Lift-Off: Zündeln auf der ISS

Für ein richtig schönes Lagerfeuer braucht es Sauerstoff (und noch einiges andere). Im Weltall außerhalb einer Raumkapsel sind Brände also eher unwahrscheinlich. Drinnen allerdings, etwa auf einer Raumstation, in der Menschen normal atmen können, sieht es da schon anders aus.

Wie genau anders, das erforscht das Bremer ZARM demnächst mit einem CYGNUS-Raumtransporter der US-amerikanischen Firma Orbital ATK, der auf einer Antares 230 Rakete von Wallops Island, Virginia, zur Internationalen Raumstation ISS starten soll.

An Bord einer Raumstation brennt ein Feuer deutlich schwächer als am Boden und die Ausbreitung ist stark verlangsamt, örtlich wird es aber viel heißer, da der fehlende Auftrieb in der Schwerelosigkeit die heißen Abgase nicht von der Brandstelle fortträgt. Ein Material, das im Erdlabor von selbst verlischt, kann also auf einer Raumstation im All durchaus weiter brennen. Auch sehen die bisherigen Standardtests nur die Untersuchung glatter, ebener Proben vor. Unsere alltägliche Erfahrung zeigt uns jedoch, dass Ecken und Kanten leichter Feuer fangen als eine Fläche. Daher ist die Brandgefahr im Inneren einer Raumstation, die nicht vollkommen glatt und ohne Strukturen ist, auch wahrscheinlich höher als die bisherigen Testverfahren vermuten lassen.

Im Rahmen des internationalen SAFFIRE II Experiments, geleitet und finanziert von der NASA, untersucht das ZARM daher die Verbrennung und die Flammenausbreitung einer großen Acrylglasprobe mit strukturierter Oberfläche. Die wird in einem offenen Windkanal bei einer Luftgeschwindigkeit – ähnlich der von Klimaanlagen an Bord der ISS – entzündet und erforscht.

Die Idee dazu kam 2011 mit der Planung des SAFFIRE-Experiments auf, da sich damit diese gefährlichen Versuche auf einem Raumtransporter durchführen lassen, der am Ende ohnehin in der Erdatmosphäre verglüht.

Gespannt blickt das ZARM schon auf den Raketenstart, da der letzte Start der Antares 130 Trägerrakete im Oktober 2014 missglückte. Die Rakete stürzte ab, wurde völlig zerstört und das Launch-Pad schwer beschädigt. Am 14. Oktober 2016 soll sich nun die Nachfolgerakete Antares 230 zum ersten Mal bewähren. Sie ist in der ersten Stufe mit zwei russischen RD 181 Motoren ausgestattet.

Auf einen Blick

14. Oktober 2016 ab 2:15 (MESZ) / 13. Oktober 2016 ab 8:15 p.m. (EDT): Countdown für den Raketenstart in Wallops Island, Virginia, USA
16. Oktober 2016 ab 11:45 (MESZ) / 16. Oktober 2016 ab 5:45 a.m. (EDT): Andocken von CYGNUS an die ISS
18. November 2016 (Uhrzeit tbd): Abdocken der CYGNUS-Kapsel und Durchführung des SAFFIRE II-Experiments
Live-Stream des Raketenstarts
Animation des Missionsverlauf und des SAFFIRE II-Experiments (englisch)

Update 13.10. : Der Raketenstart verschiebt sich!
Zunächst wurde der Start auf Samstag wegen kleinerer, technischer Probleme und Auswirkungen des Hurricanes Matthew verschoben und nun steht ein neuerlicher Termin für Montag fest.
Dazu Projektleiterin Dr. Lucie-Patrizia Arndt:

Es bleibt spannend, nun erfordert der Tropensturm Nicole eine Verschiebung des Raketenstarts auf  Mo, 17. Oktober, 2:05 Uhr (MESZ). Wir geben auf unserer Homepage die Updates laufend bekannt, sodass Sie immer auf dem neuesten Stand sind.

Raketenstarts sind trotz all der Routine noch immer eine aufregende Sache.

