Oshkosh 2015: Donnerstag

DSC_0018 KopieBurt Rutan ist immer für eine Überraschung gut. Heute präsentierte er der Öffentlichkeit seine Version eines dynamischen Starts eines Shuttles oder einer Rakete aus der Luft. Als genialer Ingenieur stimmen dabei auch die technischen Anforderungen und Werte. Alles haarklein durchdacht und ausprobiert und getestet.

DSC_0027 KopieLinks eine kleine Auswahl der Folien für diejenigen, die sich für neue Launchsystem interessieren. (NASA ist es nach Burt Rutan nicht), aber in der NASA-Präsentation am Abend stellte sich heraus, dass sie noch nicht wissen, mit welchem Antrieb sie zum Mars fliegen wollen. Obwohl das Ziel Mars in vielen bunten Werbefilmchen als Ziel um die Ecke verkauft wird.

DSC_0020 Kopie

Eine DC-10 (kriegt man laut Rutan kostenfrei) und ein starkes Segelflugzeug, per verstärkten Kabeln verbunden. Huckepack auf dem Glider eine Rakete, die aus 40000 Fuß und mehr mit speziellem Rutan-Verfahren gestartet wird.

Alle Versuche und Daten wurden mit vorhandenen Segelflugzeugen berechnet und teilweise erflogen. Burt Rutan würde aber dafür natürlich ein eigenes Segelflugzeug konstruieren.

Die NASA wollte sein Verfahren nicht einmal kostenfrei weiter betrachten.

DSC_0051 Kopie

DSC_0084 Kopie

Von der NASA Präsentation zu Orion und den Raketentests im letzten Dezember:

DSC_0141 KopieIch habe nur noch nicht verstanden, wozu die Orion gut sein soll,, denn dass sie als Beförderung von Menschen zum Mars ungeeignet ist (Kapsel, keine Bewegungsmöglichkeit in der langen Reisezeit) haben auch die NASA-Verantwortlichen zugegeben. Das aber wird hier stets propagiert.

Was kann sie mehr als die alten Kapseln vom letzten Jahrhundert? Wo liegt die bahnbrechende Neuerung, die es ermöglichen soll, nunmehr Menschen auch weiter als den Mond zu transportieren? Und selbst beim Mond: da fehlt noch immer ein Lander und ein Vehikel für die Astronauten, wieder zurückzukommen.

DSC_0142 Kopie

DSC_0126 Kopie

DSC_0138 Kopie

Noch einige Bilder des Tages:
DSCN6322 Kopie

DSCN6316 Kopie
Beechcraft Starship, Design von Burt Rutan

 

Beechcraft Starship

DSCN6313 Kopie

DSCN6311 Kopie

DSCN6310 Kopie

DSCN6299 Kopie
Das original Lead Plane des D-Days

DSCN6304 Kopie

DSCN6305 Kopie

DSCN6297 Kopie

DSCN6291 Kopie

DSCN6289 Kopie

DSCN6270 Kopie
Drohnenkäfig wegen Class D Airspace. Da darf normalerweise keine Drohne fliegen.

 

"We have a liftoff" – die Kult-Originaltöne aus der Space Vergangenheit zum Download

Zur Auflockerung leichte Kost für zwischendurch: Die NASA hält auf einer Webseite jede Menge Original Voice Transmissions als Klingeltöne zum kostenfreien Download bereit.

Dazu gibt es Chorus Radio Waves within Earth’s Atmosphere, den original Sputnik: Beep, natürlich Apollo 13: Houston, We’ve Had a Problem und vieles mehr für Space Freaks.

Und einen Link zum Third Rock Space Radio.

klingelton2

———-

Ergänzung in eigener Sache am 20.2.:
Und ha!, wir waren mit der Veröffentlichung um eine halbe Stunde schneller als Spiegel Online. Die Info der NASA lag mir sogar einen ganzen Tag eher vor, als ich noch am Burning Man schrieb.

Wie man ein Schwarzes Loch erschafft…

Während viele in der Luftfahrt gespannt auf die Enthüllungen der Black Box von Flug QZ-8501 der AirAsia warten, erneut ein kleiner Ausblick etwas weiter weg ins All, zu einer Simulation eines schwarzen Lochs, die gerade die Gemüter auf YouTube in alle Richtungen beschäftigt.

