Gehäkelte Quantenmechanik

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Es gibt nichts, was es nicht gibt. Zumindest in Großbritannien. Gehäkeltes Hirn. Ja, genau. Und zwar als Hut.

Aber lassen wir die charmante Künstlerin Helen Lydon selbst zu Wort (und Bild) kommen:

Die Erfahrung von Kunst und kreativer Praxis gibt mir Kraft: Sie hält mich am Leben, bodenständig und unendlich neugierig auf andere Menschen und die Welt, die wir teilen. Forschungen zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Kunst und Wohlbefinden – gelebte Erfahrung ist der stärkste Beweis dafür.

Nach dem Studium der Bildenden Kunst an der Liverpool John Moore’s University blieb ich dort, um auch noch einen Master in Kunst und Wissenschaft zu absolvieren – ein faszinierender Studiengang, der meine Praxis enorm erweitert hat.

Ich arbeite hauptsächlich mit Fasern und Materialien, mit denen ich dreidimensionale Formen schaffen kann. In letzter Zeit habe ich Häkeltechniken verwendet, um weiche Skulpturen und Kopfbedeckungen herzustellen.

Häkeln eignet sich besonders gut für die Herstellung hyperbolischer Ebenen.

Neuronale Verarbeitung ist nichtlinear und hat keinen klaren Anfang oder Ende.

©Helen Lydon

Angezogen vom Glanz und der Biegsamkeit von Kupferdraht begann ich zu häkeln und formte dabei unbeabsichtigt eine hyperbolische Form, die einem Gehirn ähnelte und sich zu dieser Kupfer-Hirn-/Gehirn-Mütze entwickelte.

Das Gehirn arbeitet in einer sich ständig verändernden Landschaft, in der mehrere Einflüsse dynamisch miteinander interagieren – ähnlich wie die komplexe Struktur einer hyperbolischen Häkelform.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie wir manchmal „mit unseren Händen denken“.

In der Neurowissenschaft wird diskutiert, ob kluge Handlungen unbewusste Automatismen oder das Ergebnis tiefer Konzentration sind.

Diese Auseinandersetzung mit Handwerk, Material und Kognition verdeutlicht die komplexe Beziehung zwischen Geist und Körper und stellt die Annahme in Frage, dass Denken nur mit Worten möglich ist.

©Helen Lydon

Dieser Hut visualisiert die positive Verbindung zum Wasser, die die meisten von uns empfinden, insbesondere wenn wir persönliche Erfahrungen mit Schwimmen, Baden, Angeln und Bootfahren haben.

Gehäkelter blauer Kupferdraht bildet eine netzartige, fraktalähnliche Struktur, die an welliges Wasser erinnert. Der gerüschte Stoffuntergrund vermittelt Bewegung und ein Retro-Gefühl wie bei einer Kreuzfahrt in den 1950er Jahren.

Das Design ähnelt auch den Mustern von Gehirnwellen und verbindet sensorisch reichhaltiges, langsameres Reisen mit neuronalen Prozessen. Es unterstreicht die kognitiven und emotionalen Vorteile einer intensiveren Auseinandersetzung mit unserer Umwelt.

©Helen Lydon

Dieser Hut hat sich organisch entwickelt und spiegelt die vielschichtige Komplexität der Entscheidungsfindung wider.

Inspiriert vom Hippocampus, hat er sich durch instinktive, kumulative Schöpfung verwandelt.

Seine Spitzenoberseite symbolisiert Offenheit für äußere Einflüsse – der Schlüssel zu fundierten Entscheidungen.

Die Neurowissenschaft bestätigt dies: Entscheidungen entstehen, wenn Informationen gesammelt werden, bis eine Schwelle erreicht ist, die zum Handeln anregt.



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Über die Autorin

Die Journalistin Helga Kleisny ist diplomierte Physikerin (TU Wien), Fallschirmspringerin und Pilotin. Nach Arbeitsorten weltweit (Wien, Taipeh, Boca Raton (FL), München, Frankfurt…) sind ihre Haupt-Lebens- und Arbeitsorte nun in Deutschland und in den USA. Sie schreibt als freie Luft- und Raumfahrtjournalistin. Ihre Begeisterung für alles Technische und die Natur, am besten in Kombination, zeigt sich in ihren Büchern und in Seminaren und Vorträgen.