 

Update 16.10.  von Projektleiterin Dr. Lucie-Patrizia Arndt:

Unsere Geduld wird erneut auf eine Probe gestellt. Orbital ATK hat gemeinsam mit der NASA vor wenigen Minuten einen Aufschub des Raketenstarts um 24 Stunden angekündigt:

Der Grund: Ein defektes Versorgungskabel der Bodenstation an der Startrampe, die die Rakete vor dem Start mit dem Kontrollzentrum verbindet, verursacht eine Verzögerung des Raketenstarts um 24 Stunden. Ersatzteile seien vor Ort und ein Technikerteam habe bereits mit der Reparatur begonnen, wie NASA und Orbital ATK bekannt geben.

Neuer Starttermin:
Dienstag, 18. Oktober 2016, 01:40 (MESZ) / October 17, 2016; 7:40 p.m. (EDT)
Live-Stream des Raketenstarts

Update 18.10.  Und es hat gklappt. Zumindest der Start. Der Erfolgsbericht nach einer langen Nacht im ZARM von Dr. Lucie-Patrizia Arndt:
Update 16.10. 

Der Raketenstart erfolgte nach Plan um 1:45 Uhr (MESZ). Die Highlights hat die NASA mit kurzen Clips bei Twitter eingebettet: https://twitter.com/NASA

Das Andocken der CYGNUS-Raumkapsel an die ISS wird erst für kommenden Sonntag, 23.10.2016 erwartet, da kurz zuvor eine russische Raumkapsel mit 3 Astronauten die ISS erreichen wird; es herrscht in den nächsten Tagen also ein reges Treiben rund um die Raumstation. Die CYGNUS-Kapsel wird für etwa 5 Wochen an der Raumstation angedockt bleiben und mit der Abkoppelung von der ISS (ca. Mitte/Ende November) wird dann das SAFFIRE II-Experiment gestartet werden.

Die besten Wünsche ans Team für den weiteren Projetkerfolg von FlugundZeit!

Deutsche Astronauten im Technik Museum Speyer

speyer-2Das Technik Museum Speyer ist immer einen Besuch wert. (Die Anreise mit dem Flugzeug ist praktisch, weil das Museum in Sichtweite der Landebahn liegt.)

Vieles, womit man fahren oder fliegen kann, hat hier bereits seinen Platz gefunden. Das geht vom Zweitakter bis zur Boeing 747, die schon weit hin sichtbar über das Außengelände hinaus ragt. Alles liebevoll im Kontext präsentiert.

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Deutsche Astronauten“ am Samstag gibt es einen weiteren Grund, hier die freie Zeit zum anschaulichen Wissensgewinn zu verbringen.

Gleich sechs der elf Deutschen Astronauten und Kosmonauten, deren persönliche Gegenstände in den Vitrinen zu sehen sind, waren am Eröffnungsabend anwesend und erzählten locker und amüsant aus ihrer Raumfahrtzeit: Ulf Merbold, Ernst Messerschmid, Hans Schlegel, Ulrich Walter, Reinhold Ewald, Gerhard Thiele und Gisela Furrer, die Schwester von Reinhard Furrer.

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Von links: Hans Schlegel, Ulf Merbold, Prof. Jan Wörner, Ernst Messerschmid, Ulrich Walter, Gerhard Thiele, Reinhold Ewald, Gisela Furrer.

Die elf Deutschen flogen sowohl mit amerikanischen Raumfähren als auch russischen Sojus-Raketen in den Weltraum. Während der insgesamt 16 Missionen führten sie dabei mehrere hundert wissenschaftliche Experimente durch.

Beim Fototermin links erklärt jeder, welche Ausstellungsstücke er zu den 194 Exponaten beitrug und warum. Das Resultat ist in je einer Glasvitrine pro Raumfahrer zu sehen. Alle Ausstellungsstücke stammen vom Training, den Missionen oder sind Auszeichnungen der Raumfahrer, meist im Kontext des ESA-Astronautenprogramms sowie der Kooperationen mit den USA/NASA und Russland.