Sogar die New York Times schreibt darüber, erwähnt allerdings nicht die Frankfurter Forscher um Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik am Campus Riedberg, die daran ebenso beteiligt sind. Sie visualisieren gemeinsam mit der NASA die Entstehung eines schwarzen Lochs.

Nicht selten entfalten Bilder gewaltiger Naturereignisse eine besondere Schönheit. Das gilt auch für Computersimulationen, wie sich unlängst zeigte, als die NASA den Clip des Frankfurter Astronomen Luciano Rezzolla auf Youtube stellte. Er zeigt in Zeitlupe, wie zwei Neutronensterne zu einem schwarzen Loch verschmelzen. Innerhalb weniger Tage wurde der schrecklich schöne Zusammenstoß gigantischer Massen mehr als 270 tausend Mal angeschaut. Mittlerweile sind es mehr als 459 tausend Klicks. Die „New York Times“ nahm die Simulation zum Anlass für einen ausführlichen Bericht über die Entstehung schwarzer Löcher.

Nur 20 Millisekunden – ein Fünftel der Dauer eines Wimpernschlags – dauert es, bis aus zwei Neutronensternen ein schwarzes Loch geworden ist. Gesehen hat das noch kein menschliches Auge, aber die Computersimulation, die auf Rezzollas Berechnungen beruhen, geben eine gute Vorstellung davon: Zu Beginn des Clips haben sich die beiden Sterne ungleicher Masse auf 18 Kilometer genähert; einen Abstand, der in etwa ihrem Durchmesser entspricht. Während sie in einer spiralförmigen Bewegung aufeinander zustürzen, löst sich bereits Materie von der Kruste des leichteren Sterns und wird in einem Strudel von dem schwereren Stern aufgesaugt.

Nur 13 Millisekunden später hat der schwerere Partner so viel Materie angesammelt, dass er unter dem Druck der Gravitationskraft zu einem schwarzen Loch kollabiert. Aber nicht alle Materie wird verschluckt. Ein Teil davon umkreist das dunkle Zentrum in einem Ring mit einer Ausdehnung von 20 Kilometern. Bei dem Zusammenstoß werden enorme Energiemengen in Form kurzwelliger Gammastrahlen freigesetzt. In nur zwei Sekunden entsteht dabei so viel Energie, wie alle Sterne in unserer Galaxie zusammen in einem ganzen Jahr produzieren. Auf dieses kurze Nachglühen richtet sich Rezzollas Forschungsinteresse. In der von der NASA koordinierten Swift Mission hofft er, die energiereichen Gammastrahlen mit großen, auf der Erde stationierten Teleskopen aufzuspüren.

Link zur Simulation

NASA: Orion Wiedereintritt und Splash-Down

splashdown1Nach knapp viereinhalb Stunden Flug ist Orion wieder wohlbehalten hier auf der Erde gelandet; besser gesagt, gezielt in den Pazifischen Ozean geplumpst. Das unter großem Jubel amerikanischer Kommentatoren, die das schon als Deep Space Mission bezeichnen und als ersten Schritt wieder für die bemannte amerikanische Raumfahrt. Orion hat die Erde ja immerhin kurzzeitig 15 mal so hoch umkreist wie die ISS (internationale Space Station) es seit Jahr und Tag tut.

micontrol1Die größte Höhe über der Erde war 5800 Kilometer (3604 SM), 17 Minuten danach separierte das Orion Modul vom Service Modul und damit auch von der zweiten Stufe der Delta IV Rakete. Zu dem Zeitpunkt lag der anvisierte Splash-Down-Punkt bei 2,4 Kilometern (1,5 SM) östlich der ursprünglich geplanten Position im Pazifik. Sie landete 600 Meilen entfernt von der Küste von Baja California.

raiseburnDie Geschwindigkeit der Kapsel beim Wiedereintritt lag bei 32000 Stundenkilometern (20000 MPH). Die geplante Kommunikationsunterbrechung dauerte zweieinhalb Minuten beim Re-entry.

