Ach, es gibt heutzutage so viele Experten, die uns weismachen wollen, dass sie die Künstliche Intelligenz intus haben und sie dem (minderbemittelten) Rest der Welt in Seminaren oder Büchern beibringen müssen…
Einer, der sich schon im letzten Jahrhundert mit KI befasste, ihren Einfluss in der Zukunft perfekt voraussagte und heute uns erneut eine Welt prophezeit, in der die Welt von künstlicher Intelligenz durchdrungen sein wird und Mensch und Maschine untrennbar miteinander verbunden sein werden, ist Ray Kurzweil.

Sein im Dezember (auf Deutsch) erschienenes Buch: Die nächste Stufe der Evolution – 334 Seiten ohne die Anmerkungen – sensibilisiert den Leser für eine Zukunft, in der wir unser Bewusstsein in das Digitale hinein erweitern und so auf eine höhere Ebene heben werden.
Der renommierte Zukunftsforscher, Tech-Visionär und Pionier ist eine Autorität für Künstliche Intelligenz. Wenn man also jemandem zuhören oder seine Bücher lesen sollte, dann ist das Raymond Kurzweil.
2005 kam sein Buch The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology (der deutsche, weniger aussagekräftige Titel: Menschheit 2.0: Die Singularität naht) heraus. Viel kritisiert, seine Theorien von der Allgemeinheit als Spinnerei abgetan.
Der Begriff technologische Singularität beschreibt einen zukünftigen Zeitpunkt, an dem die künstliche Intelligenz (KI) die menschliche Intelligenz übertrifft.
Nach diesem Ereignis wäre eine Zukunft für die Menschheit nicht mehr sicher. Warum sollten sich selbst verbessernde Maschinen so etwas veraltetes und weniger Schlaues wie Menschen noch benötigen? Maschinen, die sich selbst optimieren können, können auf Menschen locker verzichten.
Die erste (KI-)Superintelligenz wäre damit die letzte Erfindung der Menschheit, da spätere Innovationen unabhängig von menschlichen Akteuren durch Maschinen entwickelt würden.
Nur wenige Techies hielten die Vorhersagen von Kurzweil um die Jahrhundertwende für realistisch.
Auf das vorhergesagte exakte Jahr, wann die maschinelle Intelligenz die menschliche in allem überragt und Menschen dadurch vermutlich obsolet werden, kommt es nicht an. Man sollte die Jahreszahlen vielleicht nicht so tierisch ernst nehmen. Die Tatsache, dass der Übergang eintreten wird, wird aber nachvollziehbarer.
In seinem neuen Buch rechnet Kurzweil, dass es bis 2029 ein neuronales Netzwerk mit so großer Rechenleistung geben wird, dass es Menschen in allen Fähigkeiten überlegen ist. Dann sollen KIs in allen Fähigkeiten, die Menschen besitzen, weit besser sein als jeder Mensch.

Heute haben wir, so Kurzweil, schon eine Menge an Chancen zur Erweiterung für unser Gehirn. Etwa Smartphones, die unsere kalendarischen Daten bereithalten; Suchmaschinen, die unserer Wissen ergänzen oder auffrischen; Computer, die unsere Arbeit speichern.
Obwohl sich diese Gehirnerweiterungen außerhalb unseres Körpers befinden, helfen sie uns bereits bei Aufgaben, die wir ohne sie nicht erledigen könnten, auch wenn sie nicht physisch mit unserem Gehirn verbunden sind.
Als nächstes prophezeit Kurzweil bis 2030 eine Erweiterung des Neokortex in die Cloud. Das wäre dann der logische folgende Schritt nach den externen Gehirnerweiterungen.
Noch praktischer wäre, wenn sich diese „Gehirnerweiterungen“ direkt in unserem Körper befinden würden. (Man könnte sie dann auch nicht verlieren oder verlegen wie Smartphones.)

Wem das alles hier zu schnell geht und vor allem ohne Begründung und Erklärung, wie genau das alles gehen soll und wie weit wir schon sind – auf knapp 500 Seiten insgesamt gibt es all das vom KI-Pionier Ray Kurzweil in: Die nächste Stufe der Evolution.

Absolut lesenswert. Zumindest für die, die an die Zukunft glauben und nicht den Kopf in den Sand stecken vor all den Herausforderungen, vor denen wir heute stehen.
Das Buch ist gespickt mit vielen anschaulichen Illustrationen und Tabellen. Und wer es bis auf Seite 332 schafft, hat noch rund 150 Seiten Anmerkungen und weiterführende Texte vor sich.
Für wen ist das Buch
Ehrlich gesagt, fällt mir keine(r) ein, die/der das Buch nicht lesen sollte.
——
©alle Illustrationen: Piper; ©Bilder: Kleisny
Bonmot

2011 bin ich extra für einen Tag zu einem Symposium nach Mailand gereist, nur weil Ray Kurzweil, dem ich inhaltlich seit meinem Studium folge, einen Vortrag hielt. Sein neues Buch zu lesen, zu verschlingen, war daher eine logische Konsequenz. 🙂
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