Zur weiteren Wissensvertiefung gibt es ausführliche Informationstafeln und Exponats-Beschreibungen, Texte zu den Astronauten und den Missionen.

speyerGrausam mutet die originale Sojus-Kapsel an. Leichte Gebrauchsspuren lassen den „sanften“ Eintritt in die Erdatmosphäre und den Aufschlag bei der Landung erahnen: in der Minikapsel – drei Männer, eingepfercht auf so geringem Raum.
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„Apollo and Beyond“ heißt „Europas größte Ausstellung zur 50-jährigen Geschichte der bemannten Raumfahrt“, so der Veranstalter. Der Name erinnert ein wenig an den Bremer Kongress 2007 „To Moon and Beyond“ und an den derzeitigen Claim der NASA: Moon, Mars and Beyond sowie ein Spiel bei Kickstarter, das den Slogan ebenfalls recycelt. Ein Film von 1964 inspirierte sogar schon Stanley Kubrick für 2001, Odyssee im Weltraum.

Mir sind bisher eher die zahlreichen NASA-Ausstellungen mit den amerikanischen Errungenschaften bekannt und so ist diese Ausstellung zumindest für mich sehr speziell.

Eigentlich alle der anwesenden Astronauten und Kosmonauten habe ich schon über die Jahre vortragen und mehrfach Erlebnisse aus ihrer Raumfahrzeit erzählen gehört. In dieser Zusammensetzung und den gegenseitigen Kommentaren zu den Vorfällen war es neu und wieder spannend. Die Interviews waren sehr gut geführt von Ausstellungsleiter Gerhard Daum, im Bild rechts neben Gisela Furrer.

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Gerhard Thiele (Missionspezialist bei STS-99/SRTM mit Raumfähre Endeavour) und ESA-Generaldirektor Prof. Jan Wörner

Die letzen beiden Vorträge von Prof. Jan Wörner genoss ich bei der ESA im Zuge von Alexander Gersts Langzeitmission an Bord der ISS und bei der Jahrestagung 2015 des Luftfahrtpresseclubs in Leipzig. Bei ersterem war er noch Direktor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der letzte Vortrag war die schmissigste, amüsanteste und eine trotzdem korrekte Präsentation zum Thema Raumfahrt und deren Zukunft, die mir bisher untergekommen ist. In Speyer war das Vortragstempo zwar genauso rasant, aber etwas gemässigter in der Form.

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Wörner weiß, wie er die Zuhörer „kriegt“: Mit dem Originalsound zu Raumpatrouille Orion.

Man kann (und muss wohl) kurz auf die Errungenschaften der Amerikaner und der Russen, den kalten Krieg und was aus diesem Wettkampf – wissenschaftlich gesehen – doch Positives entstanden ist, eingehen. Man (Wörner) kann das auch kurz halten und geringfügig länger darauf hinweisen, was die Deutschen (Europäer) zu dieser Zeit Raumfahrtmäßig machten: Eine Fernsehserie in schwarz-weiß, bei der Bügeleisen und andere Utensilien wie Badewanneneinläufe als Mikrofone zukunftsträchtig eingesetzt waren.

Aber, wie Wörner explizit hinweist: Es ging bereits sehr international zu bei der Besetzung der TV-Raumfähre. Also zukunftsweisend. Heute gibt es auch offiziell keine Deutschen Raumfahrer mehr bei der ESA, sondern Europäer deutscher Abstammung.

DSC_0047Und dann folgt noch Wörner’s (die ESA) Version der Zukunft der Raumfahrt. Im Detail wird das von einem Fach-Gremium in den nächsten Wochen diskutiert werden. Welche Rolle soll der Mond auf dem Weg zum Mars spielen und wo und wie können wir (endlich) das ESA-Wissen so einsetzen wie es der internationalen Realität entspricht?

„Ohne Neugier wird die Zukunft nicht kommen“, sagt Wörner provokativ. „Diesen Wert müssen wir wieder für unsere Jugend schaffen.“ Alle Astronauten/Kosmonauten seien ausgesuchte Menschen, stark selektiert nach ihrem Wissen und Können. Deshalb werden sie auch mit ungebrieften Vorkommnissen bei ihren Einsätzen fertig wie etwa Reinhold Ewald mit dem Brand an Bord oder Ulf Merbold mit einem Stromausfall während seines Einsatzes.