Der „Raise Burn“ (links) der Thruster (Steuerdüsen) diente zur Ausrichtung der Orionkapsel für den Wiedereintritt.

micontrol
reentry2
NASA Simulation

 

reentry3
NASA Simulation

Die drei Hauptfallschirme haben jeweils einen Durchmesser von beachtlichen 35, 4 Metern (116 ft) und ein ebenso beachtliches Gewicht von je 136 Kilogramm (300 lb). Sie werden ähnlich wie ein Tandem-Fallschirmsystem über Drogue-Chutes aktiviert. Orion’s Drogue chutes zogen dann drei weitere kleine Fallschirme heraus, welche wiederum dann erst die drei großen Hauptfallschirme aktivierten.

 

reentry5Links sind nun Originalbilder vom Abstieg vor der Landung, aufgenommen von der Drohne (siehe unten).
reentry6

reentry1

USSOrion wurde nach der Landung von der NASA und U.S. Navy Teams aus dem Wasser geborgen und an Bord der USS Anchorage gebracht. Nach zwei Tagen soll sie zunächst nach San Diego reisen, um in nächster Zeit als Schulungsvehikel zu dienen. Der nächste Start ist erst in vier Jahren geplant.
drohne
Drohne, die die Bilder vor der Landung aufnahm
drohne1
Drohnenpilot

Insgesamt gibt es im Flug und Zeit Blog 3 Artikel zum Thema Orion Start:
NASA: Orion Wiedereintritt und Splash-Down
NASA: Orion startet erfolgreich
NASA probiert Orion Launch und Oshkosh 2015

Fotos: Screenshots hkl (NASA)

NASA: Orion startet erfolgreich

Heute Morgen ist Orion nun erfolgreich gestartet. Nach zwei Stunden und fünf Minuten Flug trat Orion in den Unteren Van-Allen-Gürtel ein. Da hier einigermaßen Strahlung herrscht, wurden für den fünfzehnminütigen Durchflug die Onboard-Kameras abgeschaltet. Beim Rückflug zum Splash-Down muss es den Van-Allen-Gürtel nochmals passieren.

Bei diesem Link gibt es das offizielle Liftoff Video der NASA und einen Link zum Countdown bis zum Splash-Down.

Und hier einige Screenshots der NASA-Übertragung:
oron

orion1

orion2

orion7

orion5

orion4

orion10

orion3

orion8

orion9

Screenshots: hkl (NASA)

NASA probiert Orion Launch und Oshkosh 2015

orionlaunch1Heute Morgen um 7:04 hätte Orion mit einer Delta IV Heavy Rocket von Cape Canaveral starten sollen.

 

Die Delay-Gründe (der Start ist zurzeit um 24 Stunden auf morgen früh verschoben) waren wie folgt:

 

  • (ziviles, nicht eingeplantes) Boot in der Sicherheitszone
  • zu viel Wind
  • Ventilprobleme
  • erneut zu viel Wind

Zum Thema zu viel Wind kommentierte ein NASA-Shuttle-Astronaut: 20 Knoten seien das Limit und der Computer hätte eben bei kurzzeitig 21 Knoten die NoGo-Warning abgeliefert.

Der Countdown war schon bis auf 3 Minuten heruntergezählt, alle Systeme waren auf GO, dann kam der Breakoff des Computers. Die Go-Meldungen der Vor-Startcheckliste werden von einem Menschen abgefragt und von den Menschen an den einzelnen Positionen bestätigt. Das No-Go liefert aber nun der Computer. Und wenn es nur ein Knoten zu viel ist. Automation eben, nicht mehr Menscheneinschätzung. (So in etwa der leicht enttäuschte Kommentar des Shuttle-Astronauten, der das wohl auch noch anders kennt.)

delayeddelayed1delyed2

missioncontrol
Mission Control.

fuel

Insgesamt gibt es im Flug und Zeit Blog 3 Artikel zum Thema Orion Start:

——————————————
Für Piloten zum Thema passend, eine Vorankündigung für Oshkosh 2015:

Das Air Venture war lange Jahre eine gute Gelegenheit, direkt mit NASA-Astronauten ins Gespräch zu kommen. Dann war die NASA gar nicht mehr am Event vertreten und in 2014 versuchte sie mit teilweise für Europäer inhaltlich peinlichen Veranstaltungen (weil das fachliche Niveau so tief war) wieder Flagge zu zeigen.

