche Stilllegung wären immens und da ist für Schreibtisch-BWLer ein weiterer Totalausfall wohl das geringere Übel.

      Deshalb dränge ich so auf eine wahrheitsgemäße und SCHNELLE Absturzuntersuchung und deren Veröffentlichung.

      Nichts wünsche ich mir mehr, als dass ich in diesem Fall – nicht wie üblich – nicht recht behalte und alle Bedenken sich in Luft auflösen.

  2. Heinz K

    Man könnte jetzt auf Boeing rumhacken und die Antwort, die sie auf Deine Anfrage gegeben haben, ist ja auch ebenso dämlich wie unbefriedigend. Wer eine 737Max verantwortet, hat doch nun wirklich jeden Grund, sich allzeit in Bescheidenheit zu üben: da steht doch nun „humble pie“ auf der Karte.

    Aber man muß eben auch anerkennen, daß ein Flugzeug spätestens nach 5 oder 6 Jahren mit allen Mängeln in der Verantwortung der Airline liegt, und das gilt für die Zelle genauso wie für die Triebwerke. Daß nach so langer zeit ein bis dahin unentdeckter Konstruktionsfehler auftritt, ist doch arg unwahrscheinlich.
    Wer schon mal das Vergnügen mit einigen chinesischen oder indischen Gesellschaften hatte, der weiß doch, daß da bereits recht junge Maschinen zu Klapperkisten mutiert sein können, egal ob Airbus oder Boeing.

    Die Chance, daß hier zu wenig oder mangelhafte Wartung auslösend war, ist jedenfalls ziemlich hoch. Kopierte, nicht originale bzw. nicht autorisiert überholte Triebwerksteile wären auch nicht so unwahrscheinlich, insbesondere dann, wenn sich der Verdacht auf gleichzeitigen Ausfall beider Triebwerke bestätigen sollte.
    Fazit: meinen Boeing-Knüppel habe ich noch, aber ich glaube, in diesem Fall bleibt er im Sack.

    1. Korrekt: Es gibt keine Berechtigung, zurzeit auf irgendjemandem herumzuhacken. Dazu sind offiziell zu wenig Fakten bekannt. (Aber die Reaktion auf eine Presseanfrage fand ich schon sehr daneben, gerade wenn das Unternehmen Flugzeuge aufgrund mangelnder, schlechter Kommunikation/Dokumentation verloren hat.)

      Nichtsdestotrotz (was für ein schönes Wort 🙂 ) ist mir als Physikerin der Zufall zu unwahrscheinlich, dass beide Triebwerke gleichzeitig ausfallen, ohne dass man ihnen im selben Moment die Spritzufuhr entwendet. Wie und wodurch auch immer. Triebwerke an einem Verkehrsflugzeug haben normalerweise unterschiedliche Lebens- und Wartungszyklen. „Gleichzeitig“ beim Ausfall ist hier für mich das Ausschlusskriterium für ein mechanisches Versagen.
      Die Wartungsuntersuchung sollte beim Zwischenbericht bereits enthalten sein. Das sollte auch nicht so lange dauern, wenn da etwas faul gewesen wäre. Aber again: Nichts genaues weiß man nicht…

      Meines Erachtens sollte der Software code Zeile für Zeile durchgegangen werden und die Abhängigkeiten untereinander überprüft werden. Und wenn schon ein (dämlicher) Bufferüberlauf es notwendig macht, dass ein Flugzeug-Computer alle 51 Tage resetted werden muss (den Programmierer hätte ich gefeuert), dann hat der Code möglicherweise auch noch andere Flaws.

      Und ja, ich weiß wovon ich bei der SW-Fehlersuche rede. Mein erster Job in den USA nach dem Studium war genau das: In einem großen Softwaresystem, an dem 1oo-e Mitarbeiter beteiligt waren, nach den Fehlerquellen zu suchen, die andere da vor uns gemacht hatten. Dass die Fehler/Systemabstürze beim Kunden gerne am Freitag Abend auftraten, war dabei Nebensache. Bis spätestens Montag morgen musste das System wieder fehlerfrei laufen. Unsere Gruppe der Software-Ingenieure hieß Dependability.

      Es geht. Alles. Wenn man nur will. Und die nötige Arbeitsmoral hat.

Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.