Das bringt Ulrich Walter zu einem spontanen Aktion: Er schlägt Jan Wörner als Ehrenastronaut vor. Wird in der Runde sofort abgenickt. Der Generaldirektor der ESA ist berührt.

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Das hier ist die NASA-Version.
Und gleich noch einen Link auf einen frischen Beitrag vom DLR, passend zum Thema: 15 Jahre „Astronauten-WG“ in der Internationalen Raumstation ISS. (Interview und Video)
Weitere Fotos aus der Ausstellung im Technik Museum Speyer:

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Buran.
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BOR: unbemannter Testflugkörper, zum Erfahrungssammeln für die Buran
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Fahrwerksschacht der sowjetischen Buran-Raumfähre. Sie war eigentlich nie richtig im Einsatz und sieht dem Space Shuttle recht ähnlich.

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Ja, ich mag rote Feuerwehrautos. 🙂
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Freue mich schon auf den nächsten Besuch im Technik Museum Speyer!

 

Alle Fotos: (c) H. Kleisny

Oshkosh 2015: Donnerstag

DSC_0018 KopieBurt Rutan ist immer für eine Überraschung gut. Heute präsentierte er der Öffentlichkeit seine Version eines dynamischen Starts eines Shuttles oder einer Rakete aus der Luft. Als genialer Ingenieur stimmen dabei auch die technischen Anforderungen und Werte. Alles haarklein durchdacht und ausprobiert und getestet.

DSC_0027 KopieLinks eine kleine Auswahl der Folien für diejenigen, die sich für neue Launchsystem interessieren. (NASA ist es nach Burt Rutan nicht), aber in der NASA-Präsentation am Abend stellte sich heraus, dass sie noch nicht wissen, mit welchem Antrieb sie zum Mars fliegen wollen. Obwohl das Ziel Mars in vielen bunten Werbefilmchen als Ziel um die Ecke verkauft wird.

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Eine DC-10 (kriegt man laut Rutan kostenfrei) und ein starkes Segelflugzeug, per verstärkten Kabeln verbunden. Huckepack auf dem Glider eine Rakete, die aus 40000 Fuß und mehr mit speziellem Rutan-Verfahren gestartet wird.

Alle Versuche und Daten wurden mit vorhandenen Segelflugzeugen berechnet und teilweise erflogen. Burt Rutan würde aber dafür natürlich ein eigenes Segelflugzeug konstruieren.

Die NASA wollte sein Verfahren nicht einmal kostenfrei weiter betrachten.

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Von der NASA Präsentation zu Orion und den Raketentests im letzten Dezember:

DSC_0141 KopieIch habe nur noch nicht verstanden, wozu die Orion gut sein soll,, denn dass sie als Beförderung von Menschen zum Mars ungeeignet ist (Kapsel, keine Bewegungsmöglichkeit in der langen Reisezeit) haben auch die NASA-Verantwortlichen zugegeben. Das aber wird hier stets propagiert.

Was kann sie mehr als die alten Kapseln vom letzten Jahrhundert? Wo liegt die bahnbrechende Neuerung, die es ermöglichen soll, nunmehr Menschen auch weiter als den Mond zu transportieren? Und selbst beim Mond: da fehlt noch immer ein Lander und ein Vehikel für die Astronauten, wieder zurückzukommen.

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Noch einige Bilder des Tages:
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Beechcraft Starship, Design von Burt Rutan

 

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Das original Lead Plane des D-Days

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Drohnenkäfig wegen Class D Airspace. Da darf normalerweise keine Drohne fliegen.

 

"We have a liftoff" – die Kult-Originaltöne aus der Space Vergangenheit zum Download

Zur Auflockerung leichte Kost für zwischendurch: Die NASA hält auf einer Webseite jede Menge Original Voice Transmissions als Klingeltöne zum kostenfreien Download bereit.

Dazu gibt es Chorus Radio Waves within Earth’s Atmosphere, den original Sputnik: Beep, natürlich Apollo 13: Houston, We’ve Had a Problem und vieles mehr für Space Freaks.

Und einen Link zum Third Rock Space Radio.