Im nächsten Jahr sollen nun Jim Lovell (Apollo 13 Mission Commander) und Flight Director Gene Kranz teilnehmen. Wir erinnern uns mit Kranz: „Failure is not an Option“ für die Apollo 13 Mission.

Der erfolgreiche Ausgang dieser Mission soll dann 45 Jahre später mit den Originalbeteiligten gefeiert werden. Sicher ein Highlight von Oshkosh 2015!

 

 

Screenshots: hkl (NASA)

 

NASA: Orion Launch am 4. Dezember

Update am 2.12:

(1) Für Donnerstag ist morgens an der Ostküste Regen vorhergesagt. (Als wenn wir noch schon genug Nass von oben in der letzten Woche gehabt hätten.) Vielleicht schafft es Orion noch vorher zu starten, ansonsten wird sich der Start vermutlich verschieben.

(2) Wer Zugang zu amerikanischem Fernsehen hat (Internet), auch der Weather Channel will den Start live übertragen. „Wetter“ ist eben nicht nur etwas für Alte, wie der Spiegel vor einigen Monaten so süffisant schrieb, sondern für aktive Menschen, die sich draussen bewegen und auch am wissenschaftliche Fortschritt interessiert sind.

——————————————————————–

Am 4. Dezember Ortszeit 4:30 Uhr morgens (10:30 in Deutschland) beginnt die Live Coverage des ersten NASA Teststarts der neuen Orionkapsel. Die Orionkapsel an Bord einer United Launch Alliance Delta IV Heavy Rocket soll vom Space Launch Complex 37 an der Cape Canaveral Air Force Station um 7:05 morgens Ortszeit abheben. Nach zwei Erdumkreisungen soll die viereinhalb Stunden Mission mit einem „Splashdown“ der Kapsel im Pazifischen Ozean beendet sein.  Die Kommentare zum Start hier in den USA sind sehr gemischt.

Wer den Start zuhause im Internet verfolgen möchte – es soll auf der NASA-TV-Seite (ansehbar auch über APPs) am 4.12. einen Direktlink geben.

NASA Werbevideo zum Orionstart.
Link zu Info über das Antriebssystem (Delta IV Heavy Rocket):

NASA: To boost the Orion spacecraft and service module 3,600 miles into space, the Delta IV Heavy uses a Common Booster Core (CBC) first stage which uses cryogenic propellants, Liquid Oxygen and Liquid Hydrogen, and two additional CBCs augment the first stage as strap-on liquid boosters to form a trip-body rocket.

Der Testflug ist der bereits im Sommer von der NASA angekündigte Exploration Flight Test-1 (EFT-1), ein Testflug des unbemannten Orion Spacecraft. Die Orionkapsel wird angetrieben von einer United Launch Alliance Delta IV Heavy Rocket.

Startort ist  SLC-37B, Cape Canaveral Air Force Station, im Kennedy Space Center.

Das Orion Crew Module soll auf seiner ersten Mission 3600 Meilen über der Erde fliegen. Zwei Hitzeschutzschilde sollen nach zwei Erdumrunduungen den Wiederintritt in die Atmosphäre der Erde sichern. Dann sollen 11 Fallschirme für verschiedene Landefunktionen eingesetzt werden.

Drei Hauptfallschirme von der Größe eines Fußballfeldes sollen Orion’s Abstieg verlangsamen, um auf weniger als 20 Meilen pro Stunde bei der Wasserung im Pazifik zu gelangen. Messungen während des Fluges sollen Informationen zu Optimierungen von Orion führen und gleichzeitig Informationen für den Antrieb des SLS-Systems liefern.

—–

Ein Youtube-Video passend zum Thema (Space Exploration) mit Dank an Andreas Schuster für den Link.

 

NASA will 2017 wieder vom KSC Astronauten zur ISS schicken

Die NASA gab heute nachmittag bekannt, dass Boeing und SpaceX gemeinsam bereits 2017 wieder Astronauten vom Kennedy Space Center (KSC) zur ISS schicken werden. Das John F. Kennedy Space Center ist der Weltraumbahnhof der NASA auf Merritt Island in Florida.