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Ergänzung in eigener Sache am 20.2.:
Und ha!, wir waren mit der Veröffentlichung um eine halbe Stunde schneller als Spiegel Online. Die Info der NASA lag mir sogar einen ganzen Tag eher vor, als ich noch am Burning Man schrieb.

Wie man ein Schwarzes Loch erschafft…

Während viele in der Luftfahrt gespannt auf die Enthüllungen der Black Box von Flug QZ-8501 der AirAsia warten, erneut ein kleiner Ausblick etwas weiter weg ins All, zu einer Simulation eines schwarzen Lochs, die gerade die Gemüter auf YouTube in alle Richtungen beschäftigt.

Sogar die New York Times schreibt darüber, erwähnt allerdings nicht die Frankfurter Forscher um Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik am Campus Riedberg, die daran ebenso beteiligt sind. Sie visualisieren gemeinsam mit der NASA die Entstehung eines schwarzen Lochs.

Nicht selten entfalten Bilder gewaltiger Naturereignisse eine besondere Schönheit. Das gilt auch für Computersimulationen, wie sich unlängst zeigte, als die NASA den Clip des Frankfurter Astronomen Luciano Rezzolla auf Youtube stellte. Er zeigt in Zeitlupe, wie zwei Neutronensterne zu einem schwarzen Loch verschmelzen. Innerhalb weniger Tage wurde der schrecklich schöne Zusammenstoß gigantischer Massen mehr als 270 tausend Mal angeschaut. Mittlerweile sind es mehr als 459 tausend Klicks. Die „New York Times“ nahm die Simulation zum Anlass für einen ausführlichen Bericht über die Entstehung schwarzer Löcher.

Nur 20 Millisekunden – ein Fünftel der Dauer eines Wimpernschlags – dauert es, bis aus zwei Neutronensternen ein schwarzes Loch geworden ist. Gesehen hat das noch kein menschliches Auge, aber die Computersimulation, die auf Rezzollas Berechnungen beruhen, geben eine gute Vorstellung davon: Zu Beginn des Clips haben sich die beiden Sterne ungleicher Masse auf 18 Kilometer genähert; einen Abstand, der in etwa ihrem Durchmesser entspricht. Während sie in einer spiralförmigen Bewegung aufeinander zustürzen, löst sich bereits Materie von der Kruste des leichteren Sterns und wird in einem Strudel von dem schwereren Stern aufgesaugt.

Nur 13 Millisekunden später hat der schwerere Partner so viel Materie angesammelt, dass er unter dem Druck der Gravitationskraft zu einem schwarzen Loch kollabiert. Aber nicht alle Materie wird verschluckt. Ein Teil davon umkreist das dunkle Zentrum in einem Ring mit einer Ausdehnung von 20 Kilometern. Bei dem Zusammenstoß werden enorme Energiemengen in Form kurzwelliger Gammastrahlen freigesetzt. In nur zwei Sekunden entsteht dabei so viel Energie, wie alle Sterne in unserer Galaxie zusammen in einem ganzen Jahr produzieren. Auf dieses kurze Nachglühen richtet sich Rezzollas Forschungsinteresse. In der von der NASA koordinierten Swift Mission hofft er, die energiereichen Gammastrahlen mit großen, auf der Erde stationierten Teleskopen aufzuspüren.

Link zur Simulation

NASA: Orion Wiedereintritt und Splash-Down

splashdown1Nach knapp viereinhalb Stunden Flug ist Orion wieder wohlbehalten hier auf der Erde gelandet; besser gesagt, gezielt in den Pazifischen Ozean geplumpst. Das unter großem Jubel amerikanischer Kommentatoren, die das schon als Deep Space Mission bezeichnen und als ersten Schritt wieder für die bemannte amerikanische Raumfahrt. Orion hat die Erde ja immerhin kurzzeitig 15 mal so hoch umkreist wie die ISS (internationale Space Station) es seit Jahr und Tag tut.

micontrol1Die größte Höhe über der Erde war 5800 Kilometer (3604 SM), 17 Minuten danach separierte das Orion Modul vom Service Modul und damit auch von der zweiten Stufe der Delta IV Rakete. Zu dem Zeitpunkt lag der anvisierte Splash-Down-Punkt bei 2,4 Kilometern (1,5 SM) östlich der ursprünglich geplanten Position im Pazifik. Sie landete 600 Meilen entfernt von der Küste von Baja California.

raiseburnDie Geschwindigkeit der Kapsel beim Wiedereintritt lag bei 32000 Stundenkilometern (20000 MPH). Die geplante Kommunikationsunterbrechung dauerte zweieinhalb Minuten beim Re-entry.