Diese Ankündigung ist Teil des „Commercial Crew Programs„, bei dem nicht nur Astronauten, sondern auch Privatpersonen ins All befördert werden sollen. Zweck ist die Entwicklung und Zertifizierung von einer sicheren und zuverlässigen US-Weltraumtransportsystem für Missionen zu und von der Internationalen Raumstation (ISS) und niedrige Erdumlaufbahn zu beschleunigen.

Der erste Testflug mit Crew soll nicht vor 2017 stattfinden. Wenn Privatunternehmen den Transport von Astronauten zur Internationalen Raumstation durchführen, kann sich die NASA auf Deep-Space-Missionen mit der Orion-Raumkapsel an Bord der Space Launch System (SLS) Rakete konzentrieren, die zurzeit in Entwicklung ist. Sie soll Menschen bis zum Mars befördern.

Das Auftragsvolumen beträgt 6,8 Milliarden US-Dollar. Boeing soll davon 4,2 Milliarden US-Dollar bekommen, SpaceX 2,6 Milliarden. Beide Unternehmen sollen dabei eine wieder verwendbare Raumkapsel entwickeln, die mit einer Rakete gestartet, Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS befördern soll, und die mit ihnen später wieder sicher auf der Erde landet.

Boeing entwickelt dafür das CST-100 Raumschiff in einem ehemaligen Shuttle-Produktionshalle im Kennedy Space Center. Die CST-100 sollen mit United Launch Alliance Atlas V-Raketen starten.

SpaceX will dazu auf seinem Crew Dragon Raumschiff aufsetzen – mit einer weiterentwickelten Version des Frachttransporters für die ISS. SpaceX plant, die Crew Dragons von ihren Falcon 9 Raketen zu starten.

Die Abhängigkeit von den Russen bei der Beförderung der Astronauten war den Amerikanern schon länger ein Dorn im Auge. Die politische Situation derzeit dürfte das verschärft haben.

Oshkosh 2014: Dienstag, Tag 2

Man kann nicht alles sehen und erleben. In Oshkosh sind so viele spannende fliegerische Ereignisse, Flüge, Vorträge und andere Veranstaltungen gleichzeitig, dass es stets schwer fällt, sich zu entscheiden. Meine Beiträge sind also inhaltlich sehr subjektiv selektiert. Trotzdem sollen sie Anregungen für andere Piloten geben, die gerade nicht hier sein können.

Mein Tag begann mit einem Vortrag über die SR-71, einem ausgedienten Spionageflugzeug der Amerikaner. Dieses schwarze, sleeke Ungetüm ist (in meinen Augen) so aussergewöhnlich und faszinierend seit ich es zum ersten Mal reell gesehen habe, vor Jahren, graziös in der Wüste Arizonas geparkt.

Graham
Col. Richard H. Graham

Heute sprach einer seiner Piloten, Col. Richard H. Graham, der auch vier Bücher zur SR-71 verfasst hat, über seine persönlichen Erlebnisse während des Einsatzes. Über die Geheimhaltung hinaus war der Piloteneinsatz in diesem Extremflieger noch stärker reguliert als bei Airlinepiloten. Follow the black line (dem Kurs) ohne Sperenzchen ist da noch das Mindeste.

Stundenlange Vorbereitungen jeder Menge Menschen vor einem Flug, sogar eine medizinische Tauglichkeitsuntersuchung der Piloten vor jedem Flug (wenn einer da aussortiert wurde ging die gesamte Crew, es gab keine Mix&Match Crews) und die Hot-Standby-Crew übernahm. Nach dem Briefing (mit Tankercrew und anderen Beteiligten) herrschte absolute Funkstille. Jeder wusste, was er in seiner Funktion zu tun hatte.

Graham: „Über 60000 Fuß gehört der Luftraum dir.“ Während der bis zu 11 Stunden dauernden Flugeinsätzen saßen die Piloten festgezurrt in ihren Druckanzügen auf ihren Sitzen und atmeten reinen Sauerstoff. „Das hörte sich dann an, wie Darth Vader, wenn wir untereinander flüsternd kommunizierten,“ so Graham. Nach der Landung gab es weitere stundenlange Briefings: Der Geheimdienst wollte informiert werden, ein operationelles Debrief folgte und die Techniker wollten wissen, was sie wo erneuern müssen.