Der „Raise Burn“ (links) der Thruster (Steuerdüsen) diente zur Ausrichtung der Orionkapsel für den Wiedereintritt.

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NASA Simulation

 

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NASA Simulation

Die drei Hauptfallschirme haben jeweils einen Durchmesser von beachtlichen 35, 4 Metern (116 ft) und ein ebenso beachtliches Gewicht von je 136 Kilogramm (300 lb). Sie werden ähnlich wie ein Tandem-Fallschirmsystem über Drogue-Chutes aktiviert. Orion’s Drogue chutes zogen dann drei weitere kleine Fallschirme heraus, welche wiederum dann erst die drei großen Hauptfallschirme aktivierten.

 

reentry5Links sind nun Originalbilder vom Abstieg vor der Landung, aufgenommen von der Drohne (siehe unten).
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USSOrion wurde nach der Landung von der NASA und U.S. Navy Teams aus dem Wasser geborgen und an Bord der USS Anchorage gebracht. Nach zwei Tagen soll sie zunächst nach San Diego reisen, um in nächster Zeit als Schulungsvehikel zu dienen. Der nächste Start ist erst in vier Jahren geplant.
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Drohne, die die Bilder vor der Landung aufnahm
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Drohnenpilot

Insgesamt gibt es im Flug und Zeit Blog 3 Artikel zum Thema Orion Start:
NASA: Orion Wiedereintritt und Splash-Down
NASA: Orion startet erfolgreich
NASA probiert Orion Launch und Oshkosh 2015

Fotos: Screenshots hkl (NASA)

NASA: Orion startet erfolgreich

Heute Morgen ist Orion nun erfolgreich gestartet. Nach zwei Stunden und fünf Minuten Flug trat Orion in den Unteren Van-Allen-Gürtel ein. Da hier einigermaßen Strahlung herrscht, wurden für den fünfzehnminütigen Durchflug die Onboard-Kameras abgeschaltet. Beim Rückflug zum Splash-Down muss es den Van-Allen-Gürtel nochmals passieren.

Bei diesem Link gibt es das offizielle Liftoff Video der NASA und einen Link zum Countdown bis zum Splash-Down.

Und hier einige Screenshots der NASA-Übertragung:
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Screenshots: hkl (NASA)

NASA probiert Orion Launch und Oshkosh 2015

orionlaunch1Heute Morgen um 7:04 hätte Orion mit einer Delta IV Heavy Rocket von Cape Canaveral starten sollen.

 

Die Delay-Gründe (der Start ist zurzeit um 24 Stunden auf morgen früh verschoben) waren wie folgt:

 

  • (ziviles, nicht eingeplantes) Boot in der Sicherheitszone
  • zu viel Wind
  • Ventilprobleme
  • erneut zu viel Wind

Zum Thema zu viel Wind kommentierte ein NASA-Shuttle-Astronaut: 20 Knoten seien das Limit und der Computer hätte eben bei kurzzeitig 21 Knoten die NoGo-Warning abgeliefert.

Der Countdown war schon bis auf 3 Minuten heruntergezählt, alle Systeme waren auf GO, dann kam der Breakoff des Computers. Die Go-Meldungen der Vor-Startcheckliste werden von einem Menschen abgefragt und von den Menschen an den einzelnen Positionen bestätigt. Das No-Go liefert aber nun der Computer. Und wenn es nur ein Knoten zu viel ist. Automation eben, nicht mehr Menscheneinschätzung. (So in etwa der leicht enttäuschte Kommentar des Shuttle-Astronauten, der das wohl auch noch anders kennt.)

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Mission Control.