Dick-Rutan

Dick Rutan, der Bruder des innovativen Flugzeugkonstrukteurs Burt Rutan, erzählte ziemlich offen über Human Factors bei seinen Rekordflug, mit Jeana Yeager in der Voyager vor 28 Jahren (1986). Der erste nonstop-Um-die-Welt-Flug, ohne aufzutanken. 9 Tage dauerte die Reise in einer Umgebung, „die kleiner als eine Telefonzelle war“, so Rutan.

Eine der Schlussfolgerungen war, dass man aktiv sein Gehirn ständig gebrauchen sollte, wenn man bei tagelangem Schlafentzug weiterhin einigermassen vernünftig denken und handeln muss. Sonst kommen die Halluzinationen und das ist beim Fliegen tödlich. Eine weitere war, dass man seiner Erwartungshaltung, gerade in Krisensituationen, nicht folgen sollte. Sondern: Zurücklehnen, entspannen und dann die Sache möglichst objektiv wahrnehmen und einschätzen. Das kann Leben retten. Das Falsche schnell zu tun, hilft selten.

Und dann ging es noch ums Entscheidungen fällen (decision making), einer ebenso Lebenserhaltenden oder Lebennehmenden Sache beim Fliegen. Kann ich das (heute) durchführen? So wie es sein soll?

NASAOrion1 Das NASA-Briefing zum Trip to Mars war heute erfreulicherweise ausführlicher als gestern. Mit Fokus auf das neue Space Launch System (SLS) und die Crew-Kapsel Orion, die zunächst Fracht und später auch Menschen zum Mars befördern soll.

Orion’s erste Mission, genannt Exploration Flight Test-1 (EFT-1) ist für Dezember 2014 geplant. Das Raumschiff fliegt dabei 3600 Meilen, 15 Mal weiter in den Raum als die Internationale Raumstation. Bei dieser Mission erhalten die EFT-1-Ingenieure kritische Daten zu Orion’s Hitzeschild und den Flugsystemen. Alles als Basis für den späteren Transport von Menschen.

Charlie Precourt, Vice President und General Manager, ATK Space Launch Abteilung, hält nicht viel von Simulationen: „Das muss unter realen Bedingungen getestet werden, sonst fehlen immer irgendwelche Faktoren.“ Als Beispiel führt er an, dass das Recylingsystem für Urin zurück zu Wasser am Boden hervorragend funktioniert hatte. An Bord der Internationalen Space Station aber verstopfte es recht bald und gab seine Funktion auf. Grund war das Calcium aus den Knochen der Astronauten, das in der Umlaufbahn vom Körper in wesentlich höherem Maß abgebaut wird als auf der Erde.

Nasakids
Selfie mit dem Astronauten Charlie Precourt

In der amerikanischen Bevölkerung ist nichts mehr von dem Space Enthusiasmus des Apolloprogrammes von vor 50 Jahren zu spüren. Mehrfach weisen die Vortragenden darauf hin, dass die NASA nicht mit der Aufgabe des Space Shuttle Programmes aufgehört hat zu arbeiten oder zu existieren. Auch die Fragen aus dem Publikum würden in Europa eher bei Grundschulklassen vorkommen. Sie sind wissensmäßig auf dem Stand von vor 50 Jahren. Da hat die ESA in Europa erfreulicherweise in den letzten Jahrzehnten gute Arbeit geleistet. Es ist ganz schöner Effort notwendig, die amerikanische Bevölkerung wieder für die Raumfahrt zu begeistern. NASA bemüht sich zurzeit redlich. Wir wünschen gutes Gelingen!

Weitere Themen:

Was auf den ersten Blick wie eine Kotztüte für Hunde aussieht, ist – eine Sauerstoffversorgung für Hunde. Wenn der Druck in der Kabine abfällt, soll doch auch der geliebte Vierbeiner weiterleben.
Was auf den ersten Blick wie eine Kotztüte für Hunde aussieht, ist – eine Sauerstoffversorgung für Hunde. Notwendig bei Flügen in großen Höhen ohne Druckkabine.
Cessna stellt eine neue 172er mit Turbodiesel vor. Der Motor ist von Continental und baut auf dem hierzulande gut bekannten Thielert-Diesel auf. 435000 Dollar soll der Flieger mit dem sparsameren Antrieb kosten.Cs-Diesel Cs-Diesel1
Einen neuen kleinen Wasserflieger will MVP Aero bauen. Ist noch im Konzeptstadium, werden wir hier später ausführlicher vorstellen.