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Insgesamt gibt es im Flug und Zeit Blog 3 Artikel zum Thema Orion Start:

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Für Piloten zum Thema passend, eine Vorankündigung für Oshkosh 2015:

Das Air Venture war lange Jahre eine gute Gelegenheit, direkt mit NASA-Astronauten ins Gespräch zu kommen. Dann war die NASA gar nicht mehr am Event vertreten und in 2014 versuchte sie mit teilweise für Europäer inhaltlich peinlichen Veranstaltungen (weil das fachliche Niveau so tief war) wieder Flagge zu zeigen.

Im nächsten Jahr sollen nun Jim Lovell (Apollo 13 Mission Commander) und Flight Director Gene Kranz teilnehmen. Wir erinnern uns mit Kranz: „Failure is not an Option“ für die Apollo 13 Mission.

Der erfolgreiche Ausgang dieser Mission soll dann 45 Jahre später mit den Originalbeteiligten gefeiert werden. Sicher ein Highlight von Oshkosh 2015!

 

 

Screenshots: hkl (NASA)

 

NASA: Orion Launch am 4. Dezember

Update am 2.12:

(1) Für Donnerstag ist morgens an der Ostküste Regen vorhergesagt. (Als wenn wir noch schon genug Nass von oben in der letzten Woche gehabt hätten.) Vielleicht schafft es Orion noch vorher zu starten, ansonsten wird sich der Start vermutlich verschieben.

(2) Wer Zugang zu amerikanischem Fernsehen hat (Internet), auch der Weather Channel will den Start live übertragen. „Wetter“ ist eben nicht nur etwas für Alte, wie der Spiegel vor einigen Monaten so süffisant schrieb, sondern für aktive Menschen, die sich draussen bewegen und auch am wissenschaftliche Fortschritt interessiert sind.

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Am 4. Dezember Ortszeit 4:30 Uhr morgens (10:30 in Deutschland) beginnt die Live Coverage des ersten NASA Teststarts der neuen Orionkapsel. Die Orionkapsel an Bord einer United Launch Alliance Delta IV Heavy Rocket soll vom Space Launch Complex 37 an der Cape Canaveral Air Force Station um 7:05 morgens Ortszeit abheben. Nach zwei Erdumkreisungen soll die viereinhalb Stunden Mission mit einem „Splashdown“ der Kapsel im Pazifischen Ozean beendet sein.  Die Kommentare zum Start hier in den USA sind sehr gemischt.

Wer den Start zuhause im Internet verfolgen möchte – es soll auf der NASA-TV-Seite (ansehbar auch über APPs) am 4.12. einen Direktlink geben.

NASA Werbevideo zum Orionstart.
Link zu Info über das Antriebssystem (Delta IV Heavy Rocket):

NASA: To boost the Orion spacecraft and service module 3,600 miles into space, the Delta IV Heavy uses a Common Booster Core (CBC) first stage which uses cryogenic propellants, Liquid Oxygen and Liquid Hydrogen, and two additional CBCs augment the first stage as strap-on liquid boosters to form a trip-body rocket.

Der Testflug ist der bereits im Sommer von der NASA angekündigte Exploration Flight Test-1 (EFT-1), ein Testflug des unbemannten Orion Spacecraft. Die Orionkapsel wird angetrieben von einer United Launch Alliance Delta IV Heavy Rocket.

Startort ist  SLC-37B, Cape Canaveral Air Force Station, im Kennedy Space Center.

Das Orion Crew Module soll auf seiner ersten Mission 3600 Meilen über der Erde fliegen. Zwei Hitzeschutzschilde sollen nach zwei Erdumrunduungen den Wiederintritt in die Atmosphäre der Erde sichern. Dann sollen 11 Fallschirme für verschiedene Landefunktionen eingesetzt werden.

Drei Hauptfallschirme von der Größe eines Fußballfeldes sollen Orion’s Abstieg verlangsamen, um auf weniger als 20 Meilen pro Stunde bei der Wasserung im Pazifik zu gelangen. Messungen während des Fluges sollen Informationen zu Optimierungen von Orion führen und gleichzeitig Informationen für den Antrieb des SLS-Systems liefern.

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Ein Youtube-Video passend zum Thema (Space Exploration) mit Dank an Andreas Schuster für den Link.