Steve Pugh, Geschäftsführer von MVP Aero
Steve Pugh, Geschäftsführer von MVP Aero

 

Oshkosh 2014: Montag, Tag1

verhullteschonheitZum Icon-Event gestern abend

Zunächst einmal ist die Icon-A5 ein Amphibienflugzeug, das wahlweise auf festem Boden mit Fahrwerk oder auf dem Wasser landen kann. icon5Man kann aber auch die Flügel abmontieren, den Flieger auf den Hänger packen und mit dem PKW vornedran zu einem anderen Ort fahren. Klingt recht praktisch. Noch doller wird es, wenn es an die Zielgruppe geht. Die soll nämlich einfach nur Geld haben und Spaß an der Freude. Der Sinn nach Fliegen oder Pilot sein zu wollen, ist nicht Voraussetzung.

massmediaeventSeit sechs Jahren nun verfolgen Seaplane-Enthusiasten das Wirken, die Erfolge und die Rückschläge des Konzeptes.

Ein gängiger Pilot lernt Spin Recovery in seiner Ausbildung. Und hoffentlich auch, wie man Spins von vorneweg vermeidet und warum und wie sie entstehen. Spins sind immer schneller werdende Drehungen, die sich anfangs noch stoppen lassen, je nach Kunst des Piloten aber mit zunehmender Anzahl der Drehungen nicht mehr und dann im Absturz enden.

Ist ein Flugzeug Spin-Proof, also per se nicht fähig, in einen Spin als Flugzustand zu gehen, dann fällt die Anforderung, da wieder herauszukommen, für den Piloten natürlich weg. cockpiticon iconcockpit

Aufgrund der gesetzten Zielgruppe sollte die Icon also Spin-proof sein. Das erforderte weitere Konstruktionsänderungen und verzögerte die Entwicklung des aussergewöhnlichen Fliegers. Das Cockpit sieht eher wie ein Autocockpit aus, als das eines Flugzeuges. Auch das ist gewollt. Soll doch der angehende Flugzeugführer nicht durch die allgemein übliche, relative große Anzahl von (sinnvollen) Anzeigen abgeschreckt werden.

Gut, das alles ist seit den letzten sechs Jahren bekannt. Unter großem Tamtam wurde gestern abend nun feierlich der erste Produktionsflieger vorgestellt.

Presse war spärlich vertreten, der Großteil der Besucher waren Icon-Mitarbeiter und Owner. Owner, also Eigentümer, sind dem Verständnis nach Menschen, die etwas gekauft haben und dies in ihrem Besitz haben. Bei der A5 trifft der erste Teil zu: mehrere 1000 Menschen haben bereits eine Icon A5 (an)bezahlt, nur existiert ihr Flugzeug noch nicht. Die zurzeit Letzten haben eine Wartezeit von 4 Jahren voraus, bis ihr Flieger produziert wird.

———————

Heute abend tritt beim großen Konzert auf der Freibühne (hörbar auf dem gesamten Gelände und darüber hinaus) Kenny Loggins auf. Nicht so ganz meine Musikrichtung, die angejahrten Beach Boys in live fand ich spannender.

Der Montag im schnellen Foto-Rückblick:

esfuelltsich
Die Freiflächen und Wege füllen sich. Die EAA 2014 ist zum Leben erwacht.
Groß angekündigt und mit Spannung erwartet: Die Pressekonferenz der NASA zu ihren Spaceplänen bis zur Human Mission auf dem Mars. War dann aber doch eher oberflächlich und wenig detailliert.
Mit dabei: Charlie Precourt, vice president und general manager, ATK Space Launch Division; Larry Price, deputy Orion program manager; Lockheed Martin Tom Martin, project manager for Advanced Space & Launch Strategy; Aerojet Rocketdyne Jeremy Redden, systems integration project engineer; und ATK Myron Fletcher, rocket propulsion engineer von Boeing erzählten, was ihre Firmen so beitragen (wollen) für den Weg zur ersten human Marsmission. Die wird, das gleich vorweg, nicht vor 2030 stattfinden.
Am Dienstag ist Space Tag auf der EAA und bei der NASA geht es dabei um das künftige Mensch- und Fracht-Transportvehikel Orion. Mal sehen. Wir berichten.
6stepsmars1
(c) NASA
6steps2
(c) NASA

 

Dieselmotoren haben sich bisher in der Luftfahrt nicht durchgesetzt. Nichtsdestotrotz gab es zahlreiche Versuche, den optimalen (Diesel-)Flugmotor zu entwickeln: von Deutschen (Thielert), Österreichern (Austrodiesel), Franzosen (Safran SMA) und Amerikanern (Continental auf Thielert aufbauend).

Dick Rutan erzählt gern stolz, dass die Aufteilung bei den beiden Brüdern stets so war (und ist): er sei der Hero, der Fighterpilot und Burt der Genius, der Techniker, der Erfinder. Nun ja. Stimmt zwar, ist aber trotzdem ein ganz schön abgehobenes Statement.

Nun jedenfalls hat er diese Grenzen überschritten und gemeinsam mit EPS einen Flugdiesel entwickelt, der das Nonplusultra eines Flugmotors sein soll. Ein Dieselmotor von Scratch an entwickelt, also nicht von einem Automotor ausgehend wie die meisten Vorgänger.

dickrutan
Dick Rutan (rechts) und ein Manager von EPS stellten einen neuen Flugzeugdieselantrieb vor: den Graflight V-8 Diesel.

Dick Rutan: „Das Ergebnis, nach 6 Jahren harter Arbeit, ist der Graflight V-8.“ Der erste in einer Serie von Flugmotoren, die einen neuen Standard setzen sollen. Alles Angaben nach Aussagen von Rutan und EPS: Dieser leichte 8-Zylinder Viertaktmotor hat Maximalleistungen im Bereich von 320 bis 420 PS. Er verbrennt Jet-A1, Diesel, JP-8 und Biokraftstoff.

Die Verbrauchswerten sollen 40% unter vergleichbaren Avgas-Motoren und unter anderen Dieselmotoren liegen. Dies bedeutet eine enorme Reduktion der Betriebskosten. Mit einer angestrebten TBO (Time Between Overhaul; Zeit zwischen Grundüberholungen) von 3000 Stunden – gegenüber von etwa 2000 Stunden für Avgas-Motoren – sind die Einsparungen sogar noch größer. Rutan: „Wir haben alles getan, um Haltbarkeit und Zuverlässigkeit zu garantieren.“

Der Name des Motors wurde von Compacted Graphite Iron (CGI) abgeleitet. CGI ist ein hoch entwickeltes Material, das außergewöhnliche Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung aufweist. Dadurch wird der Motorblock leichter und fester als ein Aluminium-Motorblock. CGI bietet somit ein enormes Verbesserungspotential in einem sehr problematischen Punkt bei den meisten Flugmotoren, denn Kurbelgehäuse aus Aluminium sind anfällig für Ermüdungsbrüche. Der Garflight V-8 soll dieses Problem nicht haben durch die hohe Zugfestigkeit von CGI, die größere Haltbarkeit bewirkt. Rutan: „Unsere Kolben sind zudem aus Stahl gefertigt, um hohe Lebensdauer und minimale Verformung zur Verbesserung des Ölverbrauches zu garantieren.“

day1
Tag 1 des siebentägigen Flugzeugbaues. Das Interesse der Beteiligten und Zuseher ist enorm. Jeder will mitbauen und im Builderlog drinstehen.
ameliarose
Amelia Rose Earhart. Ja genau, Rose. Und daneben Safety Pilot Shane Jordan. Die Namensvetterin der 1937 verschollenen Pilotin flog 2014 deren Weltumrundungsflug nach. In einer Pilatus PC-12. Die Marketingkünste beider Pilotinnen sind ähnlich herausragend.
Any goal is worth trying! Keep up your novel work. Blue skies Amelia Earhart
Any goal is worth trying!
Keep up your novel work.
Blue skies
Amelia Earhart

 

 

airshow1
Airshow.
B-17
B-17
airplanes
Ein kleiner Ausschnitt der zahlreichen Besucher, die mit dem Flieger ankamen und bei ihrem Flugzeug zelten.
airplanes1
Eine weitere, der vielen Wiesen mit Flugzeugen und Zelten.

(c) alle Fotos: H. Kleisny